Eu­ro­kri­se

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - BRU­NO HA­KE,

FuW Nr. 35 vom 8. Mai Wenn in ei­nem von Über­schul­dung be­droh­ten Land der pri­va­te, der un­ter­neh­me­ri­sche und der staat­li­che Sek­tor gleich­zei­tig den Kon­sum dros­seln, ge­rät es in ei­ne schwe­re Re­zes­si­on. Mark Ditt­li for­dert da­her, die öf­fent­li­chen Aus­ga­ben noch stär­ker als bis­her zu er­hö­hen, da­mit die Wirt­schaft wie­der wächst. Die da­durch zu­sätz­lich auf­ge­türm­ten Schul­den soll­ten dann spä­ter, wenn die Wirt­schaft wie­der boomt, ab­ge­baut wer­den. Aber die Ent­schei­dung über ei­nen Spar­haus­halt des Staa­tes ist Sa­che der Po­li­tik, und die­se folgt nicht volks­wirt­schaft­li­cher Lo­gik. Der frü­he­re Eu­ro­pa­rat-Ab­ge­ord­ne­te Ot­to von Habs­burg brach­te es auf den Punkt: «De­mo­kra­tie ist die Kunst, die Stim­men der Wäh­ler mit ih­rem ei­ge­nen Geld zu kau­fen.» Dass er recht hat­te, zeigt sich dar­an, dass in den Wah­len der letz­ten Jah­re al­le Re­gie­rungs­chefs, die zum «Spa­ren» auf- rie­fen, ab­ge­wählt wur­den. Kann man es da­her ei­nem Po­li­ti­ker ver­den­ken, wenn er sei­ne Macht nicht der volks­wirt­schaft­li­chen Lo­gik op­fern will?

Ver­pflich­tun­gen zu spä­te­ren «Spar­haus­hal­ten» als Ge­gen­leis­tung für wei­te­re De­fi­zit­fi­nan­zie­rung durch die Eu­ro­part­ner wä­ren da­her so we­nig glaub­haft wie der Maas­tricht-Ver­trag mit sei­ner No-Bailout-Klau­sel. Um ei­ne Re­zes­si­on zu be­kämp­fen, könn­te die von Mark Ditt­li er­wähn­te vier­te Säu­le der Wirt­schaft ak­ti­viert wer­den: der Aus­sen­han­del. Das er­for­dert aber, dass das Land die Eu­ro­zo­ne ver­lässt und sei­ne Wäh­rung ab­wer­tet, um wie­der wett­be­werbs­fä­hig zu sein. Die­se Al­ter­na­ti­ve ist bei den Eu­ro­ret­tern der­zeit noch ta­bu, wird sich aber auf Dau­er nicht ver­mei­den las­sen. Sie wür­de der Be­völ­ke­rung der PIIGS-Staa­ten vie­le Här­ten er­spa­ren, künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen vor ho­her Schul­den­last be­wah­ren und ver­hin­dern, dass die miss­glück­te Eu­ro­ein­füh­rung Eu­ro­pa spal­tet.

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