EZB steht vor Neu­land

Ne­ga­ti­ve Zin­sen und ein QE für Pri­vat­schuld­ner im Ram­pen­licht

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOM­MA­SO MANZIN

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) steht am Don­ners­tag vor der Wahl, die Zin­sen nach der Sen­kung im Mai um 25 Ba­sis­punkt (Bp) aber­mals zu kür­zen. Der Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­satz, zu dem sich Ban­ken bei der EZB ge­gen Hin­ter­le­gung no­ten­bank­fä­hi­ger Wert­pa­pie­re Geld bor­gen, wur­de in der Sit­zung vom Mai von 0,75 auf 0,5% ge­senkt.

An­ge­sichts ei­ner pre­kä­ren Kon­junk­tur und ho­her Fi­nan­zie­rungs­kos­ten für Un­ter­neh­men in Kri­sen­län­dern er­tönt der Ruf nach ei­ner ex­pan­si­ve­ren Geld­po­li­tik seit Lan­gem. Die OECD dräng­te letz­te Wo­che auf Ne­ga­tiv­zin­sen, der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) hat­te im April of­fen tie­fe­re Sät­ze von der EZB ge­for­dert.

We­ni­ger Dring­lich­keit

An ei­ner Ta­gung im ita­lie­ni­schen Cernobbio for­der­te die­ses Wo­che­n­en­de die Vi­ze-IWF-Di­rek­to­rin Ne­mat Sha­fik mehr EZB-Un­ter­stüt­zung für KMU. Rats­mit­glied Ewald No­wot­ny hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che wie­der­holt, die No­ten­bank su­che Al­ter­na­ti­ven zu Zins­sen­kun­gen, da die­se we­gen der Frag­men­tie­rung im Wäh­rungs­raum dort nicht mehr gleich­mäs­sig an­kä­men. Sie könn­te et­wa den Markt für ABS (As­set Ba­cked Se­cu­ri­tes) wie­der­be­le­ben, in­dem die No­ten­bank­fä­hig­keit die­ser Wert­schrif­ten, die auch durch KMUKre­di­te be­si­chert sein könn­ten, ver­bes­sert wür­de. Mit dem Kauf von ABS wür­de die EZB ei­ne neue Run­de Quan­ti­ta­ti­ver Lo­cke­rung (QE) ein­läu­ten.

Die Eu­ro­s­tat-Da­ten vom Frei­tag zei­gen mit 1,4% ei­nen hauch­dün­nen An­stieg der Jah­res­in­fla­ti­on, und die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes (PMI) vom Mon­tag sind in der Pe­ri­phe­rie bes­ser aus­ge­fal­len als er­war­tet (vgl. Sei­te 20). Die Ex­per­ten­welt ist zwar wei­ter ge­spal­ten, doch das La­ger de­rer, das we­der ei­ne Zins­sen­kung noch un­kon­ven­tio­nel­le Mass­nah­men er­war­tet, hat et­was Zu­lauf er­hal­ten.

Null­li­nie als fal­sches Si­gnal

Ei­ne Sen­kung des Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­sat­zes wür­de den Ein­la­gen­satz un­ter die ak­tu­el­len 0% drü­cken, falls die EZB den Kor­ri­dor zwi­schen den Sät­zen bei­be­hal­ten will. Dies­falls wür­den Ban­ken zur Kas­se ge­be­ten, wenn sie Re­ser­ven auf ih­rem EZB-Kon­to­kor­rent, die das Min­dest­mass über­stei­gen, über Nacht in der EZB-Ein­la­gen­fa­zi­li­tät park­ten.

EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi be­zeich­ne­te Ne­ga­tiv­zin­sen bis­her als un­be­fah­re­ne Ge­wäs­ser. Doch im Mai gab sich die EZB zu­ver­sicht­li­cher, man sei «tech­nisch be­reit» für ne­ga­ti­ve Zin­sen, soll­te sich die Wirt­schafts­la­ge in der Eu­ro­zo­ne wei­ter ver­schlech­tern. Die Fra­ge, ob ne­ga­ti­ve Ein­la­ge­sät­ze die Wirt­schaft sti­mu­lie­ren wür­den, be­jaht Lau­rence Mut­kin, Zins­stra­te­ge bei Mor­gan St­an­ley. Denn sie kä­men zu­sam­men mit der Sen­kung des Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­sat­zes. Wie Draghi be­reits in der letz­ten Pres­se­kon­fe­renz er­klär­te, wür­de das die Re­fi­nan­zie­rung je­der Bank bei der EZB er­leich­tern.

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit wä­re die Sen­kung des Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­sat­zes oh­ne die Sen­kung des Ein­la­gen­sat­zes – er blie­be bei 0%. «Das Si­gnal wä­re aber, dass der Ein­la­gen­satz nicht un­ter null sin­ken kann, und das wird die EZB nicht un­be­dingt aus­sen­den wol­len», führt Mut­kin aus. Für die No­ten­bank sei es wich­tig, glaub­haft zu ma­chen, dass sie über wei­te­ren Spiel­raum ver­fügt.

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