Bril­lan­te Be­gehr­lich­kei­ten

Gen­fer Ju­we­len­auk­tio­nen – Star­ke Nach­fra­ge nach Topstei­nen – Pr-coup der Swatch Group

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Kaum hat sich Swatch Group für 1 Mrd. Fr. den New Yor­ker Tra­di­ti­ons­ju­we­lier Har­ry Wins­ton ein­ver­leibt, sorgt das jun­ge Ge­spann für ei­ne Sen­sa­ti­on: In der Gen­fer Ju­we­len­ver­stei­ge­rung von Chris­tie’s kauf­te es am 15. Mai für fast 26 Mio. Fr. den gröss­ten und bes­ten Dia­man­ten der Auk­ti­ons­ge­schich­te. Doch was macht der Uh­ren­gi­gant mit die­sem 101,73 Ka­rat oder rund 20 g schwe­ren St­ein?

Mit dem Kauf des bir­nen­för­mi­gen Dfar­be­nen und lu­pen­rei­nen Wins­ton-Le­ga­cy-Dia­man­ten vom sel­te­nen Typ 2A hat Swatch Group vor al­lem ei­nen bril­lan­ten PR-Coup ge­lan­det: Schnel­ler als mit die­sem mil­lio­nen­schwe­ren Dia­man­ten­in­vest­ment hät­te Swatch-Group-Prä­si­den­tin Nay­la Hay­ek die in Genf ver­sam­mel­te welt­wei­te Ju­we­lene­li­te kaum für sich ge­win­nen kön­nen.

Der Wins­ton Le­ga­cy

Be­fürch­tun­gen, das 1932 in New York ge­grün­de­te Dia­man­ten­haus könn­te un­ter sei­nen neu­en Ei­gen­tü­mern zu ei­nem Lu­xus­uh­ren­brand mu­tie­ren, hat Nay­la Hay­ek, die auch CEO von Har­ry Wins­ton ist, so mit ei­nem Schlag aus­ge­räumt. Da­bei sind sol­che Ängs­te im emo­ti­ons­träch­ti­gen Ge­schäft mit Spit­zen­ju­we­len be­son­ders aus­ge­prägt. Na­men wie Car­tier, Van Cleef & Ar­pels, Tif­fa­ny, Bul­ga­ri, Graff und Har­ry Wins­ton ste­hen nicht nur für ei­nen un­ver­wech­sel­ba­ren Stil, sie sind zugleich die Ga­ran­ten für höchs­te Edel­stein­qua­li­tät und da­mit für die lang­fris­ti­ge Wert­be­stän­dig­keit ih­rer Schmuck­stü­cke.

Ge­fun­den wur­de die­ser Jahr­hun­dert­dia­mant in den hälf­tig dem Dia­man­ten­pro­du­zen­ten De Beers und dem Staat Bots­wa­na ge­hö­ren­den Jwa­heng-Mi­nen von Bots­wa­na als 236 Ka­rat schwe­rer Roh­stein. Zu­schnitt, Schliff und Po­li­tur dau­er­ten fast zwei Jah­re. Mit sei­nem Kauf für 25,88 Mio. Fr., ent­spre­chend ei­nem Ka­rat­preis von 262 832 $, ha­ben Swatch Group und Har­ry Wins­ton ein Be­kennt­nis zu Ju­we­len und Dia­man­ten­han­del ab­ge­legt und klar­ge­macht, dass Har­ry Wins­ton in der Ju­we­len­welt wei­ter­hin ein be­deu­ten­der und nun erst noch über­durch­schnitt­lich fi­nanz­star­ker Play­er bleibt.

Zum ra­schen Wei­ter­ver­kauf dürf­te die­ser St­ein da­ge­gen we­der ge­eig­net noch vor­ge­se­hen sein. Schon sei­ne un­mit­tel­bar nach der Ver­stei­ge­rung be­kannt­ge­ge­be­ne Be­nen­nung als The Wins­ton Le­ga­cy Dia­mond deu­tet dar­auf hin, dass er als spek­ta­ku­lä­rer Mar­ken­bot­schaf­ter für Har­ry Wins­ton die­nen soll. In­dem sie sich so­fort nach der Ver­stei­ge­rung, als noch al­le Me­di­en im Auk­ti­ons­saal an­we­send wa­ren, als Käu­fer die­ses St­eins ou­te­ten, be­wie­sen die Ver­ant­wort­li­chen von Swatch Group, wie per­fekt sie das Show­busi­ness der Ju­we­len­bran­che be­reits be­herr­schen.

Neu ist der Ein­satz spek­ta­ku­lär teu­re­rer Kunst­ge­gen­stän­de als Image­trä­ger und Wer­be­mit­tel üb­ri­gens nicht. Als der Ver­kauf von Vin­cent van Go­ghs «Son­nen­blu­men» für da­mals sen­sa­tio­nel­le 39,9 Mio. $ die in­zwi­schen dreis­sig­jäh­ri­ge Kunst­markt­dau­er­hausse ein­lei­te­te, stand da­hin­ter nicht ir­gend­ein Samm­ler, In­ves­tor oder ein Mu­se­um, son­dern der ja­pa­ni­sche Ver­si­che­rungs­ma­gnat Ya­suo Go­to. Er soll das Bild im Ge­den­ken dar­an er­wor­ben ha­ben, dass ein an­de­res Bild die­ser Son­nen­blu­men­se­rie wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs in Ja­pan ver­brannt war. Er stell­te es da­her im 42. Stock des neu­en Bü­ro­ge­bäu- des sei­ner Feu­er­ver­si­che­rung, der Ya­su­da Fi­re and Ma­ri­ne In­suran­ce Com­pa­ny of Ja­pan, aus, was un­zäh­li­ge Schau­lus­ti­ge an­lock­te – und zugleich den Grund­stein für ein ei­ge­nes Mo­der­ne­mu­se­um bil­de­te. Auch wenn da­zu kei­ne be­weis­kräf­ti­gen Zah­len vor­lie­gen, so dürf­te sich die­se mä­ze­na­ti­sche PR-Auk­ti­on für das Un­ter­neh­men aus­ge­zahlt ha­ben.

Fast al­les wur­de ver­stei­gert

Am Ver­kauf des im Auk­ti­ons­saal bei 23 Mio. Fr. Ham­mer­preis zu­ge­schla­ge­nen Wins­ton-Le­ga­cy-Dia­man­ten hat bis­her da­ge­gen vor al­lem das Auk­ti­ons­haus Chris­tie’s ver­dient. Ihm flies­sen als Käu­fer­auf­geld rund 2,9 Mio. Fr. zu.

Mit ei­nem To­tal von 142,8 Mio. Fr. für 900 ver­kauf­te Lo­se liegt das Ge­samt­er­geb­nis die­ser Gen­fer Ju­we­len­auk­tio­nen von Sothe­by’s und Chris­tie’s zwar 30% un­ter dem Vor­jah­res­to­tal von 204,4 Mio. Fr. für 931 ver­kauf­te Lo­se. Die ho­he los­be­zo­ge­ne Ver­kaufs­quo­te von 87% in bei­den Ver­stei­ge­run­gen zeugt aber von ei­ner un­ge­bro­chen star­ken in­ter­na­tio­na­len Nach­fra­ge nach erst­klas­si­gen Ju­we­len, Dia­man­ten und Edel­stei­nen.

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