Us-wirt­schaft schwä­chelt

ÜBER­SICHT Märk­te re­agie­ren ge­las­sen auf ent­täu­schen­des In­dus­trie­ba­ro­me­ter

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - ALES­SAN­DRO FEZZI

Nach wei­te­ren Kurs­ab­ga­ben am Mon­tag er­hol­ten sich die gros­sen eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes am Di­ens­tag wie­der. Für gu­te Stim­mung sorg­ten spa­ni­sche Ar­beits­markt­zah­len und Aus­sa­gen des Chefs der No­ten­bank At­lan­ta, dass die US-No­ten­bank an ih­rer ul­tra­ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik fest­hal­te. Die Zahl der re­gis­trier­ten Ar­beits­su­chen­den in Spa­ni­en fiel im Mai we­gen des Be­ginns der Fe­ri­en­sai­son um fast 100 000 auf 4,89 Mio. Im Mai vor ei­nem Jahr be­trug der Rück­gang nur 30 000. Der SMI (–0,9% ge­gen­über Frei­tag) und der Dax (–0,6%) schlos­sen im Plus.

Den neus­ten Um­fra­ge­er­geb­nis­sen des US-Bran­chen­ver­ban­des der Ein­kaufs­ma­na­ger (In­sti­tu­te for Supp­ly Ma­nage­ment, ISM) zu­fol­ge er­litt die In­dus­trie in den USA im Mai ei­nen un­er­war­te­ten Schwä­che­an­fall. So fiel der viel be­ach­te­te Purcha­sing Ma­na­gers In­dex (PMI) im ver­gan­ge­nen Mo­nat auf 49 zu­rück, nach 50,7 im April. Der Grund wa­ren der rück­läu­fi­ge Su­bin­dex für die Pro­duk­ti­on und die schwä­che­re Auf­trags­la­ge. Das Ak­ti­vi­täts­ba­ro­me­ter si­gna­li­sier­te da­mit theo­re­tisch ei­ne Kon­trak­ti­on des In­dus­trie­sek­tors wie auch ei­ne Ab­schwä­chung der Ge­samt­wirt­schaft. Das ISM weist je­doch dar­auf hin, dass län­ger­fris­tig ein In­dus­trie-PMI von über 42,6 noch im­mer auf ein Wachs­tum des US-Brut­to­in­land­pro­dukts hin­deu­tet.

Ro­bus­te US-Bör­sen

Für die Ak­ti­en­bör­sen war das über­ra­schend schlech­te Er­geb­nis der ISM-Um­fra­ge kein Grund zur Pa­nik. Der S&P 500 schloss am Mon­tag 0,6% fes­ter und lag auch am Di­ens­tag­nach­mit­tag leicht im Plus. Jüngst wa­ren es eher die po­si­ti­ven Kon­junk­tur­nach­rich­ten aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, die die An­le­ger je­weils ver­un­si­cher­ten. Ei­ne schnel­le­re Wirt­schafts­er­ho-

Ak­ti­en­bör­sen lung er­höht die Wahr­schein­lich­keit ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung der Kon­junk­tur­sti­mu­lie­rung oder zu­min­dest ei­ner frü­he­ren Dros­se­lung der Wert­pa­pier­käu­fe der USNo­ten­bank Fed als er­war­tet.

Aus­sa­gen von John Wil­li­ams, Chef der Di­strikts­no­ten­bank von San Francisco, mach­ten wie­der ein­mal deut­lich, wie um­strit­ten der Kurs in­ner­halb des geld­po­li­ti­schen Gre­mi­ums der No­ten­bank ist. Wil­li­ams kann sich vor­stel­len, dass das Fed sei­ne An­lei­hen­käu­fe be­reits im Som­mer re­du­zie­ren und die quan­ti­ta­ti­ven Mass­nah­men bis Jah­res­en­de ein­stel­len könn­te. Ei­nen Hin­weis auf die Mei­nungs­bil­dung in­ner­halb des Of­fen­markt­aus­schus­ses (FOMC) und die Aus­rich­tung der Geld­po­li­tik könn­te der Wirt­schafts­be­richt aus den zwölf Di­strik­ten des USNo­ten­bank­sys­tems lie­fern. Das so­ge­nann­te Beige Book wird am Mitt­woch­abend ver­öf­fent­licht. So­lan­ge aber die Ar­beits­lo­sen­quo­te in den USA noch klar über dem Ziel von 6,5% liegt, dürf­te die Mehr­heit im geld­po­li­ti­schen Rat die ul­tra­ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik vor­erst wei­ter­ver­fol­gen. Der kurz­fris­ti­ge Fo­kus der Fi­nanz­märk­te wird sich En­de Wo­che auf den mo­nat­li­chen US-Ar­beits­markt­be­richt rich­ten.

Luft für EZB

EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi äus­ser­te sich vor­sich­tig op­ti­mis­tisch und zeig­te sich über­zeugt, dass sich die Wirt­schaft im Eu­ro­raum in der zwei­ten Jah­res­hälf­te all­mäh­lich er­ho­len wird. Zwar blei­ben die Kon­junk­tur­per­spek­ti­ven «her­aus­for­dernd», es ge­be aber An­zei­chen ei­ner mög­li­chen Sta­bi­li­sie­rung, sag­te Draghi an ei­ner Kon­fe­renz in Schang­hai. Dass sich die Re­zes­si­on nicht wei­ter ver­schärft, si­gna­li­sier­ten die In­dus­trie-PMI der Eu­ro­zo­ne. Sie ver­harr­ten zwar un­ter­halb der Wachs­tums­schwel­le von 50, er­hol­ten sich aber so­gar noch stär­ker als in ers­ten Schät­zun­gen ver­mu­tet. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die EZB am Don­ners­tag neue Mass­nah­men zur Stüt­zung der Wirt­schaft an­kün­digt, ist da­mit et­was ge­sun­ken.

Aus­tra­li­ens Zen­tral­bank be­liess den Leit­zins un­ver­än­dert bei 2,75%. Seit An­fang Mai hat sich der aus­tra­li­sche Dol­lar zum Dol­lar 8% ab­ge­wer­tet. Die­se Kor­rek­tur könn­te für die Wirt­schaft Down Un­der ei­ne will­kom­me­ne «Ener­gie­in­fu­si­on» dar­stel­len. Ge­ge­be­nen­falls wer­de die Re­ser­ve Bank aber noch­mals auf das mo­ne­tä­re Gas­pe­dal drü­cken, ver­si­cher­te Gou­ver­neur Glenn Ste­vens.

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