Angst vor So­ja-miss­ern­te

ROH­STOF­FE Öl­markt lei­det un­ter Über­an­ge­bot – Zu­cker­baisse hält an

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

An den in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­ten be­we­gen sich die Kur­se wei­ter un­ein­heit­lich. Gros­se Aus­schlä­ge an den De­vi­sen­märk­ten und stark va­ri­ie­ren­de Wirt­schafts­zah­len ver­un­si­chern die Händ­ler.

Der Ener­gie­sek­tor no­tiert im Wo­chen­ver­gleich leicht schwä­cher, zu Be­ginn der Be­richts­wo­che hat­te er erst zu­ge­legt. Nach dem Me­mo­ri­al Day hat in den USA die Fe­ri­en­rei­se­zeit ein­ge­setzt. Ab die­sem Zeit­punkt läuft im Öl­markt meist Ben­zin am bes­ten. Noch ist dies nicht zu spü­ren: Ben­zin ten­dier­te klar schwä­cher als Roh­öl oder Heizöl. Grund da­für sind un­ter an­de­rem schlech­te­re Kon­junk­tur­da­ten aus Chi­na und den USA. Die Or­ga­ni­sa­ti­on öl­ex­por­tie­ren­der Län­der Opec hat letz­te Wo­che an ih­rer Sit­zung in Wien für 2013 un­ver­än­der­te För­der­quo­ten be­schlos­sen. Am Öl­markt herrscht wei­ter ein Über­an­ge­bot, und nur geo­po­li­ti­sche Fak­to­ren ver­hin­dern ei­nen schnel­le­ren Preis­zer­fall.

Auf die Stim­mung an den Roh­stoff­märk­ten drü­cken auch die Wert­schrif­ten­märk­te, die nach ih­rer Ral­ly kräf­ti­ge Rück­schlä­ge ver­zeich­ne­ten. Die Edel­me­tal­le lie­gen zwar zum Wo­chen­be­ginn leicht im Plus, wa­ren aber in den ver­gan­ge­nen Ta­gen gros­sen Kurs­schwan­kun­gen aus­ge­setzt.

Bei den Ge­nuss­mit­teln fällt be­son­ders der in New York ge­han­del­te Ara­bi­cakaf­fee auf. Nach ei­nem mehr­wö­chi­gen Ab­wärts­trend no­tier­te der Kon­trakt im Ver­gleich zu Vor­wo­che rund 1% hö­her. Kaf­fee ist nun kräf­tig über­ver­kauft – das bie­tet gu­te Chan­cen auf ei­ne bal­di­ge Er­ho­lung. Bei Zu­cker hält der Bais­se­trend aber un­auf­halt­sam an. Be­son­ders bei New Yor­ker Roh­zu­cker wird je­de kleins­te Er­ho­lung für Ver­käu­fe ge­nutzt. Die Kur­se lie­gen nun auf dem tiefs­ten Wert seit Mit­te 2010.

Be­son­ders ge­nau wer­den wei­ter­hin die Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­märk­te ver­folgt. Sie ste­hen durch­weg un­ter dem Ein­fluss des Wet­ters. Wäh­rend in den USA der Er­trag bei Win­ter­wei­zen we­gen an­hal­ten­der Tro­cken­heit ge­schmä­lert wird, ma­chen den Far­mern im US-Mais­gür­tel die gros­sen Nie­der­schlä­ge und zu tie­fe Tem­pe­ra­tu­ren zu schaf­fen. Die Aus­saat hat sich bei Mais des­halb stark ver­zö­gert, und es wird da­von aus­ge­gan­gen, dass die ef­fek­tiv aus­ge­sä­ten Flä­chen deut­lich un­ter den ur­sprüng­li­chen An­bau­plä­nen lie­gen wer­den. We­gen der lan­gen Wachs­tums­zeit und der Fro­st­an­fäl­lig­keit ist der kri­ti­sche Zeit­punkt für die Aus­saat be­reits er­reicht. Ein­zel­ne Far­mer wer­den des­halb ih­re Ern­te­ver­si­che­run­gen be­an­spru­chen und auf ei­ne Aus­saat ver­zich­ten. An­de­re ent­schei­den sich, So­ja an­stel­le von Mais an­zu­bau­en. Aber auch bei So­ja liegt die kri­ti­sche Zeit für die Aus­saat nicht mehr weit ent­fernt. So sind die Me­teo­ro­lo­gen ins Zen­trum des In­ter­es­ses ge­langt. Die Markt­teil­neh­mer war­ten täg­lich ge­spannt auf die neus­ten Wet­ter­kar­ten und Pro­gno­sen.

Wäh­rend die An­bau­pro­ble­me bei Mais schon län­ger ge­kannt sind und ent­spre­chend ge­han­delt wur­de, ge­rät jetzt ver­mehrt So­ja in den Fo­kus. Hier ist der La­ger­be­stand we­gen der gros­sen Ex­port­nach­fra­ge stark ge­schrumpft, und für So­ja der al­ten Ern­te wer­den gros­se Prä­mi­en ge­löst. Soll­te sich bei So­ja noch­mals ei­ne Miss­ern­te er­ge­ben, so hät­te dies dra­ma­ti­sche Fol­gen für die So­ja­prei­se. Des­halb ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen am Chi­ca­go Bo­ard of Tra­de CBOT bei So­ja-Fu­tures die Ri­si­ko­prä­mi­en deut­lich er­höht. Be­son­ders So­ja­mehl ist ge­fragt, und der promp­te Ju­li­ter­min hat sich im Wo­chen­ver­gleich um gut 6% ver­teu­ert. So­ja­mehl no­tiert der­zeit nur noch un­weit der Höchst­kur­se vom letz­ten Sep­tem­ber, als die So­ja­prei­se we­gen Tro­cken­heit um 30% zu­ge­legt hat­ten.

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