Chi­na und die USA miss­trau­en sich zu­tiefst – das soll­te sich än­dern

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - ELI­SA­BETH TES­TER

Der USA-Chi­na-Gip­fel bie­tet die Chan­ce auf ei­nen Neu­an­fang Schang­hais Ra­dio­sta­tio­nen ma­chen sich Sor­gen um Xi Jin­pings Auf­tre­ten in Ka­li­for­ni­en: Ob die In­for­ma­li­tät des Tref­fens mit Ba­rack Oba­ma auf der Ranch Sun­ny­lands nicht zu viel des Gu­ten sei – dort herrsch­ten Tem­pe­ra­tu­ren von vier­zig Grad, was wohl zu Hemds­ärm­lig­keit der bei­den Prä­si­den­ten füh­re. Doch im­mer­hin wür­den so Pro­ble­me an­ge­packt, und zu­ver­sicht­lich stim­me, dass Ame­ri­ka das The­ma der Cy­ber­at­ta­cken er­ken­ne und zu­sam­men mit Chi­na dem kri­mi­nel­len Trei­ben Ein­halt ge­bie­ten wol­le.

Die Welt hat sich ver­än­dert. War das Ni­xon-Mao-Tref­fen 1972 noch ein Ex­tre­mer­eig­nis, ist es heu­te nor­mal, dass sich die bei­den wich­tigs­ten Staats­chefs der Welt zum Aus­tausch tref­fen. Das ist gut so. Und die bei­den Län­der ha­ben mehr Ge­mein­sam­kei­ten, als es auf den ers­ten Blick scheint: Bei­de Volks­wirt­schaf­ten wach­sen – als fast ein­zi­ge der Welt –, bei­de ha­ben ei­ne eher star­ke Wäh­rung, die in Zu­kunft noch fes­ter wer­den dürf­te, und bei­de Län­der ha­ben auf der gan­zen Welt ver­teil­te po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen. Es sind schliess­lich Chi­na und die USA, die das letz­te Wort über die um­strit­te­nen Ge­biets­an­sprü­che im Ost- und im Süd­chi­ne­si­schen Meer ha­ben wer­den, die Nord­ko­rea in Schach hal­ten so­wie das Atom­pro­gramms Irans wer­ten. Ein Zu­sam­men­span­nen ist für bei­de und den Rest der Welt von Vor­teil. Der Gip­fel weckt po­si­ti­ve Er­war­tun­gen, Oba­ma und Xi neh­men sich Zeit für­ein­an­der, oh­ne Pro­to­koll­kor­sett. Doch ver­mag die lo­cke­re Ka­li­for­ni­en-At­mo­sphä­re das ge­gen­sei­ti­ge Miss­trau­en zu min­dern? Die Be­zie­hun­gen zwi­schen Wa­shing­ton und Pe­king ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren ver­schlech­tert. Und dar­an sind bei­de Län­der schuld. Chi­na tritt zu Recht und in Ein­klang mit sei­ner wirt­schaft­li­chen Macht selbst­be­wuss­ter auf – doch oft un­be­hol­fen und ag­gres­siv. Ei­gen­tums- und an­de­re Rech­te wer­den mit Füs­sen ge­tre­ten, ein ech­ter Ko­ope­ra­ti­ons­wil­le ist sel­ten aus­zu­ma­chen. Und all­zu oft macht Chi­na das Ar­gu­ment gel­tend, den ihm ge­büh­ren­den Platz in der Welt ein­for­dern zu wol­len.

Die USA ih­rer­seits fürch­ten um ih­re wirt­schaft­li­che und mi­li­tä­ri­sche Vor­macht­stel­lung. Die Tat­sa­che, dass Chi­na in we­ni­gen Jah­ren die welt­gröss­te Volks­wirt­schaft – und ir­gend­wann viel­leicht Mi­li­tär­macht – sein wird, er­füllt Ame­ri­ka mit Schre­cken. Dar­auf mit Ab­wehr und Pro­tek­tio­nis­mus zu re­agie­ren, scha­det je­doch. Da­mit der Gip­fel ein Er­folg wird, müs­sen Xi und Oba­ma die drin­gends­ten Pro­ble­me an­ge­hen. Da­zu ge­hört, dass Xi ein deut­li­ches Zei­chen setzt, geis­ti­ges Ei­gen­tum in Zu­kunft mehr zu re­spek­tie­ren. Oba­ma müss­te im Ge­gen­zug Han­dels­bar­rie­ren ab­bau­en.

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