«Ei­ne De­ko­tie­rung ist nicht vor­ge­se­hen»

AND­REW WA­LO Der CKW-CEO über In­ves­ti­ti­ons­plä­ne des Ver­sor­gers im In- und Aus­land, Kri­tik an der Ener­gie­stra­te­gie des Bun­des und die künf­ti­ge Di­vi­den­den­fä­hig­keit

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - INTERVIEW: CLAU­DIA CARL

Der Schwei­zer Strom­markt ist bis­her nur für gros­se Ver­brau­cher ge­öff­net, die Ener­gie­stra­te­gie des Bun­des birgt Her­aus­for­de­run­gen. CKWChef And­rew Wa­lo führt im Interview mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» aus, was das für den Ver­sor­ger im Ta­ges­ge­schäft be­deu­tet. Herr Wa­lo, CKW hat den Ge­winn dank Son­der­ef­fek­ten deut­lich stei­gern kön­nen. Sind Sie auch ope­ra­tiv zu­frie­den? Das Er­geb­nis ist den Er­war­tun­gen ent­spre­chend und zu­frie­den­stel­lend. Wir sind ope­ra­tiv gut un­ter­wegs im Seg­ment Ener­gie, was der­zeit sehr an­spruchs­voll ist, und ha­ben im Netz­be­reich so­li­de ab­ge­schnit­ten. Das In­stal­la­ti­ons­ge­schäft pro­fi­tiert von ei­ner noch gu­ten Bau­kon­junk­tur. Sie ha­ben im Halb­jahr ei­nen hö­he­ren Ge­winn pro Ak­tie er­zielt als im ver­gan­ge­nen Ge­samt­jahr. Wenn auch das zwei­te Se­mes­ter er­freu­lich ist – winkt den An­le­gern ei­ne hö­he­re Di­vi­den­de? Die Aus­schau auf das zwei­te Halb­jahr ist äus­serst schwie­rig, Ent­wick­lun­gen an den Gross­han­dels­märk­ten und in re­gu­la­to­ri­schen Fra­gen kön­nen so gros­se Ver­wer­fun­gen brin­gen, dass wir kei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­blick ge­ben. Der Di­vi­den­den­vor­schlag zu­han­den der Ge­ne­ral­ver­samm­lung ist Sa­che des Ver­wal­tungs­rats. nen auf län­ge­re Sicht wich­tig wer­den. Ei­ne De­ko­tie­rung ist nicht vor­ge­se­hen. Kommt da­für ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung? Ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung ist nicht ge­plant. CKW ver­fügt über aus­rei­chend ei­ge­ne Mit­tel, um die In­ves­ti­tio­nen der nächs­ten Jah­re aus ei­ge­ner Kraft so­wie über den Ka­pi­tal­markt fi­nan­zie­ren zu kön­nen.

Die Struk­tu­ren im Strom­markt sind we­der in der Schweiz noch in Deutsch­land nach­hal­tig.

Wie stark nimmt Ax­po als Mehr­heits­eig­ner Ein­fluss auf Ihr Ge­schäft? CKW pro­fi­tiert in gros­sem Aus­mass da­von, dass das Un­ter­neh­men ei­nen lang­fris­tig den­ken­den, stra­te­gi­schen In­ves­tor hat, der im glei­chen Ge­schäft tä­tig ist. Un­se­re Wert­schöp­fungs­ket­te hat Über­schnei­dun­gen, ist aber nicht ganz de­ckungs­gleich. Für The­men wie Pro­duk­ti­on, Ener­gie­wirt­schaft und Han­del ha­ben wir ei­nen sehr in­ten­si­ven Aus­tausch. Auch we­gen der zu­neh­men­den Re­le­vanz der Ent­wick­lun­gen in der EU, et­wa auf der Netz­ebe­ne, blei­ben wir über Ax­po auf dem Lau­fen­den. Sie sag­ten vor­hin, das Ener­gie­ge­schäft sei an­spruchs­voll. War­um? Wir ha­ben mit un­se­ren ei­ge­nen An­la­gen, aber auch mit Ener­gie­be­schaf­fungs­ver­trä­gen ein hö­he­res Preis­ni­veau als im Vor­jahr. Das gilt so­wohl für Kern­kraft, die noch 70% un­se­res Strom­ab­sat­zes aus­macht, als auch für Was­ser­kraft. Die­ser Trend dürf­te sich fort­set­zen. Zum ei­nen we­gen Er­satz­in­ves­ti­tio­nen, ge­ra­de für die Si­cher­heit von Kern­kraft­wer­ken. Zum an­de­ren gibt es auch in der Was­ser­kraft kos­ten­trei­ben­de Ef­fek­te. Da­zu zäh­len die per Bun­des­ge­setz er­höh­ten Was­ser­zin­sen und Be­stim­mun­gen zu Rest­was­ser­men­gen in Flüs­sen, wel­che die Ener­gie­aus­beu­te bei glei­chen Be­triebs­kos­ten re­du­zie­ren. Über­all ist von tie­fen Gross­han­dels­prei­sen für Strom die Re­de. Spü­ren Sie das nicht? Doch, aber die Ef­fek­te schla­gen we­gen lang­fris­ti­ger Lie­fer­ver­trä­ge nur zum Teil und zeit­ver­zö­gert durch, das kann meh­re­re Jah­re dau­ern. Aus­ser­dem si­chern wir Tei­le un­se­res Be­schaf­fungs- und Ab­satz­port­fo­li­os ab, was auch Kos­ten mit sich bringt. Wie re­agie­ren Sie auf die Ent­wick­lung? Wir wol­len die Ge­ste­hungs­kos­ten in den nächs­ten zwei, drei Jah­ren sta­bi­li­sie­ren oder so­gar sen­ken. Die He­bel sind Be­trieb und Un­ter­halt, so­wie der Zeit­punkt und das Aus­mass der In­ves­ti­tio­nen. Ist es im Netz­ge­schäft ru­hi­ger ge­wor­den? Wir ha­ben dort in­zwi­schen hö­he­re Rechts­si­cher­heit, weil meh­re­re re­gu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben von den höchs­ten Ge­rich­ten der Schweiz in­zwi­schen be­ur­teilt bzw. re­vi­diert wur­den. Das be­trifft nicht nur CKW, son­dern die ge­sam­te Strom­bran­che. Auch die Über­tra­gung des Höchst­span­nungs­net­zes an Swiss­grid ist nach lan­gen Ver­hand­lun­gen ab­ge­schlos­sen. Das klingt gut. Aber gibt es in die­sem Be­reich wirk­lich kei­ne Knack­nüs­se? Doch, die ganz gros­sen Her­aus­for­de­run­gen bringt die Ener­gie­stra­te­gie des Bun­des. Bis ins Jahr 2050 müss­ten schweiz­weit et­wa 70 Mrd. Fr. In­ves­ti­tio­nen ins Ver­teil- netz flies­sen, weil ei­ne de­zen­tra­le Pro­duk­ti­on ei­ne ganz an­de­re Netz­ar­chi­tek­tur er­for­dert. Auf kur­ze Sicht birgt aber das Ener­gie­seg­ment we­gen ho­her Pro­duk­ti­ons­kos­ten, un­kla­rer po­li­ti­scher Wei­chen­stel­lun­gen und in­kon­sis­ten­ter Markt­struk­tu­ren im Schwei­zer Strom­sek­tor die grös­se­ren Un­si­cher­hei­ten. CKW hat ih­re Kri­tik an der Ener­gie­stra­te­gie 2050 im Rah­men der Ver­nehm­las­sung ein­ge­bracht. Was stört Sie am meis­ten? Die nicht-ziel­füh­ren­den Markt­struk­tu­ren wer­den zu we­nig be­ach­tet. Sie sind we­der in der Schweiz noch in Deutsch­land nach­hal­tig. Die Ein­spei­sung sub­ven­tio­nier­ter Ener­gie aus So­lar- und Wind­kraft ver­zerrt die Markt­prei­se, im Strom­gross­han­del um 30 bis 40%. Es gibt kei­nen An­reiz, in Kraft­wer­ke zu in­ves­tie­ren, die das Strom­netz sta­bi­li­sie­ren kön­nen. Zugleich wer­den neue er­neu­er­ba­re Ener­gi­en Op­fer des ei­ge­nen Er­folgs. Wie mei­nen Sie das? Wind- und Son­nen­en­er­gie ha­ben prak­tisch kei­ne va­ria­blen Kos­ten, son­dern nur Ka­pi­tal­kos­ten. Das heisst, die Grenz­kos­ten ten­die­ren ge­gen null mit der Fol­ge, dass die­se bei­den Ener­gi­en stän­dig Strom pro­du­zie­ren. Auch dann, wenn gar kei­ne Nach­fra­ge vor­han­den ist. Da­durch sin­ken die Gross­han­dels­prei­se. Er­go wer­den sich Son­nen- und Wind­ener­gie nicht am Ka­pi­tal­markt re­fi­nan­zie­ren kön­nen und bei heu­ti­gen Markt­struk­tu­ren auf För­der­gel­der an­ge­wie­sen blei­ben. Aus­ser­dem ist der Markt in der Schweiz nur zum Teil ge­öff­net, das Sys­tem der Gr­und­ver­sor­gung nimmt plan­wirt­schaft­li­che Aus­mas­se an. Die Kun­den soll­ten 100% Wahl­frei­heit ha­ben, das sorgt für be­darfs­ge­rech­te Pro­duk­te und ei­nen bes­se­ren Wett­be­werb. Sie ha­ben zahl­rei­che Pi­lot­pro­jek­te ge­star­tet. Be­stä­ti­gen die Er­geb­nis­se Ih­re Skep­sis ge­gen­über der Ener­gie­stra­te­gie 2050? Al­le un­se­re Pi­lot­pro­jek­te spie­len dort hin­ein: in­tel­li­gen­te Strom­zäh­ler, al­so Smart Me­ter, de­zen­tra­le Strom­spei­che­rung, So­lar­for­schung. Wir ha­ben lei­der fest­ge­stellt, dass die er­war­te­ten Strom­ein­spa­run­gen mit Smart Me­ter bei Wei­tem nicht so hoch sind wie

So­lar- und Wind­ener­gie wer­den Op­fer ih­res ei­ge­nen Er­folgs.

EU-Strom­ab­kom­men zur Um­set­zung ih­rer Ener­gie­stra­te­gie, kann so aber auch ih­ren fle­xi­blen Pro­duk­ti­ons­park ein­brin­gen. Ei­ne aut­ar­ke Lö­sung wird nicht funk­tio­nie­ren. Der­zeit stellt kein ra­tio­na­ler In­ves­tor Mit­tel für ein Gas­kraft­werk zur Ver­fü­gung. Da­her muss es auch ei­nen Markt für Re­ser­veener­gie ge­ben. Vor­be­rei­tun­gen für ei­ne Schwei­zer Strom­bör­se lau­fen. Wie nö­tig ist ein sol­cher Schritt aus Ih­rer Sicht? Die Schaf­fung ei­ner Schwei­zer Strom­bör­se ist klar wün­schens­wert, weil ein li­qui­der Markt Vor­tei­le für Ver­sor­ger und Kun­den bringt. Es muss aber kei­ne ei­ge­ne, na­tio­na­le Lö­sung sein, die An­bin­dung an ei­nen be­ste­hen­den eu­ro­päi­schen Han­dels­platz er­scheint sinn­vol­ler. Sonst be­steht die Ge­fahr, dass ein il­li­qui­der Markt ent­steht. Al­le Fi­nanz­da­ten zu CKW im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/CKWN

Die Schweiz brau­che die An­bin­dung an Eu­ro­pas Strom­bin­nen­markt, sagt der CKW-Chef.

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