Pa­tent-trol­le im Vi­sier der Po­li­tik

USA Weisses Hau­ses will Schind­lu­der mit Schutz­rech­ten ver­hin­dern – Ak­ti­en von Pa­tent­ver­wer­tern eig­nen sich nur zur Bei­mi­schung

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - THORS­TEN RIEDL

Nun hängt al­les am Wort von Ba­rack Oba­ma. Sech­zig Ta­ge hat der USPrä­si­dent Zeit, um ein Im­port­ver­bot für äl­te­re iPho­nes und iPads in den USA ab­zu­seg­nen – oder ab­zu­weh­ren. Die US-Han­dels­kom­mis­si­on hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che ent­schie­den, dass die App­leGe­rä­te ein Mo­bil­funk­pa­tent von Samsung ver­let­zen. Der Streit über das Stan­dard­pa­tent wirft ein Schlag­licht auf die Schutz­rech­te. Da­bei geht es längst nicht mehr nur um den Schutz geis­ti­gen Ei­gen­tums. Pa­ten­te sind zu Waf­fen mo­der­ner Han­dels­krie­ge ge­wor­den – und Pa­tent-Trol­le zu Söld­nern in dem neu­zeit­li­chen Kampf.

Ver­nied­li­chend ist von Pa­tent-Trol­len die Re­de, wenn die Spra­che auf Un­ter­neh­men kommt, de­ren Ge­schäfts­zweck es ist, sich Pa­ten­te der Pa­ten­te we­gen zu be­sor­gen – und aus den Schutz­rech­ten an­schlies­send mög­lichst viel Ka­pi­tal zu schla­gen. Ihr Ge­schäfts­mo­dell ist um­strit­ten. Ei­gent­lich sol­len Pa­ten­te da­zu die­nen, den Ide­en­reich­tum von Er­fin­dern zu schüt­zen. Trol­le miss­brau­chen das of­fen­sicht­lich. Ih­nen ist in der Re­gel nicht dar­an ge­le­gen, ein Pro­dukt mit den Pa­ten­ten her­zu­stel­len und zu schüt­zen. Sie set­zen lie­ber an­de­re Her­stel­ler un­ter Druck und pres­sen ih­nen Zah­lun­gen ab, so­fern sie die Ver­let­zung ei­nes Pa­tents aus ih­rem Pool glaub­haft ma­chen kön­nen.

Re­form ge­gen Miss­brauch

US-Prä­si­dent Oba­ma hat nun nicht nur den Fall App­le ver­sus Samsung auf dem Tisch. In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat er auch er­klärt, das Pat­ent­we­sen der Ver- ei­nig­ten Staa­ten müs­se drin­gend über­ar­bei­tet wer­den. Dem ge­ziel­ten Miss­brauch von Pa­ten­ten durch un­ge­recht­fer­tig­te Kla­gen müs­se ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wer­den. Im Fall ei­ner Kla­ge sol­le künf­tig der In­ha­ber of­fen auf­tre­ten, heisst es in ei­nem Be­richt des «Wall Street Jour­nal» zu den an­ge­streb­ten Än­de­run­gen. Bei den ver­schach­tel­ten Struk­tu­ren gibt es im Pat­ent­we­sen im Mo­ment kaum Trans­pa­renz. Wer miss­bräuch­lich Pa­ten­te ein­setzt, muss künf­tig mit Sank­tio­nen rech­nen.

Die Ak­ti­en nicht pro­du­zie­ren­der Pa­tent As­ser­ti­on En­t­i­ties – PAE oder zu Deutsch: Patent­durch­set­zungs­ge­sell­schaf­ten – fie­len dar­auf­hin in die­ser Wo­che zeit­wei­se. Da­bei brummt das Ge­schäft: Mit mehr als 250 000 Pa­ten­ten wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr in den USA so vie­le Schutz­rech­te ge­währt wie noch nie. Die Lis­te führ­te laut US-Patent­dienst­leis­ter IFI Claims IBM zum zwang­zigs­ten Mal an.

Die Neu­ig­kei­ten über ei­ne mög­li­che Pa­tent­re­form sei­en eher po­si­ti­ver Na­tur,

US-Pa­tent­ver­wer­ter er­klärt Bar­clays-Ana­lyst Dar­rin Pel­ler. Das Weis­se Haus wol­le für mehr Trans­pa­renz sor­gen und Hal­ter von Pa­ten­ten ge­rin­ger Qua­li­tät stra­fen, schreibt er in ei­ner Kurzana­ly­se wei­ter. Ver­wer­tern hoch­wer­ti­ger Pa­tent­port­fo­li­os soll­te das nut­zen. Da­zu zählt et­wa Aca­cia Re­se­arch.

Rech­te von Un­ter­ge­gan­ge­nen

Bei Pa­tent­kla­gen sei­ner Toch­ter­ge­sell­schaf­ten stellt das Un­ter­neh­men schon jetzt klar, dass es die Mut­ter ist. Pel­ler weist zu­dem dar­auf hin, dass in Ver­gan­gen­heit grös­se­re Pa­tent­ver­wer­ter stets Re­for­men un­be­scha­det über­stan­den ha­ben. Aca­cia hat­te erst im März für Auf­re­gung ge­sorgt: Da­mals hat das Un­ter­neh­men ein Pa­tent­li­zen­zie­rungs­ab­kom­men mit App­le ab­ge­schlos­sen. Die Rech­te stam­men un­ter an­de­rem von Palm­sour­ce, ehe­dem Soft­ware­spar­te des längst ver­gan­ge­nen Han­dy­her­stel­lers Palm, so­wie von Geo­works, einst be­kann­ter Soft­ware­her­stel­ler.

Bran­chen­nach­ba­rin In­terDi­gi­tal hat ei­nen ähn­lich spek­ta­ku­lä­ren De­al im ver­gan­ge­nen Jahr mit In­tel ge­schlos­sen. Von den 20 000 Pa­ten­ten, über die Ver­wer­ter In­terDi­gi­tal ver­fügt, hat der Chip­kon­zern im ver­gan­ge­nen Jahr auf ei­nen Schlag 1700 ge­kauft – für 375 Mio. $. Am In­ves­to­ren­tag die­ser Wo­che hiess es, über das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt ha­be In­terDi­gi­tal ins­ge­samt 650 Mio. $ in das ei­ge­ne Pa­tent­port­fo­lio in­ves­tiert. In­ter­es­sant bleibt das Un­ter­neh­men vor al­lem durch sei­ne Pa­ten­te im Mo­bil­funk.

RPX als Drit­ter im Bun­de hat die Ver­lus­te nach den Re­form­vor­schlä­gen des Weis­sen Hau­ses in die­ser Wo­che be­reits wett­ma­chen kön­nen. Das Ge­schäfts­mo­dell un­ter­schei­det sich von dem von Aca­cia und In­terDi­gi­tal: Un­ter­neh­men kön­nen Mit­glied bei RPX wer­den ge­gen ei­ne vom Um­satz ab­hän­gi­ge Ge­bühr und pro­fi­tie­ren dann vom Pa­tent­port­fo­lio der Ge­sell­schaft. So könn­ten sich die Mit­glied­ge­sell­schaf­ten ge­gen mög­li­cher­wei­se teu­re Pa­tent­kla­gen weh­ren, heisst es auf der RPX-Web­sei­te zum Mo­dell.

Noch ist un­klar, wie sich die Re­for­men der Oba­ma-Re­gie­rung aus­wir­ken. Eta­blier­ten Un­ter­neh­men wie Aca­cia, RPX und In­terdi­gi­tal wer­den die Än­de­run­gen wahr­schein­lich eher in die Hän­de spie­len – und so­lan­ge Pa­ten­te im Krieg der High­tech­Un­ter­neh­men zu Waf­fen wer­den, kön­nen die Pa­tent­ge­sell­schaf­ten ih­re Stär­ke aus­spie­len. Aca­cia und In­terDi­gi­tal eig­nen sich nur als Bei­mi­schung zum Port­fo­lio für ri­si­ko­be­wuss­te An­le­ger. RPX sticht mit ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Ge­schäfts­mo­dell her­vor. An der Bör­se konn­te die­se Ge­sell­schaft seit dem IPO im Jahr 2011 bis­lang aber nicht über­zeu­gen.

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