Ein Pro­jekt vol­ler of­fe­ner Fra­gen

IN­TER­NA­TIO­NAL Zwei­fel­haf­te An­la­ge­prak­ti­ken rund um deut­sche World Tra­de Cen­ters – Un­kla­re Rol­le ei­nes Gen­fer As­set-ma­na­gers

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DIETEGEN MÜL­LER,

DGros­ses Rad über Genf

ie World Tra­de Cen­ter As­so­cia­ti­on – einst be­kannt durch die Twin To­wers in New York – will Pro­spe­ri­tät durch Han­del för­dern. Sie ver­gibt welt­weit Li­zen­zen zum Be­trieb von World Tra­de Cen­ters. Doch ihr La­bel wird auch für su­spek­te Ge­schäf­te miss­braucht. Dies muss­ten Ka­pi­tal­ge­ber auch aus der Schweiz schmerz­haft er­fah­ren. Ein Fall, der et­li­che Fra­gen zu Due Di­li­gence, An­le­ger­schutz und Um­gang mit In­si­der­wis­sen auf­wirft.

Rück­blen­de. 2007 wol­len Ge­schäfts­leu­te aus Deutsch­land und der Schweiz aus dem Be­zug zum World-Tra­de-Cen­terNetz­werk Ka­pi­tal schla­gen. Glo­bal hat­te das WTCA-Netz rund 1,1 Mio. Mit­glie­der. Für sie soll­ten ei­ne glo­bal ein­setz­ba­re Mit­glie­der- und Kre­dit­kar­te, ei­ne B2B-Platt­form, ein TV-Sen­der und ein Ma­ga­zin kre­iert wer­den. Das Pro­jekt war am­bi­tio­niert und ver­sprach lu­kra­tiv zu sein. Kon­so­li­diert un­ter ei­ner Hol­ding – World Tra­de & In­vest AG –, soll­ten be­sag­tes WTC-Me­di­aPro­jekt so­wie be­reits be­ste­hen­de oder ge­plan­te Fi­nanz- und Im­mo­bi­li­en­ser­vices an­ge­bo­ten wer­den, bis hin zum CO2-Han­del. Bis 2011 wur­den für das kom­ple­xe Fir­men­ge­flecht 600 Mio. € Um­satz und ei­ne Per­for­mance von 400% auf das Ka­pi­tal als mach­bar dar­ge­stellt. Trei­ben­de Kräf­te wa­ren un­ter an­de­rem Diet­mar Goetz und Win­fried Mai­worm, die im Tex­til­han­del tä­tig sind, so­wie aus dem Fi­nanz­sek­tor Wolf­gang Ro­the, Hein­zPe­ter Zöl­ler so­wie Je­an-Mar­tin de Vi­vis, der 2008 von Pic­tet zum Gen­fer Ver­mö­gens­ver­wal­ter Sem­per stiess und dort bis Ja­nu­ar 2009 tä­tig war. Über die Schweiz soll­ten Mit­tel ein­ge­wor­ben wer­den: Ziel für ein Tref­fen im Fe­bru­ar 2008 in Genf war, bis 250 Mio. € ein­zu­sam­meln. Diet­mar Goetz er­klärt ge­gen­über FuW, ein Fi­nan­zie­rungs­an­ge­bot sei «über die Ge­schäfts­füh­rung» von Sem­per ge­lau­fen.

Ei­ne Schalt­stel­le für das Pro­jekt war ei­ne World As­set Ma­nage­ment ( WAM) Köln des Du­os Ro­the/Zöl­ler. Über WAM und di­rekt hiel­ten bei­de 100% an der World Tra­de & In­vest Gm­bH ( WTI) in Köln. Ge­mäss ei­ner FuW vor­lie­gen­den Straf­an­zei­ge aus dem Jahr 2009 hielt die von Ro­the ge­führ­te WTI Li­zen­zen für die WTC Köln und Stutt­gart. Sie wies 13 Mio. € Stamm­ka­pi­tal aus und soll­te, so hiess es, Go­ing-Pu­b­lic-Platt­form sein.

Doch das Pro­jekt ge­riet rasch ins Sto­cken. Man­gels be­wert­ba­rer Ak­ti­va schei­ter­te die Um­wand­lung der WTI in ei­ne bör­sen­fä­hi­ge Ak­ti­en­ge­sell­schaft, heisst es. Mit­te 2008 miss­lang ge­mäss Straf­an­zei­ge auch der Plan B, näm­lich die WTI in ei­ne Vor­rats­ge­sell­schaft na­mens Ju­pi­ter Be­tei­li­gungs AG ein­zu­brin­gen. Ju­pi­ter – die WTC Me­dia heis­sen soll­te – war dank ei­nes Ba­Fin-Pro­spekts von En­de 2007 im Frei­ver­kehr Düs­sel­dorf zu­ge­las­sen.

Auch das Ein­sam­meln von In­ves­to­ren­gel­dern ging lang­sam vor sich. Ju­pi­ters Lis­ting-Part­ner, der Bro­ker Sch­nig­ge, er- warb im Mai 2008 von WAM An­tei­le an WTI – im Wis­sen um die ge­plan­te Um­wand­lung der Ju­pi­ter. Doch erst An­fang 2009 konn­te die WTI via Ak­ti­en­tausch in ei­ne WTI Hol­ding in Zug ein­ge­bracht wer­den. Die An­tei­le an der Schwei­zer Hol­ding hielt ge­mäss Straf­an­zei­ge die WAM über den Zu­ger Treu­hän­der Wad­sack, der auch für Sem­per ar­bei­te­te.

Ge­kö­dert wur­den die In­ves­to­ren mit wert­vol­len, da ex­klu­si­ven WTCA-Li­zen­zen für das Kar­ten- und Me­di­en­pro­jekt, die aber ge­mäss Straf­an­zei­ge nicht vor­la­gen. Im Mai 2008 stieg auch Hans-Jörg Bärts­chi von B-Ca­pi­tal in die WTI ein. Zu FuW sagt er: «Das Pro­jekt ent­pupp­te sich als Luft­num­mer. Die Ge­sell­schaft ver­füg­te we­der über wert­hal­ti­ge Ak­ti­va noch über die dar­ge­stell­ten WTCA-Li­zen­zen.» Goetz, der da­mals nach sei­nen Aus­sa­gen im WTCABo­ard in New York sass, weist die Vor­wür­fe ge­gen­über FuW zu­rück: «Es gab un­ter­schrifts­rei­fe Ver­trä­ge.» Es ha­be an­de­re Grün­de für feh­len­de Fort­schrit­te ge­ge­ben. Die WTCA er­klärt, ihr Bo­ard ha­be den «Pro­jekt­vor­schlag» ab­ge­lehnt, Li­zen­zen sei­en nie er­teilt wor­den. Die Staats­an­walt­schaft Köln, die 2009 den Ein­gang drei­er Straf­an­zei­gen von In­ves­to­ren und Ge­schäfts­part­nern we­gen Ver­dachts auf Be­trug, In­sol­venz­ver­schlep­pung und Geld­wä­sche sah, nahm nie Er­mitt­lun­gen auf.

Es geht wei­ter

Mitt­ler­wei­le ist im Ja­nu­ar das Kon­kurs­ver­fah­ren über die Hol­ding in Zug ein­ge­stellt wor­den, im März wur­de die WTI in

Ein Ge­flecht von den USA bis nach Ost­eu­ro­pa Köln auf­ge­löst. Doch ge­mäss Diet­mar Goetz läuft das Me­di­en­pro­jekt wei­ter. Die Do­mi­zi­le sind nun aber in die USA ver­la­gert. Im No­vem­ber 2012 mel­de­te sich die De­la­ware-Ge­sell­schaft WTC Me­dia Co­lo­gne AG mit Goetz bei der US-Bör­sen­auf­sicht SEC zur Aus­ga­be von Ak­ti­en oh­ne Emis­si­ons­pro­spekt. An ihr hält ei­ne Ken­ne­dy Ca­pi­tal Corp., die mit Ge­sell­schaf­ten um das WTC Stutt­gart und Köln ko­ope­riert, ei­nen An­teil. Der Fi­nanz­auf­sicht Ba­Fin sind Kauf­emp­feh­lun­gen für Ken­ne­dy-Ak­ti­en auf­ge­fal­len: Sie warnt da­vor.

So un­durch­schau­bar das Ge­flecht um deut­sche World Tra­de Cen­ters ist, Fra­gen wirft auch die Rol­le des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Sem­per auf, der an­gibt, Com­p­li­an­ce und Un­ab­hän­gig­keit strikt zu be­ach­ten. Sem­per er­warb im Fe­bru­ar 2008 für 3,9 Mio. € 23% an WTI und plat­zier­te den An­teil über Schwei­zer Ban­ken an In­ves­to­ren. Die Due Di­li­gence war man­gel­haft, denn ge­mäss ei­ner Straf­an­zei­ge von Sem­per in Köln ver­gab WTI die 3,9 Mio. € als un­ge­si­cher­tes Dar­le­hen an WTC Köln. An­geb­lich sol­len die­se Kun­den spä­ter gröss­ten­teils für Ver­lus­te ent­schä­digt wor­den sein.

Un­klar ist, war­um Sem­per in die Equi­ty­S­to­ry ein­stieg, be­vor sie sie Drit­ten zu­gäng­lich mach­te. Ge­mäss Treu­hand­ver­trag vom 19. De­zem­ber 2007 ver­pflich­te­te sich der Treu­hän­der Wad­sack, für Sem­per zum Preis von 1,3 Mio. € WAM-Ge­nuss­schei­ne zu er­wer­ben und spä­ter in WTIAk­ti­en zu wan­deln. Sem­per be­zeich­ne­te dies in ih­rer Straf­an­zei­ge als Ei­gen­in­ves­ti­ti­on. Doch ei­ne Pro­cot In­vest­ment (Ba­ha­mas) über­wies mit Va­lu­ta 23. No­vem­ber 2007 die 1,3 Mio. € an Wad­sack, der sie ge­mäss An­zei­ge als «Fa­mi­ly & Fri­ends» dem Pro­jekt na­he­ste­hend zu­ord­ne­te. Fra­gen wirft auch auf, war­um auf die­ser Grund­la­ge im Mai 2008 ein Schwei­zer, der für das WTC-Pro­jekt ak­tiv war, als Ak­tio­när der WTI und der Zu­ger Hol­ding ein­ge­tra­gen wur­de. Ge­mäss ei­nem Ak­tio­närs­pro­to­koll soll er kein Teil­ha­ber ge­we­sen sein.

Wer ist der Geld­ge­ber?

Ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on lie­fert Ex-WTC-KölnJus­ti­zi­ar Man­fred Haas in ei­ner Straf­an­zei­ge: Der Schwei­zer ha­be von Eric Frey­mond, Part­ner von Sem­per, An­fang De­zem­ber 2007 1,3 Mio. € als Dar­le­hen zum Kauf der WAM-An­tei­le er­hal­ten. Die An­tei­le, so Haas, hät­ten im Ju­ni 2008 nicht zum Kauf­kurs von 1.30 €, son­dern für 5 € je Ak­tie plat­ziert wer­den sol­len. So hät­te der hin­ter Pro­cot ste­hen­de In­ves­tor ei­nen Rei­bach ge­macht. Eric Frey­mond re­agier­te auf ei­ne An­fra­ge nicht. Der für Sem­per zu­stän­di­ge Ver­band Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter äus­ser­te sich da­zu nicht.

Sem­per ist kein un­be­schrie­be­nes Blatt. Von der um­trie­bi­gen fran­zö­si­schen Bör­sen­auf­sicht AMF wur­den Frey­mond und Sem­per 2009 in ei­nem In­si­der­de­likt mit 4 Mio. € ge­büsst. Als Ver­mö­gens­ver­wal­ter für den Her­mès-Er­ben Ni­co­las Pu­echHer­mès ha­be Frey­mond bei­ge­tra­gen, Mel­de­schwel­len im An­schlei­chen des Lu­xus­gü­ter­kon­zerns LVHM an die Her­mèsG­rup­pe zu um­ge­hen, be­haup­tet die AMF.

Ei­ne at­trak­ti­ve Im­mo­bi­li­en­la­ge: Das WTC Köln liegt im Me­dia­park der Rhein­me­tro­po­le.

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