Zur Per­son

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - CG FORT­SET­ZUNG AUF SEI­TE 20

Jim Cha­nos hat schon man­che gros­se Schlacht an Wall­s­treet ge­schla­gen. Erst­mals für Schlag­zei­len sorg­te er 1982 als Ana­lyst von Gil­ford Se­cu­ri­ties, als er die Buch­hal­tungs­tricks des Ver­si­che­rers Bald­win-Uni­ted ent­larv­te. 1985 grün­de­te er die In­vest­ment­fir­ma Ky­ni­kos As­so­cia­tes, de­ren Na­me sich vom grie­chi­schen Wort für Zy­nis­mus her­lei­tet. Sie ist mit 6 Mrd. $ Kun­den­gel­dern der grösste Hedge Fund, der sich auf Leer­ver­käu­fe spe­zia­li­siert. Cha­nos hat un­ter an­de­rem die Fi­nanz­skan­da­le um Com­mo­do­re, Cole­co, Bos­ton Chi­cken, Sun­beam, Con­se­co, Ty­co so­wie World­com kom­men se­hen. Er ist in Mil­wau­kee auf­ge­wach­sen und hat an der Eli­te­uni­ver­si­tät Ya­le stu­diert, wo er heu­te Vor­le­sun­gen zur Fi­nanz­ge­schich­te hält. im­mer mehr Kon­zer­nen die aus­ste­hen­den For­de­run­gen zu, so­dass vie­le mit ei­nem ne­ga­ti­ven Cash­flow ar­bei­ten und sich auf Bank­dar­le­hen ver­las­sen. Sie wer­den in gra­vie­ren­de Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten, wenn sich der Kre­dit­markt ab­kühlt. Be­son­ders mei­den soll­ten In­ves­to­ren da­her Ak­ti­en von chi­ne­si­schen Ban­ken, Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten, Stahl­pro­du­zen­ten und Ze­ment­fa­bri­kan­ten. Pro­ble­me wird es auch für west­li­che Kon­zer­ne ge­ben, die Ei­sen­erz, Kup­fer, Bau­ma­te­ri­al oder Lu­xus­gü­ter nach Chi­na lie­fern. In Eu­ro­pa hat sich die Si­tua­ti­on der­weil spür­bar be­ru­higt. Wie ha­ben Sie sich hier po­si­tio­niert? Dort be­fas­sen wir uns der­zeit mit ei­ni­gen in­di­vi­du­el­len Ide­en. Eu­ro­pa hat struk­tu­rel­le Pro­ble­me und muss noch für län­ge­re Zeit mit we­nig oder gar kei­nem Wachs­tum aus­kom­men. Die EZB ver­sucht zwar, das Ban­ken­sys­tem über Was­ser zu hal­ten und Schul­den mit der Geld­pres­se zu til­gen. Ich fra­ge mich aber, wie das den End­ver­brauch in Spa­ni­en oder Grie­chen­land be­le­ben soll. Vor­sicht ist vor al­lem mit En­ga­ge­ments in Bank­wer­ten ge­bo­ten. Das gilt spe­zi­ell für Spa­ni­en, wo vie­le In­sti­tu­te ih­re Bi­lanz nicht be­rei­nigt ha­ben. Eben­so soll­ten An­le­ger die Fin­ger von Un­ter­neh­men las­sen, die von staat­li­chen In­ves­ti­tio­nen ab­hän­gig sind, et­wa in den Be­rei­chen Rüs­tung und In­fra­struk­tur. In den USA hat die ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik den Ak­ti­en­kur­sen kräf­tig Auf­trieb ge­ge­ben. Wie geht es dort wei­ter? Wir ha­ben schon lan­ge ge­sagt, dass der US-Ak­ti­en­markt in­ter­na­tio­nal ver­gli­chen at­trak­tiv sei. Das gilt wei­ter­hin, doch müs­sen In­ves­to­ren jetzt viel acht­sa­mer sein, weil die Bör­se so stark an­ge­zo­gen hat. Vor zwei Jah­ren sag­te ich noch zum Spass: «Mia­mi kau­fen und Pe­king ver­kau­fen.»

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