Die Ab­sturz­ge­fahr nimmt zu

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GM

An­ge­fan­gen hat al­les mit dem Ein­bruch des Gold­prei­ses Mit­te April. Da­mals kol­la­bier­te der Kurs des gel­ben Me­talls in zwei Ta­gen um fast 15% – mehr oder we­ni­ger aus hei­te­rem Him­mel. Vom Sturm er­fasst wur­den auch die ja­pa­ni­schen Staats­an­lei­hen, der Nik­kei und die Bör­se in Istan­bul. Der aus­tra­li­sche Dol­lar wur­de eben­so we­nig ver­schont wie die zu­vor so be­lieb­ten Schwel­len­län­de­r­und Junk Bonds, die in kur­zer Zeit den dies­jäh­ri­gen Kurs­ge­winn preis­ge­ben muss­ten.

Die Kom­men­ta­re der An­la­ge­ex­per­ten fal­len be­schwich­ti­gend aus. Das ver­wun­dert nicht, ist doch je­des Er­eig­nis iso­liert be­trach­tet ein­leuch­tend er­klär­bar. Beim Nik­kei war ei­ne Kor­rek­tur nach der schwin­del­er­re­gen­den Avan­ce über­fäl­lig, für die Tur­bu­len­zen am Bo­spo­rus sind lo­ka­le Un­ru­hen ver­ant­wort­lich. Po­li­ti­sche Bör­sen ha­ben be­kannt­lich kur­ze Bei­ne – why worry? Gold hat als Ab­si­che­rungs­in­stru­ment aus­ge­dient, weil die Po­li­ti­ker die Kri­sen­her­de im Griff ha­ben und den Auf­schwung mit fast schon bra­chia­ler Ge­walt er­zwin­gen.

Schwellenländer- und Junk Bonds lei­den un­ter dem Zins­sprung bei den Staats­an­lei­hen. Die­ser ist wie­der­um auf die sich auf­hel­len­den Kon­junk­tur­aus­sich­ten zu­rück­zu­füh- ren – er­go kein Pro­blem, weil sich die Zah­lungs­aus­fäl­le kaum häu­fen wer­den. Die leich­te Aus­wei­tung der Kre­dit­ri­si­ko­prä­mi­en – im Prin­zip mit Um­schich­tun­gen in Ak­ti­en er­klär­bar, wür­den nicht gleich­zei­tig die Bör­sen schwä­cheln. Da­für wird die Furcht vor dem «Ta­pe­ring» der US-Geld­po­li­tik ver­ant­wort­lich ge­macht. Weil das wie­der­um ei­ne Fes­ti­gung des zag­haf­ten Kon­junk­tur­auf­schwungs be­dingt, kann die Bör­sen­flau­te als vor­über­ge­hend ab­ge­tan wer­den.

Ob­wohl je­des Er­eig­nis für sich ge­nom­men nach­voll­zieh­bar ist, be­un­ru­higt die Häu­fig­keit der hef­ti­gen Kor­rek­tu­ren. Be­las­tend kommt hin­zu, dass die Mi­ni-Crashs al­le An­la­ge­klas­sen und – noch er­staun­li­cher – haupt­säch­lich hoch­li­qui­de Ver­mö­gens­wer­te er­fasst ha­ben, die ei­gent­lich ei­nen ge­wis­sen Schutz ge­gen plötz­li­che Ein­brü­che bie­ten soll­ten. Die Ner­vo­si­tät der An­le­ger ist nach den statt­li­chen Avan­cen greif­bar. Ver­mut­lich wer­den ei­ni­ge In­ves­to­ren auch das mul­mi­ge Ge­fühl nicht los, da braue sich «et­was Grös­se­res» zu­sam­men – wie bei ei­nem ka­ta­stro­pha­len Erd­be­ben, das durch meh­re­re leich­te­re Er­schüt­te­run­gen vor­an­ge­kün­digt wird. Der ge­dul­di­ge An­le­ger war­tet mit Käu­fen bes­ser zu. schlä­ge wei­ter ein­engen könn­ten», sagt Kry­gier. Da­mit stie­ge aber auch das Zins­ri­si­ko, an der Du­ra­ti­on ab­zu­le­sen. Fonds­ma­na­ger sind sich des Ri­si­kos be­wusst und be­vor­zu­gen kür­ze­re Lauf­zei­ten oder si­chern sich mit Zins-Fu­tures ab. Nicht zu un­ter­schät­zen ist zu­dem die spär­li­che Li­qui­di­tät im Han­del von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, die auf klei­ne­re Han­dels­be­stän­de der Ban­ken zu­rück­geht. Was Fonds­ma­na­ge­rin John­son da­ge­gen un­ter­nimmt, klingt wie ei­ne An­lei­tung für An­le­ger, die jetzt noch in den An­lei­hen­markt in­ves­tie­ren: «Wir schau­en, wie wir raus­kom­men, be­vor wir kau­fen.»

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