Hö­he­re Hür­den fürs Ri­si­ko­ma­nage­ment

Finanz und Wirtschaft - - ASSET MANAGEMENT - CHRIS­TI­AN SO­GUEL, SAN­DOR FREI UND GA­B­RIE­LE VON PLAN­TA

Mit der Fi­nanz­kri­se sind bis­lang we­nig be­ach­te­te Ri­si­ken der Fonds­in­dus­trie in den Vor­der­grund ge­rückt. Ne­ben den Markt- sind be­son­ders ope­ra­tio­nel­le Ri­si­ken, Ge­gen­par­tei­ri­si­ken bei OTC-Ge­schäf­ten und Mo­dell­ri­si­ken her­vor­zu­he­ben. Für Fonds­lei­tun­gen hat sich auch das Li­qui­di­täts­ri­si­ko als we­sent­lich er­wie­sen. Vor al­lem Geld­markt­fonds hat­ten teils gros­se Schwie­rig­kei­ten, ih­rer ge­setz­li­chen Rück­nah­me­pflicht nach­zu­kom­men.

Auch das grund­sätz­li­che Ver­ständ­nis des Ri­si­ko­ma­nage­ments in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­on hat sich ver­än­dert: von ei­ner nach­ge­la­ger­ten, von In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­den ab­hän­gi­gen Kon­troll­funk­ti­on hin zu ei­nem zen­tra­len Be­stand­teil im Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zess ei­nes In­sti­tuts.

Iso­la­ti­on ent­ge­gen­wir­ken

Die Re­gu­lie­rung in der EU, na­ment­lich der Ent­wurf zur Über­ar­bei­tung der Richt­li­nie für die Ef­fek­ten­fonds (Ucits IV/V) und die EU-Richt­li­nie über die Ver­wal­ter al­ter­na­ti­ver In­vest­ment­fonds (AIFMD), greift die­ses neue Ver­ständ­nis auf und führt zu ei­ner be­deu­ten­den Ver­schär­fung der An­for­de­run­gen ans Ri­si­ko­ma­nage­ment von Fonds­lei­tun­gen in der EU. Die Schweiz hat mit der An­glei­chung der lo­ka­len Ge­setz­ge­bung be­gon­nen, um der Iso­la­ti­on der Schwei­zer Fonds­in­dus­trie ent­ge­gen­zu­wir­ken. Mit dem teil­r­e­vi­dier­ten Kol­lek­tiv­an­la­gen­ge­setz (KAG) und der Kol­lek­tiv­an­la­gen­ver­ord­nung (KKV) per 1. März wur­den erst­mals ge­ne­rel­le Be­stim­mun­gen zur be­triebs­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung und zu den Auf­ga­ben des Ri­si­ko­ma­nage­ments kon­kre­ti­siert. Ge­mäss Ar­ti­kel 12a KKV ha­ben die Be­wil­li­gungs­trä­ger ein «zweck­mäs­si­ges und an­ge­mes­se­nes Risk Ma­nage­ment» zu ge­währ­leis­ten, das die ge­sam­te Ge­schäfts­tä­tig­keit um­fasst. Die­se Be­stim­mung ge­währt den In­sti­tu­ten ei­nen brei­ten In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum.

Wei­te­re Vor­stös­se auf Ge­set­zesund Ver­ord­nungs­ebe­ne, die vor­han­de­ne re­gu­la­to­ri­sche Grund­la­ge zu kon­kre­ti­sie­ren, sind der­zeit nicht ab­seh­bar, und ei­ne rechts­ver­bind­li­che Selbst­re­gu­lie­rung im Be­reich des Ri­si­ko­ma­nage­ments exis­tiert nicht. Das Ziel der an­ge­streb­ten Re­gu­lie­rung be­steht je­doch oh­ne Zwei­fel in der Aus­ge­stal­tung des Ri­si­ko­ma­nage­ments als ei­ner in sämt­li­chen be­trieb­li­chen Pro­zes­sen ver­an­ker­ten, zen­tra­len Funk­ti­on, die un­ab­hän­gig von den ope­ra­ti­ven Ge­schäfts­ein­hei­ten und dem Port­fo­lio­ma­nage­ment agiert.

Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass vie­le Schwei­zer Fonds­lei­tun­gen künf­tig ih­re Ri­si­ko­ma­nage­ment­in­fra­struk­tur über­ar­bei­ten wer­den. Be­son­ders bei klei­ne­ren In­sti­tu­ten kann sich der Auf­wand re­la­tiv zu Um­fang und Kom­ple­xi­tät der Ge­schäfts­tä­tig­keit je­doch als un­ver­hält­nis­mäs­sig er­wei­sen: Die Kos­ten für die Ge­währ­leis­tung ei­ner voll­stän­di­gen funk­tio­na­len Tren­nung des Ri­si­ko­ma­nage­ments von den üb­ri­gen Kon­troll­funk­tio­nen, et­wa der Com­p­li­an­ce, so­wie für In­stal­la­ti­on und Un­ter­halt der nö­ti­gen IT-Sys­te­me zur Iden­ti­fi­ka­ti­on, Mes­sung, Beur­tei­lung, Steue­rung und Be­richt­er­stat­tung über ein­zel­ne wie auch ag­gre­gier­te Ri­si­ko­po­si­tio­nen kön­nen er­heb­lich sein.

Die ef­fek­ti­ve Aus­ge­stal­tung des Ri­si­ko­ma­nage­ments bie­tet aber auch Chan­cen. Es kön­nen un­ge­woll­te Ri­si­ken ver­mie­den und über­wacht wer­den, und es kann ein Wett­be­werbs­vor­teil ge­schaf­fen wer­den durch Si­gna­li­sie­rung von Qua­li­tät und Trans­pa­renz an be­ste­hen­de und po­ten­zi­el­le Kun­den. Kun­den­spe­zi­fi­sche Be­richt­er­stat­tung lässt er­heb­li­chen Mehr­wert zu.

Mehr­wert für An­le­ger

Zu­dem kann die Ef­fek­ti­vi­tät der in­ter­nen Kon­trol­len durch ei­ne ex­ter­ne Beur­tei­lung, z. B. sog. Ser­vice-Or­ga­niza­t­i­on-Con­trol-(SOC-)Be­rich­te, un­ter­mau­ert wer­den, die wie­der­um auch im Rah­men der Due-Di­li­gence-Prü­fung und zu Mar­ke­ting­zwe­cken ge­nutzt wer­den kön­nen.

Um die Gleich­wer­tig­keit der Schwei­zer Fonds­lei­tun­gen mit ih­ren eu­ro­päi­schen Kon­kur­ren­ten zu ge­währ­leis­ten, ist ei­ne an­ge­mes­se­ne Aus­ge­stal­tung des Ri­si­ko­ma­nage­ments zwin­gend. Um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zu ver­mei­den und Rechts­si­cher­heit zu schaf­fen, ist da­bei die Rechts­ent­wick­lung in der Schweiz in en­ger An­leh­nung an die be­ste­hen­den EU-Re­gu­lie­run­gen si­cher­zu­stel­len. Dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mäs­sig­keit ist Rech­nung zu tra­gen, da­mit auch klei­ne­re In­sti­tu­te die Her­aus­for­de­run­gen meis­tern und die Chan­cen nut­zen kön­nen. Nur so wird ein Mehr­wert im In­ter­es­se der An­le­ger ge­währ­leis­tet sein. Chris­ti­an So­guel, Part­ner, San­dor Frei, Se­ni­or Ma­na­ger, und Ga­b­rie­le von Plan­ta, Ma­na­ger, Ernst & Young.

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