EZB sucht neue Ba­zoo­ka

Kei­ne Zins­sen­kung – Draghi sieht Heil des Eu­ros in Re­gu­lie­rung

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOM­MA­SO MANZIN

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat am Don­ners­tag kei­ne Ex­pe­ri­men­te ge­wagt: Den Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­satz be­liess sie bei 0,5%, den Spit­zen­re­fi­nan­zie­rungs­satz bei 1% und den Ein­la­gen­satz, zu dem Ban­ken ihr Geld über Nacht bei der EZB par­ken, bei 0%. Im Vor­feld wur­de spe­ku­liert, ob sie ne­ga­ti­ve Sät­ze für die Ein­la­gen­fa­zi­li­tät ein­führt, um Ban­ken da­zu zu be­we­gen, Geld und tie­fe Zin­sen ver­mehrt an KMU wei­ter­zu­rei­chen. Da­mit soll­te das Zins­ge­fäl­le in der Eu­ro­zo­ne (Frag­men­tie­rung) re­du­ziert wer­den.

Seit der letz­ten Sit­zung im Mai steht die Mög­lich­keit im Raum, die EZB könn­te die An­re­chen­bar­keit von As­set Ba­cked Se­cu­ri­ties (ABS), de­nen Kre­di­te von KMU zu­grun­de­lie­gen, als De­ckung bei der Re­fi­nan­zie­rung der Ban­ken er­leich­tern. Sie könn­te auch im Stil quan­ti­ta­ti­ver Lo­cke­rung (QE) di­rekt am Se­kun­där­markt als Käu­fer auf­tre­ten, wo­durch Ri­si­ko­auf­schlä­ge und Kos­ten der Un­ter­neh­mens­kre­di­te fie­len. An der Pres­se­kon­fe­renz liess sich EZB-Chef Ma­rio Draghi kei­ne neu­en De­tails ent­lo­cken. Vor ei­nem Mo­nat gab er be­kannt, sich mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen, et­wa der Eu­ro­päi­schen In­ves­ti­ti­ons­bank (EIB) zu be­ra­ten.

Das im Sep­tem­ber lan­cier­te OMTPro­gramm, in dem die EZB un­ter Re­form­be­din­gun­gen Staats­an­lei­hen kau­fen kann, pries Draghi als «ei­ne der er­folg­reichs­ten Mass­nah­men in der jün­ge­ren Ge­schich­te der Geld­po­li­tik». Die Bör­sen hät­ten seit­her haus­siert, was die Ka­pi­tal­kos­ten für die Un­ter­neh­men senk­te und das Ver­mö­gen der Haus­hal­te ver­bes­ser­te. Die Un­gleich­ge­wich­te der Tar­get-2-Sal­den – Zah­lungs­strö­me des Zen­tral­bank­sys­tems, die feh­len­de Ka­pi­tal­im­por­te aus­glei­chen – hät­ten sich re­du­ziert; die Ren­di­ten sei­en in der Pe­ri­phe­rie ge­sun­ken und in Deutsch­land ge­stie­gen, was dort Spa­rern und Pen­si­ons­kas­sen hel­fe.

Die EZB sieht of­fen­bar nicht in ei­ner noch ex­pan­si­ve­ren Geld­po­li­tik, son­dern in der Re­gu­lie­rung – et­wa der Ban­ku­ni­on – das nächs­te gros­se Ge­schütz, das sie zur Wah­rung der Wäh­rungs­uni­on auf­fah­ren will. Ex­per­ten hat­ten da­mit ge­rech­net, die EZB wür­de just des­halb mit ei­ner wei­te­ren Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik zu­war­ten, um den Druck in Rich­tung Ban­ken­uni­on zu er­hö­hen.

Die Frag­men­tie­rung wird in den Au­gen der EZB nur be­ho­ben, wenn ne­ben der ge­mein­sa­men Ban­ken­auf­sicht (SSM) ein Ab­wick­lungs­me­cha­nis­mus (SRM) auf­ge­zo­gen wird. Erst dann – das er­klär­te jüngst EZB-Di­rek­to­ri­ums­mit­glied Be­noît Co­eu­ré – wer­de die Tren­nung von Staat und Ban­ken voll­zo­gen. Knack­punkt ist, aus wel­chen Mit­teln ein da­mit not­wen­dig wer­den­der Ab­wick­lungs­fonds ge­speist wür­de. Schon um das Ret­tungs­ve­hi­kel ESM wur­de es ru­hig, als es um die Fi­nan­zie­rung der «Di­rekt­ein­sprit­zung» von Ka­pi­tal an Ban­ken ging.

Leit­zins und Bi­lanz­sum­me EZB

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