Pri­vat­an­le­ger ha­ben kei­ne Furcht vor der Zins­wen­de

ETF und No­tes auf Ak­ti­en und An­lei­hen sind be­liebt – Neu­ar­ti­ge Markt­ana­ly­se für Deutsch­land

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - PHIL­IP­PE BÉGUELIN

WDe­tek­tiv­ar­beit

el­che An­la­gen sind der­zeit un­ter Pri­vat­in­ves­to­ren ge­fragt, und wel­che wer­den ge­mie­den? Das ist nicht ein­fach zu be­ant­wor­ten. Ei­nen Ge­samt­über­blick über die Be­we­gun­gen in ko­tier­ten Fonds und No­tes lie­fert Black­Rock. Der mo­nat­li­che Re­port ent­hält sämt­li­che Käu­fe und Ver­käu­fe, al­so auch die der gros­sen in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger.

Nun will ei­ne neue Ana­ly­se das Kauf­ver­hal­ten von Pri­vat­an­le­gern er­fas­sen. Ent­wi­ckelt wur­de das Mo­dell von der Agen­tur Ne­wMark Fi­nanz­kom­mu­ni­ka­ti­on in Frank­furt. Ge­schäfts­füh­rer Hu­ber­tus Väth er­klärt: «Al­le Sta­tis­ti­ken für Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds be­trach­ten im­mer nur die Zu- und Ab­flüs­se in die ein­zel­nen Fonds, aber die­se sind do­mi­niert von den Or­ders gros­ser, in­sti­tu­tio­nel­ler An­le­ger.» Zu­dem wür­den sie den eu­ro­päi­schen Markt be­trach­ten, aber nicht ein­zel­ne Län­der. «Ei­ne ech­te Ana­ly­se des An­le­ger­ver­hal­tens in ein­zel­nen Län­dern war bis jetzt noch nicht mög­lich.» Väth war frü­her beim De­ri­va­te Fo­rum, das sich 2007 mit dem De­ri­va­te In­sti­tut zum Deut­schen De­ri­va­te Ver­band (DDV) zu­sam­men­schloss. Er­fasst wer­den soll der Ka­pi­tal­fluss der Pri­vat­in­ves­to­ren und Ver­mö­gens­ver­wal­ter, des­halb wer­den nur Bör­sen­auf­trä­ge un­ter 500 000 € ein­be­zo­gen. Grös­se­re Or­ders könn­ten die Statistik un­ter Um­stän­den kom­plett ver­zer­ren, er­läu­tert Jan De­cken von Ne­wMark. Der aus­ser­börs­li­che Han­del (Over the Coun­ter, OTC) wird nicht be­rück­sich­tigt. Die er­fass­ten Zu­und Ab­flüs­se wer­den dann durch ei­ne Viel­zahl von Re­geln be­rei­nigt, «auch um die Be­son­der­hei­ten ein­zel­ner Markt­teil­neh­mer, Bör­sen­plät­ze und Markt­mo­del­le kor­rekt ab­zu­bil­den».

Nun pu­bli­ziert Ne­wMark ers­te Da­ten aus Deutsch­land zu ko­tier­ten Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) und No­tes resp. Schuld­ver­schrei­bun­gen (Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts, ETP). Pro Mo­nat wur­den et­wa 175 000 Auf­trä­ge an den Bör­sen in Frank­furt (Xe­tra) und Stutt­gart ana­ly­siert, mehr als 95% der er­fass­ten Or­ders konn­ten ein­deu­tig zu­ge­ord­net wer­den.

Bei­spiels­wei­se kön­ne für je­den Ab­schluss eru­iert wer­den, ob es ein Kauf oder ein Ver­kauf war. Das ist aus dem Ge- samt­um­satz nicht di­rekt er­sicht­lich: Wenn An­le­ger ko­tier­te Fi­nanz­pro­duk­te han­deln und die Nach­fra­ge ent­spre­chend zu- oder ab­nimmt, gibt der An­bie­ter (via Mar­ket Ma­ker) neue Pro­duk­te aus (Crea­ti­on) oder nimmt sie zu­rück (Redemp­ti­on). Der In­ves­tor han­delt al­so an der Bör­se mit Mar­ket Ma­kers und die­se mit dem Pro­duk­tan­bie­ter. Da muss je­weils ana­ly­siert wer­den, in wel­che Rich­tung das Ka­pi­tal fliesst.

Welt­wei­te Ka­pi­tal­flüs­se ETF und ETP

Den weit­aus gröss­ten Ka­pi­tal­zu­fluss von Ja­nu­ar bis Mai er­ziel­ten ETF und ETP auf Ak­ti­en mit knapp 1,7 Mrd. € (vgl. klei­ne Ta­bel­le). Et­wa ein Drit­tel so viel floss in An­lei­hen resp. Zins­pa­pie­re. Im Ge­gen­satz da­zu zo­gen In­ves­to­ren gut 208 Mio. € aus Roh­stof­fen ab.

Die oft ge­nann­te «gros­se Ro­ta­ti­on» der In­ves­to­ren von An­lei­hen in Ak­ti­en fin­det al­so zu­min­dest un­ter Pri­vat­an­le­gern in Deutsch­land nicht statt. Sie mo­bi­li­sie­ren of­fen­sicht­lich Bar­geld und in­ves­tie­ren so­wohl in Ak­ti­en als auch in An­lei­hen.

Kei­ne gros­se Ro­ta­ti­on

Auch welt­weit ist in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten Geld von pri­va­ten und in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren so­wohl in Ak­ti­en als auch in An­lei­hen ge­flos­sen und kei­ne gros­se Ro­ta­ti­on in Sicht. Das zeigt der neus­te Black­Rock-Re­port (vgl. Gra­fik).

Im Mai war in Deutsch­land der Zuf­luss in Zins­pa­pie­re (135 Mio. €) so­gar grös­ser als in Ak­ti­en (117 Mio. €). «Erst­mals in die­sem Jahr floss in ei­nem Mo­nat mehr Geld in Fi­xed-In­co­me-Pa­pie­re als in Ak­ti­en», er­klärt De­cken. Pri­vat­an­le­ger ha­ben al­so kei­ne Furcht vor der Zins­wen­de.

Un­ter den Fi­nanz­pro­duk­ten mit dem gröss­ten Zuf­luss do­mi­nie­ren die­ses Jahr sol­che auf deut­sche und eu­ro­päi­sche Ak­ti­en. Be­reits auf Platz vier der Rang­lis­te steht al­ler­dings ein In­dex auf hoch­ver­zins­li­che An­lei­hen (High Yield), und auf Platz sie­ben folgt ein ja­pa­ni­scher Ak­ti­en­in­dex (MSCI Ja­pan). Ab­flüs­se er­lit­ten vor al­lem An­la­ge­instru­men­te auf Gold.

Un­ter den An­bie­tern in Deutsch­land er­hielt iSha­res mit Ab­stand am meis­ten Zu­spruch, ge­folgt von db x-tra­ckers (vgl. Ta­bel­le). Auf Rang drei steht SPDR ETF, ob­wohl der An­bie­ter ge­mäss Ne­wMark nur we­ni­ge Pro­duk­te an­bie­tet. Lyxor als dritt­gröss­ter An­bie­ter in Eu­ro­pa er­litt ei­nen Ab­fluss, und am Schluss steht Deut­sche Bör­se Com­mo­di­ties we­gen Gold.

Ne­wMark will künf­tig wei­te­re Ana­ly­sen ver­öf­fent­li­chen. Väth: «Das Mo­dell funk­tio­niert für fast al­le eu­ro­päi­schen und asia­ti­schen Bör­sen. Es las­sen sich da­mit Markt­be­we­gun­gen für struk­tu­rier­te Pro­duk­te wie auch für ETF und ETC ana­ly­sie­ren. Be­son­ders bei den ETP ist der Mehr­wert im­mens, sind wir doch die ein­zi­gen, die ein Bild über das ech­te Kauf­ver­hal­ten von Pri­vat­an­le­gern in ein­zel­nen Län­dern ab­ge­ben kön­nen.» Wir sind ge­spannt.

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