AMS frus­triert die An­le­ger

CH Ge­winn­war­nung schockt

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - TR

Bis zu­letzt war «Fi­nanz und Wirt­schaft» po­si­tiv ge­stimmt für AMS. «Lang­fris­tig ha­ben die Ak­ti­en wei­ter­hin Po­ten­zi­al», hiess es im April. «Die Ge­sell­schaft ist wei­ter her­vor­ra­gend po­si­tio­niert, so­dass die Kurs­schwä­che aus­ge­nützt wer­den kann» dann im Mai. Ei­nen Mo­nat spä­ter wies FuW auf die Be­tei­li­gung des nor­we­gi­schen Staats­fonds am ös­ter­rei­chi­schen Tur­naround-Kan­di­da­ten hin, der in der Schweiz ko­tiert ist. Al­le Hoff­nung wur­de ent­täuscht: Nach ei­ner Ge­winn­war­nung fiel der Ti­tel An­fang der Wo­che deut­lich. Am grund­sätz­lich po­si­ti­ven Ur­teil än­dert das nichts – auch wenn sich die Fra­ge­zei­chen meh­ren.

Es war bis­lang kein gu­tes Jahr für den Halb­lei­terher­stel­ler. Seit An­fang Jahr sind die Va­lo­ren um mehr als ein Vier­tel ge­fal­len. Im April kün­dig­te der lang­jäh­ri­ge CEO John Heug­le sei­nen Rück­zug an nach «Dif­fe­ren­zen mit dem Auf­sichts­rat». Das Er­geb­nis für das ers­te Quar­tal fiel schwä­cher aus als ge­dacht. Im Mai ver­liess Heug­le, der noch bis 2014 blei­ben woll­te, das Un­ter­neh­men prak­tisch über Nacht. Bis ein neu­er Vor­stands­chef ge­fun­den ist, über­nimmt Spar­ten­chef Kirk Le­ney. Und nun folg­te die Ge­winn­war­nung aus hei­te­rem Him­mel.

Das Un­ter­neh­men teil­te am Mon­tag vor Öff­nung der Bör­se mit, dass «be­stimm­te Pro­duk­ti­ons­hoch­läu­fe von AMS-Pro­duk­ten mit be­stä­tig­tem De­sign-in-Sta­tus nun­mehr spät im zwei­ten Halb­jahr 2013 und/oder in den ers­ten Mo­na­ten des kom­men­den Jah­res zu er­war­ten sind». Es hand­le sich nicht um nur ein Pro­dukt und auch nicht um nur ei­nen Kun­den, er­klär­te ein Spre­cher. Zu den AMS-Gross­kun­den zäh­len App­le und Samsung. Das Un­ter­neh­men rech­net nun mit ei­nem nied­ri­ge­ren Um­satz­an­stieg im zwei­ten Halb­jahr, im Ver­gleich zum Vor­jahr aber im­mer noch mit ei­nem Um­satz­wachs­tum. Die Fol­gen für das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis und das Net­to­er­geb­nis im Ge­schäfts­jahr sei­en ne­ga­tiv, teilt es wei­ter mit.

Kon­kre­te Zah­len blieb AMS schul­dig. Die War­nung reich­te aber aus, dass ei­ni­ge Wert­schrif­ten­häu­ser ih­re Schät­zun­gen nach un­ten re­vi­dier­ten. So hat Von­to­bel-Ana­lyst Micha­el Foeth sei­ne Pro­gno­se für den ope­ra­ti­ven Be­triebs­ge­winn für die­ses Jahr um 23% ge­senkt. Das Un­ter­neh­men ha­be aber nach sei­ner An­sicht kei­nen Kun­den und kein Pro­jekt ver­lo­ren. Die Wachs­tums­aus­sich­ten sei­en in­takt. HSBC, Na­ti­xis und Jef­fe­ries ha­ben eben­so ihr Kurs­ziel ge­senkt.

Die grösste Un­si­cher­heit bleibt: die Va­kanz an der Spit­ze von AMS. Mit Hans Jörg Kal­ten­brun­ner lei­tet den AMS-Auf­sichts­rat seit kur­zem ein Ex-CEO, der dem Un­ter­neh­men von 1998 bis 2002 vor­stand. Es bleibt ab­zu­war­ten, wen Kal­ten­brun­ner nun ne­ben sich als Vor­stands­chef des Un­ter­neh­mens dul­det. Mit Heug­le hat es nicht funk­tio­niert.

Trotz der Flut an Ne­ga­tiv­mel­dun­gen: Die Aus­sich­ten für AMS in ei­ner Welt, die mehr und mehr di­gi­tal tickt, sind in­takt. Bis neue Pro­duk­te bei Kun­den an den Start ge­hen, bleibt es aber schwie­rig für die Va­lo­ren: Wei­te­re Kurs­über­trei­bun­gen nach un­ten sind mög­lich. Wer in­ves­tiert ist, sitzt die Pha­se der Un­si­cher­heit mög­lichst aus. Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger nut­zen die Schwä­che suk­zes­si­ve für den Auf­bau von Po­si­tio­nen.

JJ

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