Goog­le dü­piert die Ri­va­len mit reich­lich Tem­po

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - TR

Das «Wall Street Jour­nal» ist so et­was wie das Sprach­rohr des Si­li­con Val­ley. Of­fi­zi­el­le Nach­rich­ten ste­hen oft zu­erst in dem Wirt­schafts­blatt, noch be­vor die Ma­na­ger der be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men sich selbst der Neu­ig­kei­ten be­wusst sind. So auch im Fall des On­li­ne-Na­vi­ga­ti­ons­diens­tes Wa­ze. Zu Wo­chen­be­ginn be­reits ver­mel­de­te die Wirt­schafts­zei­tung, Goog­le ste­he kurz vor Über­nah­me des is­rae­li­schen Un­ter­neh­mens für ei­nen Mil­li­ar­den­be­trag. Viel Geld für ein Un­ter­neh­men, des­sen Ge­schäfts­mo­dell auf Gra­tis­na­vi­ga­ti­on be­ruht.

Am spä­ten Di­ens­tag­nach­mit­tag kam die of­fi­zi­el­le Be­stä­ti­gung des Kaufs, oh­ne Nen­nung des Prei­ses. Mit Wa­ze steigt Goog­le in das Seg­ment des so­zia­len Na­vi­gie­rens

App­le und Ri­va­len ein. Die Kar­ten von Wa­ze wer­den nicht von Pro­fis er­stellt, je­der Nut­zer kann und soll dort Stras­sen oder Staus ein­tra­gen. Der Di­enst lebt vom Ge­mein­schafts­sinn der Nut­zer und hat seit Grün­dung vor fünf Jah­ren enor­me Fort­schrit­te ge­macht. Im letz­ten Jahr gab es 36 Mil­lio­nen Nut­zer, 65 000 da­von tru­gen laut Wa­ze zur Gestal­tung der Kar­ten in 110 Län­dern der Er­de bei. Auf den Maps sind auch güns­ti­ge Tank­stel­len, Ra­dar­fal­len und Maut­stras­sen zu fin­den.

Auf dem so­zia­len Au­ge ist Goog­le blind. Das ei­ge­ne so­zia­le Netz Goog­le+ ist trotz enor­mer Be­mü­hun­gen der Such­ma­schi­ne ein In­si­der­club. Wa­ze passt zu Goog­le: Auf je­dem An­dro­id-Han­dy ist die Na­vi­ga­ti­ons­soft­ware des Un­ter­neh­mens

Smart­pho­ne-Markt vor­in­stal­liert. Erst jüngst hat­te Goog­le auf der Ent­wick­ler­kon­fe­renz Neu­es zum ei­ge­nen Kar­ten­dienst Maps ge­zeigt.

Der Kauf ist auch ein Schlag ge­gen die Ri­va­len: Face­book und App­le sol­len an dem is­rae­li­schen Start-up eben­so in­ter­es­siert ge­we­sen sein. App­le hat im ver­gan­ge­nen Jahr mit dem Raus­wurf des Goog­le-Kar­ten­diens­tes und der Eta­b­lie­rung des ei­ge­nen Ser­vices auf ih­ren Smart­pho­nes und Ta­blets für ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len ge­sorgt. Der Di­enst funk­tio­niert nur un­zu­rei­chend. Face­book fehlt bis­lang jed­we­des An­ge­bot, was Kar­ten­oder Na­vi­ga­ti­ons­diens­te an­geht. Im Mo­ment hat Goog­le die Na­se vor­ne, was In­no­va­tio­nen an­geht – das spie­gelt sich be­reits im Ak­ti­en­kurs.

Ta­blet-Markt

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