Zu spä­te Lie­be für Kan­to­nal­ban­ken

SCHWEIZ Kan­to­nal­ban­ken im Fo­kus der «Lex USA» – Liech­ten­stei­ni­sche Lan­des­bank (LLB) war in der glei­chen Si­tua­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS WYSS

Der Bun­des­rat hat im US-Steu­er­streit zu­nächst die Kan­to­nal­ban­ken in den Fo­kus ge­stellt, um da­mit Druck auf die Po­li­tik aus­zu­üben, sein Ver­hand­lungs­er­geb­nis durch­zu­win­ken. Die Angst wird ge­schürt, ein sol­ches In­sti­tut könn­te in den USA an­ge­klagt wer­den, und ein­zel­ne Kan­to­nal­ban­ken sol­len so­gar ei­nen «Bank Run» be­fürch­ten.

Sol­chen Ängs­ten bre­chen zwar Aus­sa­gen ei­nes ho­hen Raiff­ei­sen-Ver­tre­ters die Spit­ze, bis­lang sei­en in die­ser Sa­che über­haupt kei­ne Geld­flüs­se von Kan­to­nal­ban­ken zu Raiff­ei­sen fest­ge­stellt wor­den. Trotz­dem macht es Sinn, sich Ge­dan­ken zu ma­chen, wie die Schweiz und die KBs die­ses Pro­blem lö­sen könn­ten.

Sei­ne Lie­be für die Kan­to­nal­ban­ken hat der Bun­des­rat erst sehr spät ent­deckt. Wie er die­sen Ban­ken be­reits in ei­nem viel frü­he­ren Sta­di­um hät­te hel­fen kön­nen, hat das Fürs­ten­tum Liech­ten­stein mit der Liech­ten­stei­ni­schen Lan­des­bank ( LLB) vor­ge­macht.

Auch die LLB be­fin­det sich im Staats­be­sitz, und auch die LLB war im Fo­kus der USA. Das liech­ten­stei­ni­sche Par­la­ment hat die­ses Pro­blem sehr prag­ma­tisch ge­löst: Für ei­ne mit den USA ab­ge­stimm­te Zeit­pe­ri­ode wur­de das Aus­füh­rungs­ge­setz zum Tax In­for­ma­ti­on Ex­ch­an­ge Agree­ment ( TIEA) zwi­schen den USA und dem FL in zwei Punk­ten ab­ge­än­dert. Ers­tens wur­den Amts­hil­fe­er­su­chen für Sach­ver­hal­te ab 2004 mög­lich, ob­wohl das TIEA grund­sätz­lich erst ab 2009 greift. Und zwei­tens wur­den Grup­pen­er­su­chen zu­ge­las­sen.

Mit den USA war ab­ge­macht wor­den, dass nur Grup­pen­er­su­chen für Per­so­nen mit ei­nem Ver­mö­gen von mehr als 500 000 Fr. ge­stellt wer­den. An die­se Ab­ma­chung hat sich die ame­ri­ka­ni­sche Steu­er­be­hör­de IRS auch ge­hal­ten. Im Ge­gen­zug wur­den die Amts­hil­fe­er­su­chen schnell voll­zo­gen.

Auf die­se Wei­se wur­de die LLB aus dem Fo­kus der Straf­ver­fol­gung ge­nom­men und konn­te ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Aus­set­zung der Straf­ver­fol­gung (De­fer­red Pro­se­cu­ti­on Agree­ment) ab­schlies­sen. Da­bei muss­te die LLB ei­ne viel ge­rin­ge­re Bus­se be­zah­len, weil sie – an­ders als die ZKB und die BKB und an­de­re Kan­to­nal­ban­ken – Kun­den­da­ten für Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen ab 2004 lie­fern konn­te.

Über­tra­gen auf die Schweiz heisst das: Der Bun­des­rat hät­te min­des­tens für die Zürcher Kan­to­nal­bank und für die Bas­ler Kan­to­nal­bank dem Par­la­ment vor­schla­gen kön­nen, das Re­vi­si­ons­pro­to­koll zum Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men USA für ei­ne ge­wis­se Zeit ab­zu­än­dern. Amts­hil­fe hät­te bei Ver­dacht auf blos­se Steu­er­hin­ter­zie­hung be­reits ab 2001 oder 2002 ge­währt wer­den könn­ten – und nicht erst für die Zeit nach der Un­ter­zeich­nung des Re­vi­si­ons­pro­to­kolls am 23. Sep­tem­ber 2009. Er hät­te ei­nen ein­deu­ti­gen «trea­ty-over­ri­de» ma­chen kön­nen, um Grup­pen­er­su­chen eben­falls zu­zu­las­sen. Und er hät­te die Amts­hil­fe in Ver­hand­lun­gen mit dem IRS/DOJ auf die gros­sen Fäl­le ein­schrän­ken kön­nen.

In den Ver­hand­lun­gen mit den ame­ri­ka­ni­schen Be­hör­den war die Lie­be des Bun­des­rats ge­gen­über den Ban­ken of­fen­bar noch nicht vor­han­den. Er hat die­se erst ent­deckt, als es dar­um ging, das Ver­hand­lungs­er­geb­nis im Par­la­ment durch­zu­drü­cken.

Im Mit­tel­punkt: Im US-Steu­er­streit dreht sich vie­les um die Kan­to­nal­ban­ken. Liech­ten­stein macht vor, wie man es an­ders ma­chen kann.

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