Was Al­ter­na­tiv-ma­na­ger zu Best­ver­die­nern macht

IN­TER­NA­TIO­NAL Ren­dite­hung­ri­ge In­ves­to­ren ak­zep­tie­ren ho­he Ge­büh­ren – Ak­ti­en bes­ser als In­dex

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Noch im­mer viel An­la­ge­geld fliesst in die so­ge­nann­ten Al­ter­na­ti­vin­vest­ments, in de­nen sich An­le­ger ty­pi­scher­wei­se lang­fris­tig auf meist vie­le Jah­re zu bin­den ha­ben. Der Schwei­zer An­la­ge­s­pe­zia­list Part­ners Group hat die­ses Jahr Tei­le des ein­ge­wor­be­nen An­le­ger­gel­des in Gross­im­mo­bi­li­en und In­fra­struk­tur­an­la­gen in­ves­tiert, so auch in ei­nen drei­zehn­stö­cki­gen La­ger- und Lo­gis­tik­kom­plex im Hong­kon­ger Stadt­teil Kow­loon. Das In­vest­ment sei mit ei­nem Um­nut­zungs­kon­zept ver­bun­den, das von der Um­for­mung von Kow­loon zu ei­nem Bü­ro- und Ge­schäfts­vier­tel zu pro­fi­tie­ren trach­tet, er­läu­tert Part­ners Group.

Al­ter­na­ti­vin­vest­ments sind nicht­börs­lich ge­führt, wes­halb wäh­rend der An­la­ge­dau­er kein Markt­wert er­mit­telt wer­den kann. An des­sen Stel­le wird ein Schätz­wert (Fair Va­lue) pu­bli­ziert, der sich aus ei­ner Er­trags­wert­dis­kon­tie­rung bzw. aus dem Ab­gleich mit ähn­li­chen ko­tier­ten In­vest­ments er­rech­nen lässt.

Mar­kan­te Vo­lu­men­zu­nah­me

An­ge­bo­ten wer­den in der Re­gel An­la­gen in Be­tei­li­gungs­ka­pi­tal (Pri­va­te Equi­ty), in ei­gen­ka­pi­tal­ähn­li­che Dar­le­hen und Fi­nan­zie­run­gen (Pri­va­te Debt/Mez­za­ni­ne) und eben in kom­mer­zi­ell ge­nutz­te Im­mo­bi­li­en oder pri­vat­wirt­schaft­lich be­trie­be­ne In­fra­struk­tur. Die Kun­den – Ver­si­che­rer, Staats­fonds, Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen und be­gü­ter­te Pri­va­te – ha­ben die Wahl zwi­schen Di­rekt­an­la­gen und dem Er­werb von An­tei­len an spe­zia­li­sier­ten, meist Off­s­hore re­gis­trier­ten Funds. Be­deu-

Ver­mö­gens­ver­wal­ter ten­de Ver­mö­gens­be­ra­ter des Al­ter­na­tiv­seg­ments be­rich­ten von ei­ner mar­kan­ten Jah­res­zu­nah­me der be­treu­ten Kun­den­ver­mö­gen. Die ame­ri­ka­ni­sche Blacks­to­ne weist per En­de März ei­ne um 15% auf 218,2 Mrd. $ ge­wach­se­ne Mas­se aus. «Je­der der vier An­la­ge­be­rei­che hat pro­zen­tu­al zwei­stel­lig ex­pan­diert», kom­men­tier­te CEO Ste­phen Schwarz­man den Zwi­schen­be­richt, «und dies, ob­schon Blacks­to­ne in meh­re­ren Seg­men­ten be­reits die welt­füh­ren­de Stel­lung in­ne­hat.»

Die eben­falls ame­ri­ka­ni­sche Car­lyle hat das be­treu­te Ver­mö­gen per März im Jah­res­ver­gleich um 11% auf 176,3 Mrd. $ aus­ge­wei­tet. CEO Da­vid Ru­ben­stein freu­te sich über neue Kun­den­zu­sa­gen über 5 Mrd. $ al­lein im ers­ten Quar­tal. Die Kun­den­nach­fra­ge ha­be sich aus­ser­ge­wöhn­lich ent­wi­ckelt, wohl auch, weil mit 4 Mrd. $ ei­ne ho­he Quar­tals­sum­me nach er­folg­rei­chen Exits an die In­ves­to­ren zu­rück­be­zahlt wor­den ist.

Zu den Be­son­der­hei­ten der Al­ter­na­ti­vin­vest­ments zählt, dass in Be­tei­li­gun­gen oder Dar­le­hens­trans­ak­tio­nen in­ves­tier­tes Geld nach we­ni­gen Jah­ren durch ei­ne Um­fi­nan­zie­rung oder den Ver­kauf des Un­ter­neh­mens wie­der frei­ge­schau­felt und an die An­le­ger zu­rück­be­zahlt wird – zu­sam­men mit dem Net­to­ge­winn. Die spe­zia­li­sier­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter «ver­lie­ren» als Fol­ge sol­cher Aus­zah­lun­gen re­gel­mäs­sig an Ver­mö­gens­mas­se, wes­halb sie dau­ernd ver­su­chen, be­ste­hen­de Kun­den zur Wie­der­an­la­ge rück­flies­sen­der Mit­tel so­wie neue In­ves­to­ren für erst­ma­li­ge In­vest­ments zu über­zeu­gen (Fund­rai­sing).

Von viel Er­folg an der Kun­den­front be­rich­ten auch die eu­ro­päi­schen An­bie­ter. Die schwei­ze­ri­sche Part­ners Group ver­öf­fent­licht kei­ne Quar­tals­zah­len, hat aber per En­de 2012 ei­nen Jah­res­zu­wachs der be­treu­ten Ver­mö­gen von 15,3% auf um­ge­rech­net 38 Mrd. $ vor­ge­legt. Die bri­ti­sche 3i Group weist für En­de März ei­ne über zwölf Mo­na­te um 23% aus­ge­dehn­te Ver­mö­gens­mas­se von 20 Mrd. $ aus.

Die Al­ter­na­tiv­spe­zia­lis­ten stel­len Ge­büh­ren von deut­lich mehr als 1% der be­treu­ten Ver­mö­gen in Rech­nung. Da­mit ge­hen sie weit über die An­sät­ze der An­bie­ter tra­di­tio­nel­ler An­la­gen auf An­lei­hen und Ak­ti­en hin­aus. Part­ners Group bei­spiels­wei­se hat seit 2006 die Ver­mö­gens­mas­se ver­drei­facht und da­bei den durch­schnitt­li­chen Kom­mis­si­ons­satz in ei­ner en­gen Band­brei­te von 1,2 bis 1,4% der Kun­den­ver­mö­gen sta­bil ge­hal­ten.

Trotz Avan­ce bleibt Po­ten­zi­al

Die An­le­ger ak­zep­tie­ren die ho­hen Ab­ga­ben, weil Al­ter­na­ti­vin­vest­ments ei­ne Mehr­ren­di­te ab­zu­wer­fen ver­spre­chen – zu­min­dest in der An­la­ge­wäh­rung (meist Dol­lar und Eu­ro) und über den mehr­jäh­ri­gen Zei­t­raum. Über das, was nach Kos­ten und Ge­büh­ren bleibt, sind un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen zu hö­ren. Die von den An­bie­tern do­ku­men­tier­te Vo­lu­men­aus­deh­nung lässt den Schluss zu, dass die In­ves­to­ren wei­te­ren Hun­ger nach al­ter­na­ti­ven An­la­ge­for­men ha­ben. Die Ver­dienst­mar­ge der spe­zia­li­sier­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter dürf­te statt­lich blei­ben.

Ih­re Ak­ti­en sind dem Markt zu­letzt da­von­ge­eilt. In­zwi­schen sind sie recht teu­er, wie sich am Bei­spiel von Part­ners Group mit dem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 20 zeigt – die Va­lo­ren des tra­di­tio­nel­len Ver­mö­gens­ver­wal­ters Ju­li­us Bär no­tie­ren zum KGV 16. Den­noch dürf­te den Pa­pie­ren von Part­ners Group und ih­rer Wett­be­wer­ber Po­ten­zi­al blei­ben, denn die Nied­rig­zins­la­ge facht die Nach­fra­ge nach ih­ren In­vest­ment­an­ge­bo­ten wohl wei­ter­hin an.

Part­ners Group hat die­ses Jahr Kun­den­geld in Hong­kong in­ves­tiert. Von der Trans­for­ma­ti­on des Vier­tels Kow­loon soll pro­fi­tiert wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.