Ou­lu po­si­tio­niert sich als Cle­an­tech-haupt­stadt des Nor­dens

FINN­LAND Über sech­zig Un­ter­neh­men aus der Bran­che in der Re­gi­on prä­sent – In­tel­li­gen­te ark­ti­sche Vor­stadt im Bau – Öf­fent­li­che Be­trie­be set­zen auf Nach­hal­tig­keit

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - MG,

Cle­an­tech – sau­be­re Tech­no­lo­gie – spielt ei­ne gros­se Rol­le in Finn­land. Ein über lan­ge Zei­ten des Jah­res kal­tes Kli­ma so­wie die Ab­senz von fos­si­len Ener­gie­res­sour­cen zwan­gen die nor­di­sche Na­ti­on schon früh, We­ge zu fin­den, wie man die Heiz­kos­ten sen­ken kann, und Al­ter­na­ti­ven zu den fos­si­len Ener­gie­trä­gern Öl, Gas und Koh­le zu su­chen. Des­halb ist Cle­an­tech in Finn­land heu­te ein Ge­schäft mit ei­nem Um­satz von 24,6 Mrd. € im Jahr 2012 – 15% mehr als 2011. Im Sek­tor ak­tiv sind rund 2000 Un­ter­neh­men mit et­wa 50 000 Be­schäf­tig­ten.

In Finn­land selbst po­si­tio­niert sich Ou­lu als Cle­an­tech-Zen­trum. Sie ist ei­ne Flug­stun­de nörd­lich der Haupt­stadt Hel­sin­ki am Bott­ni­schen Meer­bu­sen ge­le­gen und zählt et­was über 200 000 Ein­woh­ner. In Ou­lu und im Um­land sind im Be­reich sau­be­re Tech­no­lo­gie mehr als sech­zig Be­trie­be mit un­ge­fähr 1500 Mit­ar­bei­tern an­ge­sie­delt, die ei­nen kom­bi­nier­ten Jah­res­um­satz von et­wa 400 Mio. € er­wirt­schaf­ten. Da­zu kom­men das VTT Tech­ni­sche For­schungs­zen­trum von Finn­land und die Uni­ver­si­tät Ou­lu mit ei­nem In­sti­tut für Um­welt und Ener­gie.

Sau­be­re Tech­no­lo­gie ist in Ou­lu et­wa für Stadt­ent­wick­lung und -ma­nage­ment zen­tral. Knapp sie­ben Ki­lo­me­ter vom Stadt­zen­trum ent­fernt ent­steht zur­zeit der Vo­r­ort Hi­uk­ka­vaa­ra, ei­ne in­tel­li­gen­te ark­ti­sche Stadt (Smart Arc­tic Ci­ty) auf 1500 Hekt­ar mit 10 000 Wohn­ein­hei­ten für 20 000 Ein­woh­ner und mit 1800 Ar­beits­plät­zen.

Null-Ener­gie-Häu­ser

«Wir wol­len nach­hal­tig, für ex­tre­mes Kli­ma ge­bau­te Häu­ser, ver­sorgt mit grü­ner Ener­gie über in­tel­li­gen­te Net­ze, gut er­schlos­sen mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln und ei­nem Ab­fall­re­cy­cling­s­ys­tem», sagt Pro­jekt­pro­mo­tor Ari Sai­ne an­läss­lich ei­nes von Finn­facts or­ga­ni­sier­ten Be­suchs aus­län­di­scher Jour­na­lis­ten in Ou­lu. Bis zum Jahr 2019 sol­len al­le neu­en öf­fent­li­chen Ge­bäu­de Null­ener­gie­häu­ser sein, bis 2021 über­haupt al­le neu­en Ge­bäu­de.

Dass die Selbst­ver­sor­gung mit sau­be­rer Ener­gie mög­lich ist, zeigt das Öko­dorf Kem­pe­le in der na­hen Um­ge­bung von Ou­lu. Die klei­ne Siedlung ist nicht an das na­tio­na­le Strom­netz an­ge­schlos­sen. Sie

Wich­ti­ge Städ­te in Finn­land pro­du­ziert ih­re Ener­gie selbst mit ei­ner Bio­mas­se­an­la­ge und ei­ner Wind­tur­bi­ne. Die Woh­nun­gen sind mit en­er­gie­ef­fi­zi­en­ten Ap­pa­ra­ten aus­ge­stat­tet, dar­un­ter ei­nem Hei­m­au­to­ma­ti­ons­sys­tem, das vom fin­ni­schen Markt­füh­rer Ou­man her­ge­stellt wird. Für die Aus­sen­be­leuch­tung un­ter an­spruchs­vol­len Wet­ter­ver­hält­nis­sen wer­den strom­spa­ren­de LED-Lam­pen des Un­ter­neh­mens Va­lo­paa ver­wen­det.

Aus Holz wird Holz

Wer am Netz hängt, er­hält Strom und Wär­me von Ou­lun Ener­gia, dem staat­li­chen re­gio­na­len Ener­gie­ver­sor­ger. Die um­welt­freund­li­che Tech­no­lo­gie zur Ener­gie­pro­duk­ti­on stammt von Met­so, ei­nem in der Ver­bren­nung von Bio­mas­se füh­ren­den Tech­no­lo­gie­kon­zern, der mög­li­cher­wei­se bald zwei­ge­teilt wird. «Wir sor­gen da­für, dass Strom mit we­ni­ger Emis­sio­nen pro­du­ziert wer­den kann», er­klärt Di­rek­tor Ju­haPek­ka Jal­ka­nen. Part­ner von Ou­lun Ener­gia ist auch Ra­keis­tus. Das Start-up pro­du­ziert aus der Flug­asche, die beim Ver­bren­nen von Holz­schnit­zeln ent­steht, ein Gra­nu­lat, das das Treib­haus­gas CO2 bin­det und als Dün­ger ver­wen­det wer­den kann. Die­ser stei­gert, aus­ge­bracht in die Wäl­der, das Holz­wachs­tum um bis zu 30%.

Für Trink­was­ser­ver­sor­gung und Ab­was­ser­rei­ni­gung ist Ou­lu Ve­si zu­stän­dig. Zur Si­cher­stel­lung ei­nes spar­sa­men Um­gangs mit Was­ser und ei­ner ho­hen Was­ser­qua­li­tät ar­bei­tet der städ­ti­sche Be­trieb mit Ke­mi­ra zu­sam­men. Der Kon­zern bie­tet Sys­te­me zum Ma­nage­ment von Was­ser­quan­ti­tät und -qua­li­tät so­wie Pro­duk­te zur Er­hö­hung der Ef­fi­zi­enz von Roh­ma­te­ria­li­en an. «Noch sind wir vor al­lem ein Ver­käu­fer von Che­mi­ka­li­en, ver­su­chen aber im­mer mehr, ein An­bie­ter von Di­enst­leis­tun­gen zu wer­den», sagt Ma­na­ger Ve­sa Ket­tu­nen. Ein klei­ner Tech­no­lo­gie­zu­lie­fe­rer der Was­ser­wer­ke ist Sen­fit. Das Un­ter­neh­men fa­bri­ziert mi­kro­wel­len­ba­sier­te Sen­so­ren und Ana­ly­se­ge­rä­te zur Mes­sung von Feuch­tig­keit und Fest­stoff­ge­halt von Bio­ma­te­ria­li­en.

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