Ei­cher Mo­tors baut bri­ti­sches Kult­mo­tor­rad

IN­DI­EN Am An­fang stand ein deut­sches Trak­to­ren­werk – Ame­ri­ka­ni­sche Film- und Fern­seh­stars als Kun­den – An der Bör­se Mum­bai klar bes­ser als die Kon­kur­renz

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - ERNST HERB,

BKa­pa­zi­tät aus­ge­wei­tet

eina­he zur sel­ben Zeit, als der ös­ter­rei­chi­sche Öko­nom Jo­seph Schum­pe­ter das Kon­zept der schöp­fe­ri­schen Zer­stö­rung in die Volks­wirt­schafts­leh­re ein­führ­te, bau­ten im ober­bay­ri­schen Ort Zis­ler die Brü­der Al­bert und Jo­sef Ei­cher ei­nen al­ten Opel in ei­nen Trak­tor um. Das Ge­fährt soll­te den An­fang der 1934 ge­grün­de­ten Trak­to­ren­fa­brik Ei­cher ein­läu­ten. Ih­re bis in die Ge­gen­wart rei­chen­de Zu­kunft soll­te auf­zei­gen, wie weg­wei­send Schum­pe­ters The­se war. Das ur­sprüng­li­che Un­ter­neh­men ist längst an in­ne­ren Wi­der­sprü­chen und äus­se­ren Her­aus­for­de­run­gen zer­bro­chen.

Doch der un­ter­ge­gan­ge­ne mit­tel­stän­di­sche Trak­to­ren­bau­er lebt in sei­ner In­kar­na­ti­on als Ei­cher Mo­tors, ein an der Bör­se Mum­bai ko­tier­ter auf­stre­ben­der in­di­scher Mo­tor­rad- und Nutz­fahr­zeug­kon­zern, mun­ter wei­ter. Das Un­ter­neh­men, das aus der 1958 ge­grün­de­ten in­di­schen Toch­ter von Ei­cher her­vor­ge­gan­gen ist, baut längst kei­ne Trak­to­ren mehr. Welt­weit be­kannt ist die vom in­di­schen Ma­nage­ment kon­trol­lier­te Ge­sell­schaft heu­te hin­ge­gen durch Roy­al En­field, das Stan­dard­mo­tor­rad der bri­ti­schen Ar­mee wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs, mit dem der Hol­ly­wood­star Brad Pitt oder der ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­hal­ter Jay Le­no stolz durch die Welt knat­tern. Roy­al En­field, ein ur­sprüng­lich bri­ti­sches Un­ter­neh­men, das ähn­lich wie Ei­cher selbst über ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft zu ei­nem in­di­schen Be­trieb ge­wor­den ist, ist die welt­weit äl­tes­te noch pro­du­zier­te Mo­tor­rad­mar­ke. Ei­cher er­warb Roy­al En­field vor 22 Jah­ren. Die­ses Früh­jahr wur­de erst­mals seit zehn Jah­ren ein neu­es Mon­ta­ge­werk in Be­trieb ge­nom­men. Die zu­sätz­lich ge­schaf­fe­ne Jah­res­ka­pa­zi­tät von 150 000 Ein­hei­ten soll be­reits 2014 auf 250 000 er­höht wer­den. Dank ei­ner ra­sant wach­sen­den in­di­schen Mit­tel­klas­se konn­te der Ab­satz der mit­tel­schwe­ren Mo­tor­rä­der im ers­ten Quar­tal die­ses Jah­res 45% ge­stei­gert wer­den, nach­dem 2012 der Um­satz 52% ex­pan­diert ist. Ver­kaufs­ren­ner sind der 500 CCM Clas­sic und der 350 CCM Thun­der­bird. 2012 gin­gen le­dig­lich 2,9% der ins­ge­samt 124 270 ver­kauf­ten Ein­hei­ten in den Ex­port, die meis­ten da­von in an­gel­säch­si­sche Län­der, wo Roy­al En­field nicht zu­letzt we­gen im Zwei­ten Welt­krieg an­ge­sie­del­ter Spiel­fil­me weit­her­um be­kannt ist. Ei­cher plant, den Ab­satz im Aus­land jetzt for­ciert vor­an­zu­trei­ben.

Da­bei muss das Un­ter­neh­men al­ler­dings noch viel Ab­stand zum gröss­ten in­di­schen Mo­tor­fahr­rad­ex­por­teur, Ba­jaj Mo­tors, wett­ma­chen. Er setz­te im Vor­jahr 33% sei­ner ins­ge­samt 4,7 Mio. ver­kauf­ten Ein­hei­ten im Aus­land ab. Gleich­zei­tig dürf­te sich aber auch zu Hau­se der Wett­be­werb ver­schär­fen, plant der bri­ti­sche Mo­tor­rad­bau­er Tri­umph doch den Ein­tritt in den in­di­schen Markt.

Auch Last­wa­gen­bau­er

Ei­cher Mo­tors er­ziel­te im Vor­jahr mit dem Mo­tor­rad­ge­schäft rund 14% ih­res Um­sat­zes. Das zwei­te und bis­her mit Ab­stand wich­tigs­te Stand­bein ist VE Com­mer­ci­al Ve­hi­cles, ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men mit Vol­vo, dem welt­weit zweit­gröss­ten Last­wa­gen­bau­er. Die­ses Jo­int Ven­ture, an dem bei­de Part­ner zu je 50% be­tei­ligt sind, setz­te in den ers­ten drei Mo­na­ten die­ses Jah­res 44 790 Ein­hei­ten ab und ist da­mit nach As­hok Ley­land, Ma­hin­dra & Ma­hin­dra und Ta­ta Mo­tors der viert­gröss­te in­di­sche Nutz­fahr­zeug­her­stel­ler.

Ta­ta ist mit ei­nem Markt­an­teil von 56% und 444 000 ver­kauf­ten Ein­hei­ten klar die Num­mer eins auf dem welt­weit dritt­gröss­ten Last­wa­gen­markt. Al­ler­dings holt Ei­cher in dem in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten schwie­ri­ger ge­wor­de­nen Markt-

Ei­cher Mo­tors um­feld auf. So konn­te sie im Mai den Ver­kauf im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat 2,6% stei­gern, wäh­rend der Ge­samt­markt im sel­ben Zei­t­raum ein Mi­nus von 17% auf­wies.

Ei­cher hat denn auch die Kon­kur­renz an der Bör­se klar ge­schla­gen. Wäh­rend et­wa die Ak­ti­en von Ta­ta in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten rund 29% ver­lo­ren ha­ben, sind die Pa­pie­re von Ei­cher im sel­ben Zei­t­raum 67% ge­stie­gen und wa­ren da­mit auch klar bes­ser als der Haupt­in­dex der Bör­se Mum­bai, der Sen­sex. Ei­ne ge­ra­de­zu phä­no­me­na­le Per­for­mance ha­ben die Ei­cher-Ak­ti­en in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren an den Tag ge­legt, sind sie doch von rund 200 Punk­ten An­fang 2009 auf mitt­ler­wei­le über 3500 Zäh­ler in die Hö­he ge­schos­sen. Da­mit sind sie mit ei­nem für das lau­fen­de Jahr er­rech­ne­ten Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von über 23 in­zwi­schen al­ler­dings deut­lich hö­her be­wer­tet als der Ge­samt­markt, der es auf ein KGV von 14 bringt.

Ein Kun­de macht ei­ne Sitz­pro­be auf ei­ner Roy­al En­field Thun­der­bird 500 von Ei­cher Mo­tors.

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