Bank­ge­heim­nis

Finanz und Wirtschaft - - LESERBRIEFE/GESUNDHEIT - MAR­TIN KEL­LER, PE­TER BLAUNER, OT­TO WEI­ERS­MÜL­LER,

Das ak­tu­el­le The­ma: Das Bank­ge­heim­nis steht vor dem Aus. Bank­ge­heim­nis ist für vie­le (un­wis­sen­de) Leu­te gleich­ge­setzt mit Steu­er­be­trug, Schutz Kri­mi­nel­ler vor dem Zu­griff des Staa­tes und noch viel Schlim­me­rem. Die Me­di­en füh­ren uns je­den Tag vor Au­gen, was denn die Ban­ker al­les für schlim­me Ty­pen sind, die ih­ren Kun­den bei Steu­er­de­lik­ten hel­fen. Die Po­li­ti­ker in Bern bla­sen ins glei­che Horn. Noch vor we­ni­ger als fünf Jah­ren war das Bank­ge­heim­nis nicht ver­han­del­bar für den Bun­des­rat. Es gab noch Volks­ver­tre­ter mit Weit­sicht, die ver­stan­den, dass der Schutz der Pri­vat­sphä­re mit der Frei­heit gleich­zu­set­zen ist. Um den Bank­kun­den den Schutz ih­res Ei­gen­tums zu si­chern.

Das Par­la­ment wähl­te ei­ne aus mei­ner Sicht sehr op­por­tu­nis­ti­sche Bun­des­rä­tin, die nun da­mit be­schäf­tigt ist, den ein­fachs­ten und viel­leicht fa­tals­ten Weg zu be­schrei­ten, den je ein Bun­des­rat be­schrit­ten hat: den Knie­fall vor ei­ner frem­den Macht und de­ren Ge­setz­ge­bung! Sie gibt be­reit­wil­lig die Sou­ve­rä­ni­tät der Schweiz auf, oh­ne Ein­ge­ständ­nis­se der USA zu er­hal­ten oder ein­zu­for­dern. Die mög­li­che wei­te­re Ent­wick­lung: au­to­ma­ti­scher In­for­ma­ti­ons­aus­tausch wo im­mer ge­wünscht, Zah­lun­gen an wei­te­re Län­der zwecks Fi­nan­zie­rung ih­rer ver­fehl­ten Haus­halts­po­li­tik und Auf­ga­be des Bank­ge­heim­nis­ses im In­land… Der EU-Bei­tritt! Das Bank­ge­heim­nis, auf wel­ches sich die Ban­ken be­ru­fen und für sich aus­le­gen, stammt aus dem Jah­re 1934 und ver­steht sich im Grun­de der Din­ge als Wort­laut zum Ban­ken­ge­setz zum Schutz der Pri­vat­sphä­re der Bank­kun­den­be­zie­hung. Aus dem Bun­des­ge­setz über die Ban­ken und Spar­kas­sen Art. 47, Abs. 1. Bst b: «…zu ei­ner sol­chen Ver­let­zung des Be­rufs­ge­heim­nis­ses…». Hin­zu kommt der ge­schicht­li­che Hin­ter­grund der Er­eig­nis­se um re­spek­ti­ve ab 1933. Für mich ist es un­ver­ständ­lich, dass die ver­ant­wort­li­chen Po­li­ti­ker nicht rea­li­sie­ren wol­len, dass das krampf­haf­te Un­ter­stüt­zen an dem von den Ban­ken letzt­lich für sich de­fi­nier­ten Be­griff Bank­ge­heim­nis nur noch Scha­den bringt und ge­samt­hin die Schweiz gar zu rui­nie­ren droht. Ge­wiss, Letz­te­res ex­tra et­was über­spitzt for­mu­liert.

Eben­falls ist un­ver­ständ­lich, dass sich das Volk im­mer noch mit Wor­ten von ge­wis­sen Schich­ten ein­lul­len und ver­ne­beln lässt, wie die­ses Ge­heim­nis so heu­te noch et­was bräch­te. Wenn die Steu­er­ehr­lich­keit die­ser Schich­ten tat­säch­lich so gross ist re­spek­ti­ve wä­re, wie sie stets ver­kün­det, hät­ten sie m. E. nichts da­ge­gen, dass ana­log dem Lohn­aus­weis jähr­lich ein­fach zwei Be­trä­ge di­rekt von den Ban­ken an die Steu­er­ver­an­la­gungs­be­hör­den ge­mel­det wür­den: Ver­mö­gen und der Er­trag aus Zin­sen und Di­vi­den­den.

Die Un­ter­schei­dung in Steu­er­hin­ter­zie­hung und in Steu­er­be­trug ge­hört in ei­nen fass­ba­ren Be­griff ge­fasst. Kurz: Es wä­re wohl­weis­lich ei­ne er­heb­lich not­wen­di­ge Re­pu­ta­ti­on für die Schweiz, ein neu­es und zeit­ge­mäs­ses Bank­kun­den­ge­heim­nis zu schaf­fen. Vor gut zehn Jah­ren er­press­ten jü­di­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen der USA 1,25 Mrd. von un­se­ren Gross­ban­ken. 2007 be­scher­ten uns die USA die Fi­nanz­kri­se, 2008 mach­ten die Ban­ken Leh­man Bro­thers und Mad­off Kon­kurs, für die schwei­ze­ri­schen An­le­ger re­sul­tier­ten Mil­li­ar­den­ver­lus­te: Ein be­schei­de­ne­res Auf­tre­ten der US-Jus­tiz im Steu­er­streit wä­re an­ge­mes­sen. Aber: 2009 zahl­te die UBS den Ame­ri­ka­nern fast 800 Mio. und glaub­te, der Steu­er­streit sei da­mit er­le­digt. Die USA ho­len je­doch zu ei­nem neu­en Schlag aus, na­tür­lich nicht ge­gen ih­re ei­ge­nen Steu­er­oa­sen. Bei un­se­rer schwa­chen Re­gie­rung und ei­ner Lin­ken, die bei ei­nem An­griff auf die Schweiz aus ideo­lo­gi­schen Grün­den ein­mal mehr die Po­si­ti­on des An­grei­fers ver­tritt, ist das nicht wei­ter ver­wun­der­lich.

Die Schweiz je­doch soll sich nun – un­ter Miss­ach­tung ih­rer Ge­set­ze – ei­nem US-Dik­tat beu­gen, von dem die Par­la­men­ta­ri­er zur­zeit nicht ein­mal den ge­nau­en In­halt ken­nen. Si­cher ist, dass die­ses Dik­tat die be­din­gungs­lo­se Ka­pi­tu­la­ti­on be­deu­tet, ad in­fi­ni­tum den Grund­stein für im­mer wei­te­re Bus­sen legt und letzt­lich zur Be­deu­tungs­lo­sig­keit des Fi­nanz­plat­zes Schweiz füh­ren wür­de. Zu­dem wä­re es ei­ne Auf­for­de­rung für die EU-Län­der, in ähn­li­cher Wei­se ein­sei­tig ge­gen die Schweiz vor­zu­ge­hen. Die Gross­ban­ken soll­ten sich da­her über­le­gen, aus dem US-Ge­schäft aus­zu­stei­gen. Even­tu­el­le Ge­win­ne wür­den oh­ne­hin in Form von Bus­sen in die ame­ri­ka­ni­sche Staats­kas­se flies­sen. Fer­ner müss­te un­se­re Lan­des­re­gie­rung als Re­ak­ti­on un­se­re Mit­glied­schaft in den in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen hin­ter­fra­gen. Die­se wer­den oh­ne­hin von den USA so­wie der EU be­herrscht und mit­un­ter für An­grif­fe auf un­ser Land in­stru­men­ta­li­siert.

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