Sta­bi­les ge­rät ins Schwan­ken

SCHWEIZ De­fen­si­ve Ti­tel zei­gen stär­ke­re Kurs­schwan­kun­gen – In der Kon­so­li­die­rung emp­feh­len sich Ak­ti­en mit nied­ri­gem Be­ta

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - ANDRE­AS KÄ­LIN

Es sind ver­rück­te Zei­ten: Der Ro­cheGe­nuss­schein schoss in die­sem Jahr in der Haus­se­pha­se bis zum 22. Mai um über 40% hoch, be­vor er in der an­schlies­sen­den Bör­sen­kor­rek­tur über­durch­schnitt­lich stark um rund 10% ge­fal­len ist – und das, ob­wohl der Phar­ma­ti­tel ge­mein­hin zu den de­fen­si­ven, sta­bi­len Wer­ten ge­zählt wird.

Über die ver­gan­ge­nen drei Jah­re be­rech­net weist er ein Be­ta von 0,93 auf. Das heisst, er hat we­ni­ger stark ge­schwankt als der Markt. Wird das Be­ta al­ler­dings nur über ein Jahr hin­weg be­rech­net, zeigt sich Er­staun­li­ches: Der Ge­nuss­schein hat über die­sen Zei­t­raum ein Be­ta von 1,06 und hat Markt­schwan­kun­gen über­durch­schnitt­lich stark mit­ge­macht.

Ein neu­es Phä­no­men

Da­hin­ter steckt ein Phä­no­men: In der jüngs­ten Hausse ha­ben auch de­fen­si­ve Ti­tel mit ei­nem tie­fen Be­ta den Markt out­per­formt, vor­an die Phar­ma­va­lo­ren, weil An­le­ger auf der Su­che nach Ren­di­te in ei­nem un­sta­bi­len Um­feld auf re­la­tiv si­che­re Di­vi­den­den­pa­pie­re set­zen – als Sub­sti­tut für An­lei­hen, die der­zeit sehr nied­rig ver­zinst wer­den. In die­sem Zu­sam­men­hang ist er­wäh­nens­wert, dass Ro­che heu­er zum 26. Mal in Fol­ge die Di­vi­den­de er­höht hat.

Dass die Ti­tel von Ro­che wie No­var­tis in der Kor­rek­tur­pha­se seit Mai be­son­ders stark nach­ge­ge­ben ha­ben, wird sich mit der An­le­ger­psy­cho­lo­gie er­klä­ren las­sen: Am ein­fachs­ten trennt man sich von Ti­teln, die im De­pot be­son­ders gut ge­lau­fen sind – auch wenn das in der Re­gel nicht das ver­nünf­tigs­te Ver­hal­ten dar­stellt.

Das Phä­no­men mit den schwan­ken­den De­fen­si­ven ist ein Zei­chen für Über­trei­bun­gen. Den­noch sind die Re­geln in

Die Ge­win­ner in der Hausse Be­zug auf das Be­ta nicht aus­ser Kraft: Fi­nanz­wer­te wie UBS und die noch vo­la­ti­le­ren Cre­dit-Suis­se-Ak­ti­en ha­ben ein Be­ta von klar über 1. Das gilt auch für Zy­kli­ker, vor al­lem die Va­lo­ren der Uh­ren­her­stel­ler Ri­che­mont und Swatch Group fal­len mit gros­sen Auf- und Ab­wärts­be­we­gun­gen auf. Ei­ne spe­zi­el­le Po­si­ti­on un­ter den In­dus­trie­un­ter­neh­men nimmt der Lift- und Fahr­trep­pen­her­stel­ler Schind­ler ein: Die Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­ne ha­ben tra­di­tio­nell

Die Ver­lie­rer in der Kor­rek­tur­pha­se ein Be­ta von un­ter 1. Ih­re de­fen­si­ven Qua­li­tä­ten er­klä­ren sich mit dem ho­hen An­teil des sta­bi­len Ser­vice­ge­schäfts. Ei­ne noch ge­rin­ge­re Vo­la­ti­li­tät, ein noch tie­fe­res Be­ta wei­sen die Ak­ti­en von Im­mo­bi­li­en­fir­men wie Swiss Pri­me Site oder von Nah­rungs­mit­tel­her­stel­lern wie Bar­ry Cal­le­baut auf.

Der Nut­zen des ho­hen Be­ta

Wie kann der An­le­ger das Wis­sen über das Be­ta nut­zen? Grund­sätz­lich emp­fiehlt es sich, in Kor­rek­tur­pha­sen wie ak­tu­ell und in Seit­wärts­be­we­gun­gen ver­stärkt in Ak­ti­en mit ei­nem nied­ri­gen Be­ta, mit ge­rin­ge­ren Kurs­schwan­kun­gen in­ves­tiert zu sein.

Die An­le­ger kön­nen an­de­rer­seits Ak­ti­en mit ei­nem ho­hen Be­ta zu Ab­si­che­rungs­zwe­cken ein­set­zen, wie der Fonds AMG Sub­stanz­wer­te Schweiz es tut. Um sich ge­gen Markt­ein­brü­che ab­zu­si­chern, kann er Short-Po­si­tio­nen ein­ge­hen und Ak­ti­en leer ver­kau­fen. Fonds­be­treu­er Er­hard Lee nutzt für Leer­ver­käu­fe ger­ne die Ak­ti­en des Zeit­ar­beits­ver­mitt­lers Adec­co, die in Kor­rek­tur­pha­sen in der Re­gel stär­ker fal­len als der Markt. Be­son­ders gut zum Ab­si­chern eig­ne­ten sich Va­lo­ren, die über­spitzt for­mu­liert «in Auf­wärts­be­we­gun­gen ein Be­ta von 1 und nach un­ten ei­nes von 2» hät­ten, so Lee. Da­zu zäh­len für ihn die Ti­tel der Cre­dit Suis­se und der UBS, die über die Zy­klen hin­weg schlecht ab­schnei­den. An­stel­le von Leer­ver­käu­fen kön­nen Pri­vat­an­le­ger Short-Mi­ni-Fu­tures auf Ein­zel­ti­tel zum Ab­si­chern er­wer­ben.

Das Haupt­ge­bäu­de der Cre­dit Suis­se am Pa­ra­de­platz in Zü­rich gau­kelt ei­ne Sta­bi­li­tät, die den Ak­ti­en der Gross­ban­ken ab­geht.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.