Ge­schmack ist lo­kal

Der Es­senstra­di­ti­on an­ge­pass­tes Produktportfolio ver­heisst Er­folg

Finanz und Wirtschaft - - SERIE: SCHWEIZER UNTERNEHMEN IN CHINA - ET

Pro Tag ver­kauft Nest­lé in Chi­na 40 Mio. Pro­duk­te. 2012 be­trug der Um­satz be­reits 5,1 Mrd. Fr. Die­se stol­ze Zahl wird von der Be­völ­ke­rungs­grös­se des Lan­des re­la­ti­viert: Pro Kopf sind das nur 4 Fr. pro Jahr.

Der Markt für ver­pack­te Le­bens­mit­tel und Fer­tig­ge­rich­te ist erst im An­fangs­sta­di­um. Nest­lé hat­te 1908 in Schang­hai das ers­te Ver­kaufs­bü­ro er­öff­net – heu­te hat sie mehr als 50 000 Mit­ar­bei­ter, 33 Fa­b­ri­ken und vier For­schungs­zen­tren in Chi­na. 40% des glo­ba­len Um­sat­zes stamm­ten 2012 aus Schwel­len­län­dern, bis 2020 sol­len es 50% sein. Chi­na ist der wich­tigs­te Wachs­tums­markt des Kon­zerns.

Vo­gel­nest

Da­bei setzt Nest­lé nicht nur auf ei­ge­ne Mar­ken, die in Chi­na un­ter dem Na­men Que Chao – Bird’s Nest – ver­trie­ben wer­den. Die­se ma­chen bloss ein Drit­tel des Ge­schäfts aus, zwei Drit­tel sind chi­ne­si­sche Mar­ken. Mit den Bouil­lon­fa­bri­ken To­to­le und Hao­ji so­wie dem Mi­ne­ral­was­ser Das­han hat Nest­lé lang­jäh­ri­ge Part­ner­schaf­ten. 2011 ka­men Yin­lu mit Con­gee (ei­ne Art Reis­brei) und Erd­nuss­milch so­wie der Süss­wa­ren­her­stel­ler Hsu Fu Chi da­zu. 2012 wur­de die Ak­qui­si­ti­on von Wy­eth Nu­tri­ti­on ab­ge­schlos­sen. Die fünf chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men sind al­le zu 60 bis 80% im Be­sitz von Nest­lé.

Mehr­wert will Nest­lé in Chi­na nicht nur für die Ak­tio­nä­re schaf­fen, son­dern auch für die lo­ka­le Be­völ­ke­rung. In der neu­en Kaf­fee­plan­ta­ge in Pu’er in Yunn­an wird nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft be­trie­ben, was den lo­ka­len Bau­ern zu­gu­te­kommt, und in Form gu­ter Roh­pro­duk­te auch Nest­lé. Chi­na­weit sind mehr als 19 000 Bau­ern in das «Kaf­fee-Pro­gramm» ein­ge­bun­den, 20 000 Land­wir­te lie­fern Nest­lé fri­sche Milch. Ins­ge­samt pro­fi­tie­ren mehr als 200 000 Men­schen di­rekt und in­di­rekt von der Milch­pro­duk­ti­on für Nest­lé. Der Le­bens­mit­tel­kon­zern stellt 95% al­ler in Chi­na ver­kauf­ten Pro­duk­te im Land selbst her.

Gibt es da nicht Pro­ble­me mit der Le­bens­mit­tel­si­cher­heit? Roland Decorvet, Chi­na-Chef von Nest­lé, er­klärt: «Die Si­cher­heits­vor­schrif­ten für Le­bens­mit­tel sind in Chi­na oft strik­ter als in der Schweiz – das ist kaum be­kannt. Wie die­se Vor­schrif­ten um­ge­setzt wer­den, ist ein an­de- UBS Mey­er Bur­ger Ro­che Syn­gen­ta Schind­ler res The­ma. Aber ein Un­ter­neh­men wie Nest­lé muss sich na­tür­lich ge­nau an die Vor­schrif­ten hal­ten.»

Nest­lé hat in Chi­na Kon­troll­ein­rich­tun­gen, die es in der Schweiz nicht gibt. Ei­ni­ge Milch­pro­duk­te durch­lau­fen in Chi­na auf dem Weg vom Bau­ern­hof zum Su­per­markt mehr als 200 Qua­li­täts­kon­trol­len. «In un­se­ren Fa­b­ri­ken für Milch­pro­duk­te ar­bei­ten mehr als 100 Leu­te nur in der Qua­li­täts­kon­trol­le», sagt Decorvet. Des­halb sei­en man­che Pro­duk­te in Chi­na trotz der nied­ri­ge­ren Lohn­kos­ten gar nicht viel güns­ti­ger als in Eu­ro­pa.

Ein­zig­ar­ti­ges Mo­dell

Der Zu­kunft in Chi­na sieht Decorvet selbst­be­wusst ent­ge­gen: «Wir sind zur­zeit sehr gut auf­ge­stellt, und un­ser enorm brei­tes Produktportfolio wird wei­ter wach­sen. Wir ver­fü­gen über ein ein­zig­ar­ti­ges Ge­schäfts­mo­dell. Wir sind chi­ne­sisch auf­ge­stellt, um mit dem chi­ne­si­schen Markt zu wach­sen.»

«Ge­schmack ist et­was Lo­ka­les», führt Decorvet aus. Zu vie­le Schwei­zer Un­ter­neh­men ver­kauf­ten das, was sie ken­nen. Für ei­nen Uh­ren­her­stel­ler sei das sinn­voll, denn er ver­kau­fe die Schweiz. Im schnell­le­bi­gen Kon­sum­gü­ter­sek­tor müs­se ein Un­ter­neh­men je­doch von den Chi­ne­sen ler­nen. Auch wenn sich über Ge­schmack strei­ten lässt, in Chi­na hat der grösste Le­bens­mit­tel­her­stel­ler der Welt noch viel Raum zum Wach­sen.

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