«Abe­no­mics ist mehr als nur Geld­po­li­tik»

DI­DIER SAINT-GE­OR­GES Der An­la­ge­stra­te­ge von Car­mignac Ges­ti­on zur Bör­sen­la­ge und zu Ja­pan

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROH­NER

Die Zeit sei reif für den Kauf von Ak­ti­en, pro­kla­mier­te Edouard Car­mignac in ei­nem Interview mit der «Fi­nanz und Wirt­schaft» im No­vem­ber. Der Grün­der des Pa­ri­ser In­vest­ment­hau­ses Car­mignac Ges­ti­on lag da­mit rich­tig: Seit­her ha­ben die Ak­ti­en­kur­se ge­mes­sen am Welt­in­dex 15% ge­won­nen. Ob­schon die Bör­sen nun nicht mehr gleich güns­tig be­wer­tet sind, setzt Car­mignac im­mer noch voll auf Ak­ti­en. «Der Ak­ti­en­an­teil in un­se­ren Fonds ist na­he am Ma­xi­mum», er­klärt Di­dier Saint-Ge­or­ges, Mit­glied des In­vest­ment­ko­mi­tees.

Die volks­wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in den USA sei ide­al für Ak­ti­en­in­ves­to­ren. Es ha­be sich ge­zeigt, dass die Wirt­schaft in der La­ge sei, den Schock der au­to­ma­ti­schen Spar­mass­nah­men zu ab­sor­bie­ren. Die Un­ter­neh­men agier­ten aber noch vor­sich­tig, in­ves­tier­ten we­nig und stell­ten kaum Leu­te ein. Des­halb sei­en die Ge­winn­mar­gen so hoch. «Für Ar­beit­su­chen­de sind es kei­ne gu­ten Zei­ten, für Ak­ti­en­in­ves­to­ren je­doch schon», fasst Sain­tGe­or­ges zu­sam­men. Und weil die Un­ter­neh­men mit Neu­ein­stel­lun­gen so zag­haft sei­en, müs­se auch kei­ne nen­nens­wer­te Än­de­rung der Geld­po­li­tik in die­sem Jahr be­fürch­tet wer­den. «Dem US-Ar­beits­markt geht es oh­ne­hin schlech­ter, als es die Ar­beits­lo­sen­quo­te sug­ge­riert.» Vie­le hät­ten die Ar­beits­su­che auf­ge­ge­ben und fie­len aus der Statistik her­aus. Das zei­ge die rück­läu­fi­ge Par­ti­zi­pa­ti­ons­ra­te.

In die­ser frü­hen Pha­se des Kon­junk­tur­zy­klus oh­ne Preis- und Lohn­druck in­ves­tie­re man bes­ser in Ak­ti­en als in An­lei­hen. «Die Ge­win­ner sind die Un­ter­neh­men mit Preis­set­zungs­macht, zum Bei­spiel aus dem Ge­sund­heits- und dem Nah­rungs­mit­tel­sek­tor. Die In­put­kos­ten Roh­stof­fe, Ener­gie und Löh­ne sind nied­rig und die Mar­gen sehr hoch. Auf der an­de­ren Sei­te des Spek­trums ste­hen die Roh­stoff­ak­ti­en.»

En­de 2012 be­gann Car­mignac, ja­pa­ni­sche Ak­ti­en zu kau­fen, und ist jetzt über­ge­wich­tet. «Abe­no­mics ist mehr als nur die Aus­wei­tung der Geld­men­ge durch An­lei­hen­käu­fe. Es ist ein voll­um­fäng­li­ches Wirt­schafts­pro­gramm», ist Saint-Ge­or­ges über­zeugt. To­yo­ta et­wa ha­be an­ge­kün­digt, die Bo­ni zu er­hö­hen, um die Po­li­tik von Pre­mier Shin­zo Abe zu un­ter­stüt­zen und die Vor­tei­le der Yenschwä­che mit den Mit­ar­bei­tern zu tei­len. «Da­mit sich das Kon­sum­ver­hal­ten än­dert und Abe­no­mics

Für Ar­beit­su­chen­de sind es kei­ne gu­ten Zei­ten, für Ak­ti­en­in­ves­to­ren schon.

funk­tio­niert, müs­sen aber auch die Fixlöh­ne stei­gen. Des­halb muss der Yen wei­ter schwach blei­ben.» Der Kampf ge­gen die De­fla­ti­on er­for­de­re Ge­duld: «Preis­er­war­tun­gen zu än­dern, geht nicht über Nacht. Die Mass­nah­men müs­sen ra­di­kal sein. Und das wer­den sie sein.» Die gros­se Her­aus­for­de­rung sei, die In­fla­ti­ons­er­war­tung zu er­hö­hen, oh­ne ei­ne An­lei­hen­kri­se aus­zu­lö­sen. «Die No­ten­bank muss al­le über­zeu­gen, dass sie den Bond­markt sta­bil hal­ten kann.» No­ten­bank­chef Ku­ro­da kön­ne in der Kom­mu­ni­ka­ti­on von Draghi und Bernan­ke ler­nen.

Zur Um­set­zung bie­ten sich laut Sain­tGe­or­ges nicht nur die Ti­tel der Ex­port­un­ter­neh­men. «Wir in­ves­tie­ren auch in Kon­sum­wer­te, wie et­wa die von Ein­zel­händ­lern.» Auch Ak­ti­en von Fi­nanz­in­sti­tu­ten, die von der Wert­stei­ge­rung der ja­pa­ni­schen Ver­mö­gens­wer­te pro­fi­tier­ten, sei­en in­ter­es­sant. «Selbst­ver­ständ­lich si­chern wir das Wäh­rungs­ri­si­ko ab.»

«Es gibt kaum Preis- und Lohn­druck.»

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