Kei­ne Trend­wen­de im SMI – war­um?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Am Mon­tag schrieb die NZZ über das «omi­nö­se Hin­den­burg-Omen». Die Kor­rek­tur von rund 9% und das Hin­den­burg-Omen mö­gen ver­un­si­chern. Doch ver­un­si­chert müs­sen wir stets sein, weil es an der Bör­se mehr Un­ge­wiss­heit als Ri­si­ko gibt. Die Ein­tre­tens­wahr­schein­lich­keit von Ri­si­ko ist be­re­chen­bar, Un­ge­wiss­heit un­fass­bar. Sie wird gar nicht als Ge­fahr er­kannt, oder es gibt kei­ne Grund­la­ge zur Er­mitt­lung, wann, wie und ob über­haupt ei­ne er­kenn­ba­re Ge­fahr ein­tritt. Der Um­gang mit Un­ge­wiss­heit ist ein­fach: Der To­tal­ver­lust ei­ner An­la­ge­klas­se darf nicht zum ma­te­ri­el­len Un­ter­gang der an­le­gen­den Per­son füh­ren.

Das Hin­den­burg-Omen wird gut er­klärt: «Rein sta­tis­tisch kommt es nach ei­nem gül­ti­gen Omen mit ei­ner Wahr­schein­lich­keit von 24% zu Kurs­ver­lus­ten von mehr als 15% vom Hoch. Mit ei­ner Wahr­schein­lich­keit von 36% tritt ein Pa­nik­ver­kauf ein mit Ver­lus­ten von mehr als 10%, und mit ei­ner Wahr­schein­lich­keit von 76% kommt es zu ei­nem Kurs­rück­gang von 5%.» Wenn ein In­di­ka­tor, der Ver­lus­te von 5 bis 24% vor­aus­sagt, nütz­lich sein soll, braucht es ei­nen eben­so zu­ver­läs­si­gen In­di­ka­tor für den Wie­der­ein­stieg. Es ist re­le­vant, ob er nach –5% oder –24% an­ge­sagt ist.

Das Aus­mass von Trends ist so gross, dass Kor­rek­tu­ren ru­hig igno­riert wer­den sol­len, weil man beim Ver­such, ih­nen aus­zu­wei­chen, zu ho­he Op­por­tu­ni­täts­ver­lus­te in Kauf neh­men muss. Die Pro­be aufs Ex­em­pel: Die Kolumne vom 17. Au­gust 2011 stand un­ter dem Ti­tel «Po­si­ti­ve Con­tra­ri­an-Si­gna­le im SPI». Seit­her hat er in­klu­si­ve Di­vi­den­den bis zum Frei­tag 58% zu­ge­legt, der SMI oh­ne Di­vi­den­de ist 53% ge­stie­gen. Bei­de blie­ben nicht oh­ne Rück­schlä­ge. So kam es et­wa von Mit­te März bis zur ers­ten Ju­ni­wo­che 2012 zu Rück­schlä­gen von 8,9 resp. 6%. Wem es ge­lun­gen sein soll­te, die­se Rück­schlä­ge per­fekt ab­zu­si­chern und die Ab­si­che­run­gen auf­zu­lö­sen, dem war ein­fach das Glück hold.

Mei­ne Emp­feh­lung: in Con­tra­ri­anSi­tua­tio­nen ein- und erst wie­der in Con­tra­ri­an-Si­tua­tio­nen aus­stei­gen. Sol­che tre­ten nach star­ken Be­schleu­ni­gun­gen al­ter Trends auf, nach mehr­mo­na­ti­gem Auf-der-Stel­le-Tre­ten der In­di­zes samt im­mer stär­ker schrump­fen­der Markt­brei­te oder bei­dem. Zwar trifft man sel­ten Tiefst- und Höchst­punk­te, aber man nimmt am gröss­ten Teil des Trends teil.

Die Gr­und­an­nah­me für fast al­les in un­se­rem Le­ben muss ei­ne Evo­lu­ti­on der Ver­gan­gen­heit in die Zu­kunft bis zum Auf­tritt re­vo­lu­tio­nä­rer Er­schei­nun­gen sein, und ge­nau das sind Trend­wen­den: Brenn­punk­te, die wie ei­ne Re­vo­lu­ti­on al­te An­nah­men weg­fe­gen. Wohl­be­fin­den und An­la­ge­er­geb­nis wer­den ge­stei­gert im Ver­gleich zum hoff­nungs­lo­sen Ver­such, Kor­rek­tu­ren zu mei­den, wenn man be­reit ist, mit der Ge­las­sen­heit und dem Ver­trau­en in Trends zu ope­rie­ren. We­der SMI noch SPI und an­de­re gros­se In­di­zes ste­hen vor ei­ner Trend­wen­de. All­fäl­li­ge Kor­rek­tu­ren von die­sem Ni­veau aus än­dern an die­ser Per­spek­ti­ve nichts. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.