Hart­nä­cki­ger Zins­an­stieg

ÜBER­SICHT Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ries über 2,2% – Eu­ro­pas Bör­sen schwach

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - PE­TER ROH­NER UND ALEXANDER TRENTIN

Die Märk­te sind süch­tig nach Li­qui­di­tät und Sti­mu­li. Die glei­che Do­sis reicht nicht, es muss im­mer mehr sein. Da­mit ist teil­wei­se zu er­klä­ren, dass am Di­ens­tag die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes zwi­schen 1% und 2% ver­lo­ren, nach­dem die Bank of Ja­pan kei­ne Än­de­rung in der Geld­po­li­tik an­ge­kün­digt hat­te. Erst im April hat­te No­ten­bank­chef Ha­r­u­hi­ko Ku­ro­da die Ba­zoo­ka her­vor­ge­holt: Da­zu ge­hör­te die Um­stel­lung von ei­nem Zins- zu ei­nem Geld­men­gen­ziel und die Aus­wei­tung der Geld­men­ge um jähr­lich über 700 Mrd. $ über den Auf­kauf von Staats­an­lei­hen.

An­schei­nend war das nicht ge­nug, und die Markt­teil­neh­mer ha­ben wei­te­re Mass­nah­men zur Be­kämp­fung der Schwan­kung auf dem Bond­markt er­war­tet. Der Nik­kei 225 (+3,4% seit Frei­tag) gab nach dem Kurs­sprung vom Mon­tag rund 1,5% ab. Der Yen wur­de stär­ker. Zum Dol­lar no­tier­te er am Di­ens­tag­nach­mit­tag un­ter 97 Yen/$. Der Eu­ro kos­te­te am Di­ens­tag 1.326 $ (+0,4%). Der Fran­ken wer­te­te sich auf 1.2313 Fr./€ auf. Die Schwä­che der Schwel­len­län­der­wäh­run­gen hält an. Die in­di­sche Ru­pie (58.395 Ru­pi­en/$) war noch nie so we­nig wert. Die schlech­ten Vor­ga­ben aus Asi­en setz­ten zu­sam­men den stei­gen­den An­lei­hen­ren­di­ten Eu­ro­pas Bör­se un­ter Druck. Der SMI (1,64%) ver­lor am Di­ens­tag 1,7%, der Dax (–0,4%) gab 1,1% nach.

Po­si­ti­ve Re­al­ren­di­ten

Wäh­rend wie ver­gan­ge­ne Wo­che vie­le Markt­teil­neh­mer von ei­ner Über­re­ak­ti­on der An­lei­hen­märk­te re­den, geht der Ausverkauf bei Staats­an­lei­hen wei­ter, und die Ren­di­ten zei­gen steil nach oben. Zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ries ha­ben am Di­ens­tag mit 2,24% das

Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen höchs­te Ren­di­teni­veau seit An­fang April 2011 er­reicht. An­fang Mai ren­tier­ten sie noch 1,6%. Grund für den An­stieg sind die hö­he­ren rea­len Ren­di­ten und nicht die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen. Ge­mes­sen an zehn­jäh­ri­gen in­fla­ti­ons­ge­schütz­ten US-An­lei­hen (Tips) lie­gen die Re­al­ren­di­ten nun bei 0,13%, 89 Ba­sis­punk­te (Bp) über dem Ni­veau von An­fang Mai und zum ers­ten mal seit De­zem­ber 2011 über null. Am Di­ens­tag muss­te auch Deutsch­land bei ei­ner Auk­ti­on zehn­jäh­ri­ger in­fla­ti­ons­ge­schütz­ter Staats­an­lei­hen ei­ne po­si­ti­ve Re­al­ren­di­te bie­ten – zum ers­ten Mal seit Au­gust 2011. Ei­ne hö­he­re Re­al­ren­di­te – in der Theo­rie der Markt­preis für Ka­pi­tal – soll­te ein stär­ke­res Wirt­schafts­wachs­tum an­zei­gen.

Für An­le­ger in Un­ter­neh­mens­und Schwel­len­län­der­an­lei­hen ist die jet­zi­ge Markt­la­ge dop­pelt hart, denn auch die Ren­di­te­dif­fe­ren­zen zu den US-Staats­an­lei­hen ge­hen aus­ein­an­der. Der Spre­ad für spe­ku­la­ti­ve US-Un­ter­neh­men lag am Don­ners­tag laut Bar­clays High Yield In­dex bei 4,64% – 62 Bp über dem Stand von An­fang Mai. Wie viel schein­bar si­che­re An­lei­hen ein­ge­büsst ha­ben, zeigt der von App­le am 3. Mai auf­ge­leg­te dreis­sig­jäh­ri­ge Bond, er kos­tet nun über 10% we­ni­ger als bei Aus­ga­be. Der Spre­ad zu Staats­an­lei­hen ist um 13 Bp ge­stie­gen.

Die Fol­ge der hö­he­ren Zin­sen ist, dass Ak­ti­en re­la­tiv be­trach­tet we­ni­ger at­trak­tiv sind. Der S&P 500 bie­tet ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te von 2,02%. Wer nur auf das re­gel­mäs­si­ge Ein­kom­men ach­tet, fährt mit lang­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen der­zeit bes­ser.

Frank­reich über­rascht

Volks­wirt­schaft­li­che Da­ten wur­den nur we­ni­ge pu­bli­ziert. Er­freu­lich wa­ren die In­dus­trie­pro­duk­ti­ons­da­ten aus Frank­reich mit ei­nem An­stieg von 2,2% im Mo­nats­ver­gleich. We­ni­ger er­bau­lich ist da­ge­gen die Ent­wick­lung in Ita­li­en: Im Mo­nats­ver­gleich ging die In­dus­trie­pro­duk­ti­on 0,3% zu­rück.

Die neus­ten Da­ten zur In­dus­trie­pro­duk­ti­on in Grossbritannien wa­ren eben­falls er­nüch­ternd. Im April ist der Out­put er­war­tungs­ge­mäss 0,2% zu­rück­ge­gan­gen. Da aber die vor­aus­schau­en­den Um­fra­gen wie die Ein­kaufs­ma­na­gerum­fra­ge auf ei­ne Er­ho­lung der bri­ti­schen In­dus­trie hin­deu­ten, ist für Mai und Ju­ni mit ei­nem po­si­ti­ven Er­geb­nis zu rech­nen.

Die Er­ho­lung auf dem Häu­ser­markt hält dank der staat­li­chen Sti­mu­lie­rung an: Ge­mäss der RICSUm­fra­ge wur­den in Grossbritannien im ver­gan­ge­nen Quar­tal so vie­le Häu­ser ver­kauft wie seit drei­und­halb Jah­ren nicht mehr.

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