Die Stim­mung schlägt um

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CA­THE­RI­NE REICHLIN,

Ob­wohl sich der An­lei­hen­markt nach dem Ein­bruch im Mai nun sta­bi­li­siert, sind die Aus­wir­kun­gen der Kor­rek­tur noch im­mer zu spü­ren. An­fang Ju­ni wa­ren Mit­tel­ab­flüs­se in Re­kord­hö­he aus An­lei­hen­fonds und an­de­ren ETF zu ver­zeich­nen. Der To­tal Re­turn Fund von Pim­co, der grösste An­lei­hen­fonds welt­weit, hat­te erst­mals seit 2011 Net­to­ab­flüs­se. Zu­dem gab es ge­mäss Lip­per in der ers­ten Ju­ni­wo­che die zweit­gröss­ten Ka­pi­tal­ab­flüs­se aus USAn­lei­hen­fonds seit mehr als zwan­zig Jah­ren.

Dis­kus­sio­nen über ei­ne mög­li­che Dros­se­lung der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung durch die US-No­ten­bank (Fed), al­so ei­ne Ab­schöp­fung von Li­qui­di­tät, ha­ben die An­le­ger dar­an er­in­nert, dass auch An­lei­hen nicht oh­ne Ri­si­ken sind. Die am stärks­ten von der Kor­rek­tur be­trof­fe­nen Seg­men­te sind die­je­ni­gen, die vom Dol­lar ab­hän­gen und recht vo­la­til sind, wie et­wa An­lei­hen aus Schwel­len­län­dern. Die Lo­kal­wäh­rungs­ren­di­ten set­zen ih­re Ab­wärts­be­we­gung seit An­fang Ju­ni fort. Be­las­tet wer­den sie un­ter an­de­rem da­durch, dass S&P den Aus­blick für Bra­si­li­en auf ne­ga­tiv ge­senkt hat. Im Hoch­zins­seg­ment ging die Kor­rek­tur mit ge­rin­gen Vo­lu­men ein­her, und das Um­feld ver­spricht ei­nen vo­la­ti­len Som­mer. Ein vor­sich­ti­ges Ri­si­ko­ma­nage­ment durch brei­te Streu­ung ist wich­ti­ger denn je. Die Span­nun­gen am US-Hoch­zins­markt grif­fen auch auf Eu­ro­pa über, wo je­doch die Aus­sich­ten mit­tel­fris­tig bes­ser er­schei­nen. Dies liegt nicht zu­letzt dar­an, dass die Zin­sen in Eu­ro­pa we­ni­ger schnell stei­gen dürf­ten als in den USA. Das Fed hat als ers­te Zen­tral­bank ei­ne mög­li­che Dros­se­lung der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik an­ge­deu­tet. Ja­pan ist da­von noch weit ent­fernt. Die An­lei­hen­be­stän­de der Bank of Ja­pan ha­ben erst­mals ein Vo­lu­men von 100 Bio. Yen über­schrit­ten. In Eu­ro­pa sind die Fun­da­men­tal­da­ten noch zu schwach, als dass die geld­po­li­ti­schen Zü­gel ge­strafft wer­den könn­ten. EZB-Chef Draghi sagt es klar: Die ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik wird so lan­ge fort­ge­setzt wie not­wen­dig. Vor dem Hin­ter­grund stei­gen­der Ri­si­ko­aver­si­on ging die Zahl der Neu­emis­sio­nen zu­rück, nur hoch­wer­ti­ge Un­ter­neh­men such­ten ei­ne Fi­nan­zie­rung auf die­sem Weg. Dies zeigt, die Stim­mung schlägt um, Ka­pi­tal­er­halt steht nun­mehr an ers­ter Stel­le.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.