Stim­mung treibt den Preis

EDEL­ME­TAL­LE Die Mit­tel­ab­flüs­se aus Gold fol­gen nicht den Fun­da­men­tal­da­ten

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - ANDREA GENTILINI

Gold hat am 11. und 12. April 200 $ je Fein­un­ze an Wert ver­lo­ren – ein Er­eig­nis, das vie­le Händ­ler und An­le­ger nicht so bald ver­ges­sen wer­den. Die Preis­be­we­gung er­in­nert an die Wich­tig­keit von tech­ni­schen Un­ter­stüt­zungs­mar­ken in ei­nem hoch­li­qui­den und spe­ku­la­ti­ven Markt wie dem von Gold. In die­sem 24-St­un­den-Markt re­agie­ren – über Asi­en, Eu­ro­pa und die USA hin­weg – vie­le Händ­ler auf Preis­be­we­gun­gen. Im April wur­de das Un­ter­stüt­zungs­ni­veau von 1525 $ je Fein­un­ze un­ter­schrit­ten, was den mas­si­ven Ausverkauf aus­lös­te. Im jet­zi­gen Um­feld scheint der Markt das Ni­veau von 1350 $ zu be­ach­ten.

Aber es gibt zwei wei­te­re wich­ti­ge Leh­ren für An­le­ger aus dem April-Ver­kauf und den Mit­tel­flüs­sen, die di­rekt da­nach folg­ten. Ers­tens zeigt sich, dass die An­nah­men von In­ves­to­ren wich­ti­ger als die Fun­da­men­tal­da­ten sein kön­nen. Klar ist, dass das welt­wei­te, end­lo­se Geld­dru­cken uns schluss­end­lich al­ler är­mer ma­chen wird – aber die An­le­ger glau­ben nicht mehr an den da­für ver­ant­wort­li­chen Mecha­nis­mus. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te die Ex­pan­si­on der Geld­men­ge In­fla­ti­ons­ängs­te ge­schürt, wo­bei Gold als der bes­te Schutz ge­se­hen wur­de. Lei­der schei­nen die meis­ten Gold- in­ves­to­ren die abrupt ein­ge­tre­te­ne Um­stel­lung am Gold­markt men­tal nicht ver­ar­bei­ten zu kön­nen. Des­we­gen wer­den sich auch meist «Gold Bugs» ge­nannt.

Zum Zwei­ten kann ge­fol­gert wer­den, dass die Aus­sa­gen von Ben Bernan­ke, dem Chef der USNo­ten­bank Fed, nicht mehr zur Vor­her­sa­ge des Gold­prei­ses re­le­vant sind. So hat Gold nicht auf die An­zei­chen re­agiert, dass die lo­cke­re Geld­po­li­tik frü­her als er­war­tet be­en­det wer­den könn­te. Dies ist im star­ken Kon­trast zu den Preis­be­we­gun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr, als die An­kün­di­gun­gen von Zen­tral­ban­ken zur Geld­po­li­tik als fast per­fek­te In­di­ka­to­ren für die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung des Gold­prei­ses dien­ten. Das ist in ei­ner ge­wis­sen Wei­se ge­sund für die Preis­fin­dung, da so der neue, län­ger­fris­ti­ge in­ne­re Wert – und da­mit die Preis­un­ter­gren­ze – für Gold im neu­en Markt­um­feld auf­ge­deckt wer­den kann.

Die Be­trei­ber von Gold­mi­nen stel­len beim jet­zi­gen Preis­ni­veau ei­ne at­trak­ti­ve Ge­le­gen­heit dar. Nach­dem die Kur­se der Mi­nen­un­ter­neh­men mit dem Goldpreis ge­fal­len wa­ren, re­agier­ten sie stär­ker auf die Auf­wärts­be­we­gun­gen bei Gold als auf die Kor­rek­tu­ren. Da­mit scheint ein Kur­s­tief bald er­reicht zu sein. Da­zu kommt, dass die Ge­gen­win­de teil­wei­se ab­flau­en, die für den Bä­ren­markt der Edel­me­tall­mi­nen zwi­schen 2011 und 2012 ver­ant­wort­lich wa­ren. Die Ent­eig­nung durch staat­li­che Stel­len ist auf ein to­le­ra­bles Ni­veau zu­rück­ge­gan­gen. Füh­rungs­kräf­te, die die Mi­nen­un­ter­neh­men durch ei­ne end­los schei­nen­de Rei­he von Über­nah­men ge­führt hat­ten, wur­den durch prak­tisch ori­en­tier­te Ma­na­ger er­setzt, die sich auf die Kos­ten kon­zen­trie­ren. Man­che Un­ter­neh­men wol­len sich gar wie­der ge­gen Preis­be­we­gun­gen ab­si­chern, was ei­ne ge­sun­de Ent­wick­lung dar­stellt.

In­ves­to­ren ist zu emp­feh­len, die Aus­wahl von Ak­ti­en bei Edel­me­tall­mi­nen haupt­säch­lich vom je­wei­li­gen Rechts­sys­tem ab­hän­gig zu ma­chen. In die­sem Sin­ne ist der Auf­bau von An­tei­len in Me­xi­ko – das haupt­säch­lich mit Sil­ber han­delt – und Nord­ame­ri­ka sinn­voll. Auch ist es emp­feh­lens­wert, In­ves­ti­tio­nen in Süd­afri­ka zu ver­mei­den. Wäh­rend die dor­ti­gen Ar­beits­kon­flik­te ab­eb­ben, bleibt die po­li­ti­sche La­ge an­ge­spannt, be­son­ders wäh­rend die sym­bo­lisch wich­ti­ge, ver­mit­teln­de Prä­senz von Nel­son Man­de­la schwin­det, da er zur­zeit im Kran­ken­haus be­han­delt wird.

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