Ab­zo­cke­rei – bald vor­bei

Ver­fas­sungs­ar­ti­kel wird text­ge­treu um­ge­setzt. MAN­FRED RÖSCH

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Das Schwei­zer Volk hat An­fang März die «Min­der-Initia­ti­ve» in die Ver­fas­sung ge­schrie­ben, der Bun­des­rat setzt sie nun, wie ge­for­dert, zü­gig in ei­ner Ver­ord­nung um. Die­se hält sich eng an den neu­en Ar­ti­kel 95 Abs. 3 der Bun­des­ver­fas­sung und soll per An­fang 2014 in Kraft tre­ten.

Bun­des­rä­tin Si­mo­net­ta Som­maru­ga stell­te am Frei­tag die «Ver­ord­nung ge­gen die Ab­zo­cke­rei» vor, die Be­stim­mun­gen zum Ak­ti­en­recht, zu den Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen so­wie zum Straf­recht ent­hält. Die ko­tier­ten Ge­sell­schaf­ten und die Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen wer­den sich al­so nur auf ei­nen ein­zi­gen neu­en Rechts­er­lass ein­stel­len müs­sen, was Trans­pa­renz schafft; so kann auf Än­de­run­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rechts, des Bun­des­ge­set­zes über die be­ruf­li­che Vor­sor­ge und des Straf­ge­setz­buchs ver­zich­tet wer­den.

Ab 1. Ja­nu­ar 2014 wer­den die im neu­en Ver­fas­sungs­ar­ti­kel vor­ge­se­he­nen Ver­bo­te wirk­sam; un­ter­sagt wer­den Ab­gangs­ent­schä­di­gun­gen, Ver­gü­tun­gen im Vor­aus, Pro­vi­sio­nen für die Über­nah­me oder Über­tra­gung von Un­ter­neh­men oder Tei­len da­von, das Or­gan- und das De­pot­stimm­recht sein. Zu­dem darf ab dann die Ge­schäfts­füh­rung nur noch an na­tür­li­che Per­so­nen über­tra­gen wer­den.

Ab der Ge­ne­ral­ver­samm­lung 2014 wird gel­ten, dass ein Ver­gü­tungs­be­richt zu er­stel­len ist, dass Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­rats und der Prä­si­dent ein­zeln zu wäh­len sind, eben­so die Mit­glie­der des Ver­gü­tungs­aus­schus­ses – al­le künf­tig im­mer auf ein Jahr. Der Ver­wal­tungs­rat be­stimmt für die ers­te or­dent­li­che oder aus- ser­or­dent­li­che GV den un­ab­hän­gi­gen Stimm­rechts­ver­tre­ter, so­fern die­ser nicht be­reits von der GV ge­wählt wird.

Ab der GV 2015 muss die elek­tro­ni­sche Er­tei­lung von Wei­sun­gen an den un­ab­hän­gi­gen Stimm­rechts­ver­tre­ter mög­lich sein; ab dann wird die GV über die fi­xen Ver­gü­tun­gen für VR, Ge­schäfts­lei­tung und Bei­rat bis zur nächs­ten or­dent­li­chen GV be­fin­den, eben­so über die va­ria­blen Ver­gü­tun­gen für das ab­ge­schlos­se­ne Ge­schäfts­jahr 2014.

Schliess­lich müs­sen bin­nen ei­nem Jahr Ver­trä­ge mit Or­ga­nen der je­wei­li­gen Ge­sell­schaft der Ver­ord­nung an­ge­passt wer­den, bin­nen zwei Jah­ren die Re­gle­men­te und Sta­tu­ten der Ge­sell­schaf­ten. Ab 1. Ja­nu­ar 2015 wer­den Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen stimm­pf­lich­tig.

Bis 28. Ju­li läuft nun die schrift­li­che An­hö­rung der Par­tei­en, Wirt­schafts­ver­bän­de und wei­te­rer in­ter­es­sier­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen. Da­nach wer­den die Rechts­kom­mis­sio­nen bei­der Par­la­ments­kam­mern kon­sul­tiert. Der Bun­des­rat will die Ver­ord­nung En­de No­vem­ber ver­ab­schie­den. Sie wird gel­ten, bis das Par­la­ment ein Ge­setz ver­ab­schie­det hat.

Der Hand­lungs­spiel­raum der Re­gie­rung im Um­set­zen des ex­pli­zi­ten und de­tail­lier­ten Ver­fas­sungs­ar­ti­kels war von Be­ginn weg sehr eng. Der Bun­des­rat hat nun un­ver­züg­lich pra­xis­taug­li­che, dem gel­ten­den Ak­ti­en­recht an­ge­pass­te Über­gangs­be­stim­mun­gen ge­sucht – und wohl auch ge­fun­den. Es wür­de eher über­ra­schen, wenn die Ver­ord­nung noch zu gros­sen Dis­kus­sio­nen An­lass gä­be.

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