«In­ter­na­tio­na­li­tät ist un­se­re Stär­ke»

JA­COB J. SAF­RA Der in Genf le­ben­de Ban­kier hat letz­tes Jahr die Bank Sa­ra­sin über­nom­men – Er setzt auf den Fi­nanz­platz Schweiz und auf Wachs­tums­märk­te

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - STÉ­PHA­NE BE­NOIT- GO­DET

Der Kreis schliesst sich. Vier­zehn Jah­re nach dem Ver­kauf der Re­pu­blic Na­tio­nal Bank of New York durch Ed­mond Saf­ra mel­det sich ein Mit­glied der Saf­ra-Fa­mi­lie auf dem Schwei­zer Fi­nanz­platz zu­rück. Die Saf­ra-Grup­pe schliesst jetzt die Über­nah­me der Bas­ler Bank Sa­ra­sin ab. Die vor ei­nem Jahr an­ge­kün­dig­te Ak­qui­si­ti­on hat viel zu re­den ge­ge­ben. Ein Flagg­schiff des Schwei­zer Ban­ken­sek­tors ging in die Hän­de ei­ner bra­si­lia­ni­schen Fa­mi­lie über, was ei­ner Sen­sa­ti­on gleich­kam. Da es sich um ei­nen Ver­tre­ter der Fa­mi­lie Saf­ra han­del­te, war der Auf­ruhr dop­pelt so gross. Das hel­ve­ti­sche Esta­blish­ment war es nicht ge­wohnt, dass ein Ver­tre­ter ei­nes Bric-Staa­tes plötz­lich ei­ne sol­che Po­si­ti­on ein­nimmt. aus­ma­chen, das un­se­ren Stär­ken und den Her­aus­for­de­run­gen des Fi­nanz­plat­zes am bes­ten ent­sprach.»

Die Fa­mi­lie ist vom Po­ten­zi­al der Schweiz für ei­ne Bank über­zeugt, wenn die­se gut ge­führt wird und wenn de­ren Kun­den die Richt­li­ni­en ih­res Lan­des be­fol­gen. «Nur ei­ne Bank, die dies­be­züg­lich al­le Re­geln re­spek­tiert, ist auf Dau­er le­bens­fä­hig.» Ja­cob Saf­ra ist, aus sei­ner Po­si­ti­on ei­nes Käu­fers, über­zeugt, dass in Zu­kunft Teil­über­nah­men von Ban­ken, die der Stra­te­gie des In­ter­es­sier­ten ent­spre­chen, häu­fi­ger sein wer­den als Über­nah­men von gan­zen In­sti­tu­ten, wie dies durch Saf­ra bei Sa­ra­sin der Fall war. «Tat­säch­lich ist es ex­trem sel­ten», er­klärt er, «dass ein der­ar­ti­ger Zu­sam­men­schluss durch­ge­führt wer­den konn­te, oh­ne dass es zu gros­sen Über­schnei­dun­gen kam.»

Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men

Ja­cob ist der Sohn von Jo­seph, ei­nem Bru­der von Ed­mond, der die Re­pu­blic Na­tio­nal Bank ge­grün­det und spä­ter an HSBC ver­kauft hat­te. Ei­nen ers­ten Fuss in die Schweiz setz­te der bra­si­lia­ni­sche Zweig der Fa­mi­lie mit der Über­nah­me ei­ner klei­nen Ge­sell­schaft in Zü­rich.

«In der Schweiz hat es ein her­vor­ra­gen­des Po­ten­zi­al von Kun­den aus dem In­land, dem Mitt­le­ren Os­ten und an­dern dy­na­mi­schen Tei­len der Welt, wie Latein­ame­ri­ka und Asi­en», ist Ja­cob Saf­ra über­zeugt. Kun­den aus den Bric-Staa­ten ha­ben gros­ses In­ter­es­se dar­an, ihr Geld in der Schweiz an­zu­le­gen. In ei­nem Markt­um­feld, wo nie­mand das Ri­si­ko ein­ge­hen möch­te, sein Ka­pi­tal in Russ­land oder Chi­na an­zu­le­gen, und die USA und Eu­ro­pa zu kom­pli­ziert sind, ist die Schweiz dank ih­rer Sta­bi­li­tät und Er­fah­rung ei­ne at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve, meint er. Ilan Hayim, der Vi­ze­prä­si­dent des Ver­wal­tungs­rats von J. Saf­ra Sa­ra­sin, der an die­sem Ge­spräch an­we­send ist, er­gänzt: «Es ist fas­zi­nie­rend zu se­hen, wie ein Ban­kier wie Ja­cob Saf­ra an den Fi­nanz­platz Schweiz glaubt, der sich ja an ei­nem Wen­de­punkt be­fin­det. Die star­ke Prä­senz von Saf­ra in Latein­ame­ri­ka und Eu­ro­pa fes­tigt die In­ter­na­tio­na­li­tät von Sa­ra­sin und macht dar­aus ei­nen wich­ti­gen Trumpf.»

Die Fa­mi­lie Saf­ra ist auch Be­sit­ze­rin der Saf­ra Na­tio­nal Bank in New York. Die Fa­mi­lie, die ih­re Fir­men zu 100% be­sitzt, ver­wal­tet un­ter der Kon­trol­le von Jo­seph J. Saf­ra über 200 Mrd. $. Sa­ra­sin ist so­mit ei­ne der be­deu­tends­ten Ban­ken­grup­pen der Schweiz. In sei­ner Ver­ant­wor­tung als Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men be­ruft sich Ja­cob Saf­ra auf sei­nen Va­ter, der im­mer sag­te, dass «je­de Bank gleich viel Auf­merk­sam­keit er­hal­ten soll wie ein Kind». J. Saf­ra Sa­ra­sin be­schäf­tigt in der Schweiz rund 1300 Mit­ar­bei­ten­de, in Eu­ro­pa 500, in Asi­en 250 und in der üb­ri­gen Welt 100.

«Die An­nä­he­rung der bei­den Ban­ken ist ei­ne Ga­ran­tie für ih­re Sta­bi­li­tät, mit­tel­fris­tig wer­den wir das Per­so­nal auf­sto­cken», führt Ilan Hayim aus, was er als ein

Nur ei­ne Bank, die sich an die recht­li­chen Re­geln hält, ist auf Dau­er le­bens­fä­hig.

«In­diz für die be­trächt­li­chen Sy­ner­gi­en zwi­schen den bei­den In­sti­tu­ten» deu­tet. Die No­mi­nie­rung von Ed­mond Micha­an als neu­er CEO min­dert die ge­wich­ti­ge Stel­lung von Sa­ra­sin in­ner­halb der Grup­pe nicht, denn sechs von zehn Mit­glie­dern des Di­rek­ti­ons­kol­le­gi­ums kom­men von der Bas­ler Bank, dar­un­ter der stell­ver­tre­ten­de CEO Eric Sa­ra­sin. Die Bank be­sitzt 3,4 Mrd. Fr. Ei­gen­mit­tel.

Tra­di­tio­na­list und Vi­sio­när

«Un­ser Ruf ba­siert vor al­lem auf un­se­rer fi­nan­zi­el­len Solidität und dem Al­lein­ak­tio­na­ri­at», sagt Ja­cob Saf­ra. Die Grup­pe ver­fügt über 13 Mrd. Fr., be­steht aus drei ei­gen­stän­di­gen Ge­bil­den in Bra­si­li­en, in der Schweiz und in New York und be­schäf­tigt ins­ge­samt 7700 Mit­ar­bei­ten­de. Ge­mäss «For­bes» ste­hen die Saf­ras auf dem 46. Platz der welt­weit reichs­ten Fa­mi­li­en.

Der Ban­kier be­tont die Be­deu­tung ei­nes ef­fi­zi­en­ten Ma­nage­ments. «Ei­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­bank muss den Er­war­tun­gen ih­rer Kun­den, aber auch des Per­so­nals ent­spre­chen, um die an­vi­sier­ten Zie­le zu er­rei­chen.» In der Schweiz ist die Bank J. Saf­ra Sa­ra­sin an den Stand­or­ten Basel (Haupt­sitz), Bern, Genf, Lu­zern, Lu­ga­no und Zü­rich ver­tre­ten. Be­züg­lich In­ves­ti­ti­ons­zie­le hat Ja­cob Saf­ra die Ab­sicht, die in­sti­tu­tio­nel­le und die pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung so­wie die lan­ge An­la­ge­tra­di­ti­on von Sa­ra­sin zu ka­pi­ta­li­sie­ren. Er be­zeich­net sich als ei­nen tra­di­tio­nel­len Ban­kier mit kon­ser­va­ti­ven Vi­sio­nen, der es schätzt, mit erst­klas­si­gen Teams zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Man wird mit ihm rech­nen müs­sen. Sté­pha­ne Be­noit-Go­det ist Chef­re­dak­tor des Gen­fer Wirt­schafts­ma­ga­zins «Bi­lan», das zu Ta­me­dia ge­hört. Das Ge­spräch er­schien in «Bi­lan» Nr. 11 vom 12. Ju­ni 2013.

Im Ha­bi­tus des Pri­vat­ban­kiers: Ja­cob J. Saf­ra am Sitz der Bank Saf­ra Sa­ra­sin in Genf.

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