RBS sucht Chef für Neu­an­fang

GROSSBRITANNIEN For­cier­ter Ab­gang von CEO Ste­phen Hes­ter deu­tet auf Pri­va­ti­sie­rungs­plä­ne hin

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - CLIF­FORD PADEVIT,

Noch in der Ver­lust­zo­ne

Ste­phen Hes­ter, CEO der Roy­al Bank of Scot­land (RBS), ist ge­spal­ten. Dem staat­li­chen Fern­seh­sen­der BBC sag­te er, nach­dem sein Rück­tritt be­kannt­ge­wor­den war: «Zur Hälf­te bin ich froh, ist der Job nach fünf Jah­ren vor­bei, zur an­de­ren wä­re ich gern im Schüt­zen­gra­ben bei den Leu­ten ge­blie­ben.» Frei­wil­lig ver­lässt Hes­ter RBS En­de Jahr nicht; er woll­te mit der Pri­va­ti­sie­rung der Bank die Re­struk­tu­rie­rung be­en­den, die vor fünf Jah­ren be­gon­nen hat.

Hes­ter, der im In­vest­ment Ban­king der Cre­dit Suis­se Kar­rie­re ge­macht hat­te, war 2008 als Nach­fol­ger von Fred Good­win an­ge­tre­ten, des­sen Wachs­tums­stra­te­gie die Bi­lanz über­stra­pa­ziert hat­te. Der Staat sah sich in der Fi­nanz­kri­se auf­grund der Be­deu­tung von RBS ge­zwun­gen, die Bank mit Ka­pi­tal­sprit­zen von 45 Mrd. £ (65 Mrd. Fr.) zu ret­ten. 2008 hat­te RBS ei­nen Jah­res­ver­lust von 24 Mrd. £ aus­ge­wie­sen, im letz­ten Jahr er­ziel­te sie ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn von 3,5 Mrd. £. Wie es aus­sieht wur­de Hes­ter vom Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um her­aus­ge­drängt. Das wird zwar be­strit­ten, ge­nau­so wie das Vor­lie­gen kon­kre­ter Pri­va­ti­sie­rungs­plä­ne für die teil­ver­staat­lich­ten RBS (Staats­an­teil 82%) und Lloyds Ban­king (40%). Aber ab 2014 soll­ten die Bi­lan­zen die­ser Ban- ken stark ge­nug sein, so­dass der Staat den Ge­leit­schutz ab­zie­hen kann. Für die kon­ser­va­ti­ven To­ries wä­re es ver­lo­ckend, die An­tei­le noch vor den Wah­len 2015 zu ver­kau­fen, dar­um wird der­zeit hef­tig über die Ab­sich­ten der Re­gie­rung spe­ku­liert.

Re­fe­renz­punkt der Ar­gu­men­te ist der Preis, den der Staat be­zahlt hat. Die Ak­ti­en von RBS kos­te­ten 502 p (Kurs am Frei­tag: 316 p) die von Lloyds Ban­king 74 p (63 p). Dem­nach wä­re ein Ver­kauf der­zeit ein Ver­lust­ge­schäft. Es lässt sich aber ar­gu­men­tie­ren, der Zweck der Ka­pi­tal­sprit­zen war es, das Fi­nanz­sys­tem zu sta­bi­li­sie­ren, und nicht, ei­nen Ge­winn zu er­zie­len. Po­li­tisch wä­re es je­doch in ei­ner Zeit, in der der Staat je­des Pfund zwei­mal um­dreht, kaum mög­lich, ei­ne Pri­va­ti­sie-

Ein wei­ter Weg rung mit Ver­lust zu recht­fer­ti­gen. In ei­ner viel be­ach­te­ten Stu­die der po­li­tisch rechts ste­hen­den Ide­en­schmie­de Po­li­cy Ex­ch­an­ge, die An­fang Wo­che er­schie­nen ist, wird je­doch ar­gu­men­tiert, dass der ech­te Ein­stiegs­preis für RBS- und Lloyds-Ak­ti­en tie­fer lie­ge, weil der Staat von bei­den Ban­ken Ge­büh­ren er­hal­ten ha­be, be­son­ders für die Ver­lust­ver­si­che­rung (As­set Pro­tec­tion). Das wür­de den Preis für RBS auf 360 p, den für Lloyds auf 51 p sen­ken.

Bald mehr Klar­heit?

Das gros­se Pro­blem ist aber die Sum­me der An­tei­le. Bei jet­zi­gen Kur­sen ist das RBS-Pa­ket fast 16 Mrd. £ schwer, das lässt sich nicht auf ein­mal plat­zie­ren, was für ei­nen mehr­stu­fi­gen Ver­kauf spricht. Der Think Tank Po­li­cy Ex­ch­an­ge emp­fiehlt ei­nen Ver­kauf an die Be­völ­ke­rung. Bri­ti­sche Bür­ger könn­ten sich um die Ak­ti­en be­wer­ben und er­hiel­ten die Ti­tel kos­ten­los zu­ge­teilt. Erst wenn sie die Wert­schrif­ten ver­kauf­ten, be­kä­me das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um den Grund­preis, wäh­rend die Steu­er­zah­ler den Ge­winn ein­kas­sier­ten.

Jed­wel­che Lö­sung je­doch, die ei­ne Ver­tei­lung an die Be­völ­ke­rung vor­sieht, ist lo­gis­tisch auf­wen­dig und da­mit teu­er. Ein­fach wird die Pri­va­ti­sie­rung al­so nicht. Wie Fi­nanz­mi­nis­ter Ge­or­ge Os­bor­ne sich das Pro­ze­de­re vor­stellt, könn­te er am kom­men­den Mitt­woch ver­ra­ten, wenn er die be­deu­ten­de Ma­nor-Haus-Re­de hält.

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