Das glo­ba­le Lei­den der Fern­seh­her­stel­ler

IN­TER­NA­TIO­NAL Ein rui­nö­ser Preis­kampf bringt Tv-pro­du­zen­ten welt­weit in Be­dräng­nis – Deut­sches Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men Loewe vor dem Aus – Zeit wä­re reif für App­le

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - THORS­TEN RIEDL

En­de Ju­li ent­schei­det sich die Zu­kunft von Loewe. Der Her­stel­ler von Fern­se­hern, ei­ner der letz­ten in Eu­ro­pa, hat ei­ne Haupt­ver­samm­lung ein­be­ru­fen. Dort soll ei­ne Ka­pi­tal­her­ab­set­zung be­schlos­sen wer­den – der ein­zig mög­li­che Schritt zur Ret­tung. Das Grund­ka­pi­tal ist um mehr als die Hälf­te auf­ge­braucht.

Der Ka­pi­tal­schnitt soll den Ein­stieg neu­er In­ves­to­ren er­mög­li­chen. Sonst geht der TV-Her­stel­ler den Weg von Grun­dig, Nord­men­de oder Te­le­fun­ken – ehe­dem er­folg­rei­chen deut­schen Un­ter­neh­men der Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik­bran­che, die nur noch als Mar­ke aus­län­di­scher Kon­zer­ne exis­tie­ren.

Aus­stieg auf Ra­ten

Der Wett­be­werb ist mör­de­risch – vor al­lem für die eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­men. Phi­lips, einst der grösste TV-Her­stel­ler des Kon­ti­nents, hat den Be­reich im ver­gan­ge­nen Jahr in ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men mit der chi­ne­si­schen TPV ein­ge­bracht. Ein Aus­stieg auf Ra­ten. Das jüngs­te Op­fer ist nun Loewe, vor 85 Jah­ren ge­grün­det. Die Ge­sell­schaft kann in der Ra­batt­schlacht der Elek­tro­nik­ge­schäf­te nicht mehr mit­hal­ten. Der Preis­dif­fe­renz zu den asia­ti­schen An­bie­tern ist zu hoch, der Un­ter­schied in der Qua­li­tät zu ge­ring.

In Deutsch­land kos­te­te ein Fern­se­her laut Zah­len der Ge­sell­schaft für Un­ter­hal­tungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­elek­tro­nik im ers­ten Quar­tal im Schnitt 619 €, ein leich­ter Rück­gang von 1,2% ge­gen­über Vor­jahr. Ein TV-Ap­pa­rat von Loewe schlägt pro­blem­los mit 2000 € zu Bu­che – oder mehr. «Das Un­ter­neh­men hat sich bei sin­ken­den Markt­prei­sen zu sehr vom Durch­schnitts­preis ent­fernt», er­klärt selbst Mat­thi­as Harsch. Er führt Loewe seit April und ver­sucht, den Tur­naround zu meis­tern.

Die Schweiz ge­hört zu den we­ni­gen Märk­ten, in de­nen Loewe noch zu­le­gen konn­te, im ver­gan­ge­nen Jahr ver­zeich­ne­te das Un­ter­neh­men in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Ver­triebs­part­ner Te­li­on hier­zu­lan­de ein Plus von 20%. Sonst ge­ben die Zah­len An­lass zu Sor­ge: Der Um­satz sack­te im ers­ten Quar­tal um 35% auf 44 Mio. € ab, der Ver­lust ver­zehn­fach­te sich auf 10 Mio. €. Jetzt sucht Loewe ei­nen Part­ner.

Wer soll­te das sein? Mehr­fach wur­den Ge­rüch­te ge­streut, App­le sei in­ter­es­siert. Der Kurs der Loewe-Ti­tel ex­plo­dier­te je­weils – die Spe­ku­la­tio­nen er­wie­sen sich als falsch. Klar ist: App­le be­rei­tet et­was vor. Kon­zern­chef Tim Cook sprach jüngst von ei­nem «Ge­biet gros­sen In­ter­es­ses». Ei­ne Li­ai­son mit Loewe macht für App­le aber we­nig Sinn. App­le kauft zwar hin und wie­der Tech­no­lo­gi­en, bis­lang nie aber neue Pro­dukt­gat­tun­gen. Zu­dem ist das deut­sche Un­ter­neh­men schwer an­ge­schla­gen – und zu klein für die glo­ba­len Mass­stä­be, die App­le an das Ge­schäft an­legt. Da­bei

Markt­an­tei­le Flach­bild­fern­se­her wä­re die Zeit reif für den Ein­stieg von App­le: Nicht nur Loewe lei­det, auch an­de­re TV-Her­stel­ler sind vom rui­nö­sen Wett­be­werb ge­zeich­net. Sharp et­wa hat sich schon in der vor­letz­ten Kri­se von Loewe 2004 ei­nen An­teil von 30% am Un­ter­neh­men ge­si­chert. Die­ses Mal brau­chen die Ja­pa­ner selbst ei­nen Ret­ter. An­ders als bei Loewe exis­tiert beim Dis­play­her­stel­ler schon ein Ret­tungs­plan: So soll

2D-vs. 3D-Fern­se­her die Zu­sam­men­ar­beit mit Samsung aus­ge­baut wer­den. Im Ge­gen­zug ha­ben sich die Süd­ko­rea­ner mit 3% am ja­pa­ni­schen Ri­va­len be­tei­ligt. Sharp-Ak­tio­nä­re pro­fi­tier­ten von der Ko­ope­ra­ti­on: Seit An­fang Jahr sind die Ti­tel um 38% ge­stie­gen.

Markt­füh­rer Samsung (vgl. Gra­fik un­ten links) ge­hört zu den in­ter­es­san­ten Wer­ten. Bran­chen­krei­sen zu­fol­ge ver­dient der süd­ko­rea­ni­sche Kon­zern der­zeit auch

TV-Her­stel­ler nichts mit Fern­se­hern. Samsung wird die Kon­so­li­die­rung der Bran­che aber als ei­ner der Sie­ger über­le­ben. Hin­zu kommt die star­ke Po­si­ti­on in zu­kunfts­träch­ti­gen Fel­dern. So bie­tet nie­mand App­le mehr Pa­ro­li im Smart­pho­ne- und im Ta­blet-Ge­schäft als Samsung. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis auf Ba­sis 2014 liegt bei güns­ti­gen 7.

Schub durch Sport­er­eig­nis­se

So­ny ist eben­so ei­nen Blick wert. Der Kon­zern hät­te das Zeug da­zu, Mehr­wert über die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Spar­ten zu schaf­fen: Mu­sik, Vi­deo, Spie­le, Han­dys, Ka­me­ras, Ta­blets, Com­pu­ter – die Ja­pa­ner bie­ten al­les, tun sich aber beim Zu­sam­men­spiel schwer. Die TV-Spar­te ge­hört auch zu den Sor­gen­kin­dern.

In der Bran­che hofft man auf Schub durch neue Tech­no­lo­gi­en und sport­li­che Gross­er­eig­nis­se wie die Fuss­bal­lwelt­meis­ter­schaft oder die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le im kom­men­den Jahr. Zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2012 ist der Schub für die Bran­che al­ler­dings schon aus­ge­blie­ben. Für Loewe könn­te al­les zu spät kom­men. Hier kann der Rat an In­ves­to­ren im Mo­ment nur lau­ten: Fin­ger weg.

Auch was neue Tech­ni­ken wie et­wa su­per­hoch­auf­lö­sen­de Fern­se­her mit 4K2KDis­play an­geht, ist Vor­sicht ge­bo­ten: Sie sol­len die Käu­fer lo­cken. Von 3D-Fern­se­hern bei­spiels­wei­se hat­te sich die Bran­che be­reits ei­ni­ges ver­spro­chen. Der Ab­satz ist je­doch ver­hal­ten (vgl. Gra­fik un­ten Mit­te). Viel­leicht kommt der nächs­te In­no­va­ti­ons­schub der Bran­che ja wie in Han­dy-, Com­pu­ter- und Mu­sik­in­dus­trie von ei­nem Bran­chen­frem­den: von App­le. Für lang­fris­tig han­deln­de An­le­ger ist der US-Kon­zern mit ei­nem KGV 2014 von ge­ra­de mal 10 nun ei­ne Über­le­gung wert.

Ei­ne Wand mit Fern­se­hern auf der Funk­aus­stel­lung in Ber­lin: TV-Pro­du­zen­ten wol­len mit neu­er Tech­nik punk­ten – das miss­lingt ge­ra­de.

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