Glen­co­re Xstra­ta hat ei­ne schlag­zei­len­rei­che Wo­che hin­ter sich

SCHWEIZ Ex-cre­dit-suis­se-ceo John Mack wird Ver­wal­tungs­rat – Hilfs­wer­ke kri­ti­sie­ren Mi­nen­pro­jekt auf den Phil­ip­pi­nen – Ver­dacht auf Steu­er­hin­ter­zie­hung in Ita­li­en

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MAR­TIN GOLL­MER

Glen­co­re Xstra­ta hat die­ser Ta­ge gleich mehr­mals zu Schlag­zei­len An­lass ge­ge­ben: zu­nächst durch die Be­ru­fung ei­nes knall­har­ten Kos­ten­sen­kers in den Ver­wal­tungs­rat. Dann durch Un­ge­reimt­hei­ten bei ei­nem rie­si­gen Mi­nen­pro­jekt auf der phil­ip­pi­ni­schen In­sel Mind­a­nao. Schliess­lich we­gen ei­ner Un­ter­su­chung der ita­lie­ni­schen Fi­nanz­po­li­zei, die Steu­er­hin­ter­zie­hung ver­mu­tet.

John Mack, Pe­ter Grau­er und Pe­ter Coa­tes: So heis­sen die drei neu­en Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­rats von Glen­co­re Xstra­ta ge­mäss ei­ner Me­di­en­mit­tei­lung vom Mitt­woch. Un­ter den Be­ru­fun­gen sticht die­je­ni­ge Macks her­vor. Der ak­tu­el­le Se­ni­or-Be­ra­ter beim ame­ri­ka­ni­schen Fi­nanz­dienst­leis­ter Mor­gan St­an­ley war zu­vor des­sen CEO und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent. Be­vor er bei Mor­gan St­an­ley an­heu­er­te, am­tier­te Mack als Chef des In­vest­ment­arms der Cre­dit Suis­se und da­nach zu­sam­men mit Os­wald Gr­ü­bel als Co-CEO der schwei­ze­ri­schen Gross­bank. Mack galt als Mann ein­schnei­den­der Kos­ten­sen­kun­gen, was ihm den Über­na­men «Mack the Kni­fe» ein­ge­tra­gen hat.

Die Er­nen­nung Macks kommt, nach­dem Glen­co­re-Xstra­ta-Chef Ivan Gla­sen­berg an­läss­lich der Fu­si­on des Roh­stoff­han­dels­hau­ses mit dem Berg­bau­kon­zern An­fang Mai selbst ver­spro­chen hat­te, die Kos­ten über frü­he­re Zie­le hin­aus zu sen- ken. Das sol­le et­wa ge­sche­hen durch die Schlies­sung von Bü­ros, in­klu­si­ve der bei­den Xstra­ta-Haupt­sit­ze in Zug und Lon­don, so­wie durch die Re­duk­ti­on von Ma­nage­ment­ebe­nen. Gla­sen­berg er­klär­te da­mals, «Bü­ro­kra­tie und Du­pli­ka­ti­on» soll­ten eli­mi­niert wer­den. Glen­co­re Xstra­ta be­schäf­tigt in fünf­zig Län­dern rund 190 000 Per­so­nen, in­klu­si­ve Ver­trags­mit­ar­bei­ter. Ge­mäss Gla­sen­berg sol­len zu­sätz­li­che 300 Mio. $ Kos­ten zu den ur­sprüng­lich an­vi­sier­ten Sy­ner­gi­en von 500 Mio. $ ein­ge­spart wer­den kön­nen. «Es gibt vie­le tief hän­gen­de Früch­te», sag­te er.

Xstra­ta-Leu­te aus­ge­boo­tet

Die Er­nen­nung der neu­en Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der ge­schieht knapp ei­nen Mo­nat nach­dem an der ers­ten Ge­ne­ral­ver­samm­lung des fu­sio­nier­ten Un­ter­neh­mens Sir John Bond als Prä­si­dent des Auf­sichts­gre­mi­ums von den Ak­tio­nä­ren ab­ge­wählt wur­de. Zu­sam­men mit Bond wur­den auch al­le an­de­ren von Xstra­ta kom­men­den Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der nicht wie­der ge­wählt. Zu­vor wa­ren bei Xstra­ta im Hin­blick auf die Fu­si­on schon CEO Mick Da­vis und Fi­nanz­chef Tre­vor Reid zu­rück­ge­tre­ten. Gla­sen­berg be­setz­te in der Fol­ge al­le bis auf zwei der ins­ge­samt sieb­zehn Top­po­si­tio­nen bei Glen­co­re Xstra­ta mit frü­he­ren Glen­co­re-Ma­na­gern.

Glen­co­re Xstra­ta er­nann­te nach der Ab­wahl Bonds den frü­he­ren BP-CEO To­ny Hay­ward zum In­te­rims­prä­si­den­ten. Der Kon­zern teil­te mit, die Su­che nach ei­nem per­ma­nen­ten Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den ge­he wei­ter. Be­vor er ge­wählt wer­de, fän­den noch Kon­sul­ta­tio­nen mit wich­ti­gen Ak­tio­nä­ren statt.

Grau­er und Coa­tes, die zu­sam­men mit Mack neu in den Ver­wal­tungs­rat von Glen­co­re Xstra­ta ein­zie­hen, sind er­fah­re­ne Füh­rungs­leu­te. Grau­er ist zur­zeit exe­ku­ti­ver Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent beim Wirt­schafts­da­ten­dienst­leis­ter Bloom­berg, Coa­tes ar­bei­tet als Se­ni­or-Ma­na­ger bei Glen­co­re Xstra­ta. Vor der Fu­si­on lei­te­te er das Koh­le­ge­schäft von Xstra­ta.

Un­ge­wollt in die Me­di­en ge­riet Glen­co­re Xstra­ta eben­falls am Mitt­woch durch ei­ne Pres­se­kon­fe­renz der drei Hilfs­wer­ke Brot für al­le, Fas­ten­op­fer und Mi­se­re­or. Sie wer­fen Sagit­ta­ri­us Mi­nes, ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft des Kon­zerns, vor, beim Bau ei­ner rie­si­gen Kup­fer-Gold-Mi­ne in Tam­pa­kan auf den Phil­ip­pi­nen die Uno-Leit­prin­zi­pi­en für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te nicht zu re­spek­tie­ren und den Le­bens­raum der dor­ti­gen in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung zu zer­stö­ren.

Die Hilfs­wer­ke stüt­zen ih­re Aus­sa­gen auf ei­ne Un­ter­su­chung des deut­schen In­sti­tuts für Ent­wick­lung und Frie­den (In­ef ). Es hat ei­ne so­ge­nann­te men­schen­recht­li­che Fol­ge­ab­schät­zung durch­ge­führt, die ge­mäss den Uno-Leit­li­ni­en ei­gent­lich Sagit­ta­ri­us Mi­nes hät­te vor­neh­men sol­len. In ei­ner schrift­li­chen Stel­lung­nah­me wirft die phil­ip­pi­ni­sche Toch­ter­ge­sell­schaft von Glen­co­re Xstra­ta der In­ef-Stu­die in­des­sen «man­geln­de Ob­jek­ti­vi­tät und Aus­ge­wo­gen­heit» vor. So wer­de et­wa der Stand­punkt der Ge­sell­schaft nicht im De­tail dar­ge­stellt und fän­den die weit­rei­chen­den Pro­gram­me für die be­trof­fe­ne Be­völ­ke­rung im tech­ni­schen und im so­zia­len Be­reich kei­ne Er­wäh­nung.

Fi­nanz­po­li­zei im Haus

Schon am Mon­tag sorg­te die Mel­dung für Auf­se­hen, dass die ita­lie­ni­sche Fi­nanz­po­li­zei ge­gen Glen­co­re Xstra­ta ei­ne Un­ter­su­chung er­öff­net ha­be, weil der Ver­dacht auf Hin­ter­zie­hung von Steu­ern im Um­fang von mehr als 120 Mio. € be­ste­he. Ge­prüft wür­den Trans­ak­tio­nen zwi­schen dem Zink- und Bleischmel­zer Por­to­ve­s­me auf Sar­di­ni­en und dem Ge­samt­kon­zern. Die ita­lie­ni­sche Ge­schäfts­ein­heit soll Ge­win­ne ver­steckt ha­ben, in­dem sie an­de­ren Be­trie­ben von Glen­co­re Xstra­ta über den Markt­no­tie­run­gen lie­gen­de Prei­se für Roh­ma­te­ria­li­en be­zahl­te.

Der schwei­ze­ri­sche Berg­bau- und Roh­stoff­han­dels­kon­zern be­stritt die Vor­wür­fe um­ge­hend: «Al­le Trans­ak­tio­nen wur­den in Über­ein­stim­mung mit den an­wend­ba­ren ita­lie­ni­schen Steu­er­ge­set­zen durch­ge­führt», liess die Zen­tra­le in Baar ver­lau­ten. Por­to­ve­s­me ar­bei­te mit den Steu­er­be­hör­den zu­sam­men, um die Un­ter­su­chung rasch zu be­en­den.

John Mack, «Mack the Kni­fe» ge­nannt.

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