Ver­wal­tungs­rat von S+B er­hält Zu­spruch

SCHWEIZ Pri­va­te und in­sti­tu­tio­nel­le Teil­ha­ber des Spe­zi­al­stahl­her­stel­lers ste­hen hin­ter Vr-prä­si­dent Zehn­der – Gross­ak­tio­när Ge­bu­ka kann noch Trumpf aus­spie­len

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - ADRI­AN BLUM

Zwei Wo­chen vor der dies­jäh­ri­gen, als his­to­risch zu be­zeich­nen­den Ge­ne­ral­ver­samm­lung von Schmolz+Bi­cken­bach be­zie­hen Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re öf­fent­lich ih­re Po­si­tio­nen. Nach jet­zi­gem Stand der Din­ge wird es in den um­strit­te­nen Trak­tan­den zu je­weils äus­serst knap­pen Ent­schei­dun­gen kom­men. Gross­ak­tio­när Ge­bu­ka könn­te zu­vor noch ei­nen Trumpf aus­spie­len.

Der ein­fluss­rei­che Ak­tio­närs­ver­tre­ter ISS hat sich auf die Sei­te des Ver­wal­tungs­rats des Spe­zi­al­stahl­her­stel­lers ge­schla­gen. Die Emp­feh­lung be­trifft die Ka­pi­tal­mass­nah­men und die Wahl der Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der. ISS emp­fiehlt, den An­trä­gen des VR zu­zu­stim­men und die der Ge­gen­sei­te, be­ste­hend aus dem Gross­ak­tio­när S+B KG und der Re­no­va des Rus­sen Vic­tor Vek­sel­berg, ab­zu­leh­nen. Ein Gross­teil der in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren dürf­te ISS fol­gen. An­de­rer­seits un­ter­stützt zCa­pi­tal die Wahl von Oli­ver Thum, weil der «die In­ter­es­sen des Gross­ak­tio­närs und al­ler Er­ben best­mög­lichst ein­brin­gen» kön­ne, wie die S+B KG schreibt.

Gleich­zei­tig or­ga­ni­sie­ren sich pri­va­te Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re in der Schweiz, die wie ISS den­ken. Die VUSB ( Ver­ei­ni­gung für ei­ne un­ab­hän­gi­ge Schmolz+Bi­cken- bach) sieht sich als Ver­tre­ter von 9000 Klein­ak­tio­nä­ren, die auf 20% der Stim­men kom­men. Ins­ge­samt lie­gen im Pu­bli­kum fast 52%. Der An­teil nicht ein­ge­tra­ge­ner Ti­tel (Di­s­po-Be­stand) er­reicht ge­mäss Schät­zun­gen ho­he 15%.

Vor­sorg­li­che Ver­fü­gung?

Der viel dis­ku­tie­re Ak­tio­närs­bin­dungs­ver­trag (ABV) spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le. Er gilt zwi­schen der Ge­bu­ka des Schwei­zer In­dus­tri­el­len und VR-Mit­glieds Ge­ro Büt­ti­ker (An­teil 6%), der die Po­si­ti­on des Ver­wal­tungs­rats un­ter­stützt, und der S+B

Schmolz+Bi­cken­bach N Hol­ding (An­teil 20%) von der Ge­gen­sei­te. Das im ABV fest­ge­hal­te­ne ge­gen­sei­ti­ge Ve­to­recht, das die Stim­men blo­ckie­ren wür­de, be­trifft die 20% der Hol­ding und 2% der Ge­bu­ka. Die In­ter­pre­ta­tio­nen, wie sich das aus­wirkt, ge­hen aus­ein­an­der.

Am Frei­tag­nach­mit­tag teil­te die S+B KG mit, sie wer­de und kön­ne «ent­ge­gen der wie­der­hol­ten, un­zu­tref­fen­den Be­haup­tun­gen der AG mit ih­ren vol­len 40,46% stim­men». We­gen der ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen wür­de sie nach Ein­schät­zung von Ju­ris­ten nur zwei – trag­ba­re – Ri­si­ken ein­ge­hen: ei­nen Ima­ge­scha­den und die Ge­fahr, ein öf­fent­li­ches (un­at­trak­ti­ves) Über­nah­me­an­ge­bot vor­le­gen zu müs­sen. Die 40,46% Stim­men wür­den wohl rei­chen, um die Ab­stim­mun­gen zu ge­win­nen, den Ver­wal­tungs­rat zu er­neu­ern und die Macht zu über­neh­men.

Es ist ge­mäss Ju­ris­ten je­doch nicht aus­zu­schlies­sen, dass Ge­bu­ka von ei­nem Ge­richt in Wil, wo die S+B Hol­ding ih­ren Sitz hat, ei­ne vor­sorg­li­che (su­per­pro­vi­so­ri­sche) Ver­fü­gung ein­holt, wo­nach die vom Ve­to be­trof­fe­nen Ak­ti­en (20% der Hol­ding und 2% der Ge­bu­ka) als «nicht an­we­send» be­han­delt wer­den müs­sen. Büt­ti­ker war für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht er­reich­bar. Gel­ten die 22% als «nicht an­we­send», wird das Pu­bli­kum mit sei­ner Stimm­kraft von knapp 52% tat­säch­lich zum Züng­lein an der Waa­ge. In der Ver­gan­gen­heit wa­ren an der GV je­weils 65 bis 70% der Ak­tio­nä­re an­we­send. We­gen der bri­san­ten Aus­gangs­la­ge wer­den es dies­mal mehr sein. Sind bei­spiels­wei­se 75% prä­sent, er­gibt sich ab­züg­lich der «ge­sperr­ten» 22% ei­ne An­we­sen­heit von 53%, wo­mit das ab­so­lu­te Mehr bei 26,5% lä­ge. Die S+B KG müss­te al­so nur we­ni­ge Stim­men­pro­zen­te auf ih­re Sei­te zie­hen, um zu ge­win­nen. Dies liegt im Be­reich des Mög­li­chen.

Film­rei­fer Show­down

Bis zur GV in zwei Wo­chen kann noch ei­ni­ges pas­sie­ren. We­nig wahr­schein­lich ist ei­ne Ei­ni­gung. Über­ra­schend, aber nicht völ­lig ab­we­gig wä­re es, wenn die S+B KG – ei­ne teil­wei­se zer­strit­te­ne Zweck­ge­mein­schaft der Fa­mi­li­en­stäm­me – von Re­no­va Ab­schied nimmt und auf ein (at­trak­ti­ve­res?) An­ge­bot an­de­rer An­ker­in­ves­to­ren ein­geht.

Nicht aus­zu­schlies­sen ist auch ein Rück­zug von Re­no­va. Der­zeit sieht es aber nach ei­nem film­rei­fen Macht­kampf an der GV vom 28. Ju­ni aus, an der mög­li­cher­wei­se ei­ne klei­ne Zahl von Stim­men die Ent­schei­dung aus­ma­chen wird. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Schmolz+ Bi­cken­bach im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/STLN

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