Vo­da­fo­ne po­kert im Über­nah­me­markt hoch

IN­TER­NA­TIO­NAL Der glo­ba­le Mo­bil­funk­rie­se be­stä­tigt In­ter­es­se an Ka­bel Deutsch­land – Wei­te­re Fest­netz-breit­band-zu­käu­fe denk­bar – Was ge­schieht mit Us-ge­schäft?

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - DIETEGEN MÜL­LER,

HKa­bel Deutsch­land och po­kert Vo­da­fo­ne im Über­nah­me­markt. Als Ziel schält sich Fest­netz-Breit­band­in­fra­struk­tur in Eu­ro­pa her­aus. Die von CEO Vit­to­rio Co­lao for­cier­te Re­struk­tu­rie­rung ge­winnt lang­sam Kon­tur. Vo­da­fo­ne dürf­te mehr Ka­pi­tal in ei­ne struk­tu­rell wachs­tums­ar­me Re­gi­on len­ken, könn­te sich aber in eu­ro­päi­schen Kern­märk­ten auch für ra­pi­de stei­gen­de Da­ten­men­gen im Mo­bil­funk­net­zen rüs­ten. Dies ist wich­tig, da der neue ul­tra­schnel­le Mo­bil­funk­stan­dard LTE (Long Term Evo­lu­ti­on) an Gren­zen stösst, wenn in ei­ner Funk­zel­le vie­le Nut­zer ak­tiv sind und die da­hin­ter­lie­gen­de Fest­netz­in­fra­struk­tur zum Wei­ter­trans­port der Da­ten Eng­päs­se auf­weist.

Am Mitt­woch be­stä­tig­te Vo­da­fo­ne erst­mals ei­ne «vor­läu­fi­ge Kon­takt­auf­nah­me mit Ka­bel Deutsch­land». Ka­bel Deutsch­land be­ton­te in ei­ner Ad-hoc-Mit­tei­lung, man ha­be «we­der Ge­wiss­heit dar­über, ob ein An­ge­bot tat­säch­lich ab­ge­ge­ben wird, noch was die Be­din­gun­gen ei­nes sol­chen An­ge­bots sein könn­ten». Als wei­te­re po­ten­zi­el­le Über­nah­me­ob­jek­te gel­ten Swiss­com-Toch­ter Fast­web (vgl. Text rechts) und der nie­der­län­di­sche Ka­bel­netz­an­bie­ter Zig­go.

Ein teu­rer De­al

Ge­mäss Reu­ters soll Vo­da­fo­ne den Deut­schen ein Ge­bot über 81 € je Ak­tie vor­ge­legt ha­ben. Am Ak­ti­en­markt stie­gen Ka­bel Deutsch­land am Mitt­woch 8,2% auf 80.84 € und no­tier­ten am Frei­tag über 81 €. Die Grup­pe, die im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr (per En­de März) ca. 1,8 Mrd. € Er­lös er­zielt ha­ben dürf­te, kommt da­mit auf 7,1 Mrd. € Bör­sen­wert. In­klu­si­ve 2,9 Mrd. € Net­to­ver­schul­dung (per En­de De­zem­ber) müss­te Vo­da­fo­ne gut 10 Mrd. € zah­len. Die Ra­tin­ga­gen­tur Fitch er­klär­te, dies könn­te zur Ab­stu­fung der Kre­dit­wür­dig­keit Vo­da­fo­nes um ei­nen Notch füh­ren. Der Zu­kauf sei aber aus be­ste­hen­den Bar­mit­teln und Kre­dit­li­ni­en her­aus zu be­wäl­ti­gen.

Ka­bel Deutsch­land hat sich auch «Fi­nanz und Wirt­schaft» ge­gen­über of­fen für In­ter­es­sen­ten ge­zeigt. Doch heisst es aus Krei­sen von Ak­tio­nä­ren, ein Über­nah­me­an­ge­bot müs­se im Be­reich von 90 € lie­gen, da­mit es ak­zep­tiert wür­de, so Reu­ters. Der Vor­stoss Vo­da­fo­nes, über den lan­ge spe­ku­liert wur­de, kommt nun doch et­was über­ra­schend. Erst vor ei­ni­gen Wo­chen mel­de­te der Mo­bil­funk­an­bie­ter, mit Deut­sche Te­le­kom ein Ab­kom­men zur Nut­zung des Te­le­kom-Breit­band­net­zes ab­schlies­sen zu wol­len. Dies kann aber auch als Er­gän­zung zu ei­nem Ein­stieg in das Netz von Ka­bel Deutsch­land ge­se­hen wer­den.

Aus Sicht der Vo­da­fo­ne-Ak­tio­nä­re ist der Fall är­ger­lich, denn schon 2008 woll­te der da­ma­li­ge Vo­da­fo­ne-Deutsch­land-Chef Ka­bel Deutsch­land schlu­cken – für rund 2 Mrd. €, wie es hiess. Die Aus­sicht auf ei­nen nun sehr kost­spie­li­gen Zu­kauf be­las­te­te die Vo­da­fo­ne-Ak­ti­en, die aber auch we­gen des Ab­gangs der Schluss­di­vi­den­de am Mitt­woch tie­fer no­tier­ten.

Fra­ge­zei­chen gilt es hin­ter die mit ei­nem mög­li­chen Zu­kauf ver­bun­de­nen Ren­di­ten zu set­zen. Ge­mäss Vo­da­fo­ne soll ei­ne Ak­qui­si­ti­on ei­ne Ren­di­te brin­gen, die über 200 Ba­sis­punk­te über den Ka­pi­tal­kos­ten liegt. Ver­schlech­tert sich das Kre­dit­pro­fil durch ei­ne Ak­qui­si­ti­on, dürf­te das Ein­lö­sen die­ses Ziels schwie­rig wer­den.

Ei­nes von vie­len Sze­na­ri­en

Auch könn­te der US-Ka­bel­rie­se Li­ber­ty Glo­bal (in der Schweiz UPC Ca­ble­com) ein Ge­gen­an­ge­bot für Ka­bel Deutsch­land lan­cie­ren könn­te. Li­ber­ty ist in Deutsch­land mit Uni­ty­me­dia und Ka­belBW ver­tre­ten. Ei­ne Of­fer­te für Ka­bel Deutsch­land könn­te die Kar­tell­wäch­ter auf den Plan ru­fen, ist aber nicht ganz un­denk­bar.

Vo­da­fo­ne hat aber noch ei­ne Rei­he tak­ti­scher Op­tio­nen of­fen. So könn­te die 45%-Be­tei­li­gung am US-Mo­bil­funk­an­bie­ter Ve­ri­zon Wi­re­less ver­kauft wer­den. Dies dürf­te im Ide­al­fall bis 130 Mrd. $ brin­gen, schät­zen Ana­lys­ten. Vo­da­fo­ne könn­te sich da­durch bes­ser auf das pro­blem­be­la­de­ne Eu­ro­pa­ge­schäft kon­zen­trie­ren und so­gar ein Ge­bot für Li­ber­ty Glo­bal ab­ge­ben. Vo­da­fo­ne-Ak­tio­nä­re müs­sen sich auf un­ru­hi­ge Zei­ten ein­stel­len und wä­ren an ei­nem Un­ter­neh­men be­tei­ligt, das sich in ei­ner wachs­tums­schwa­chen Re­gi­on ver­stärkt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.