Die Angst vor ei­ner Asi­en­kri­se

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - EH,

Die Furcht vor ei­nem En­de der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik der US-No­ten­bank und ei­nem lang­sa­me­ren Wachs­tum Chi­nas so­wie Zwei­fel an der Wirk­sam­keit des ja­pa­ni­schen Kon­junk­tur­pro­gramms ha­ben an den asia­ti­schen Bör­sen tie­fe Spu­ren hin­ter­las­sen. Die seit An­fang Jahr rea­li­sier­ten mas­si­ven Kurs­ge­win­ne wur­den in Wo­chen­frist aus­ra­diert. Die gros­se Vo­la­ti­li­tät hat in der Re­gi­on Angst vor ei­ner Wie­der­ho­lung der asia­ti­schen Fi­nanz­kri­se vor fünf­zehn Jah­ren auf­kom­men las­sen.

Das trifft be­son­ders auf In­di­en und In­do­ne­si­en zu. Bei­de Län­der wei­sen Zah­lungs­bi­lanz­de­fi­zi­te auf und sind von Port­fo­li­o­ka­pi­tal­zu­fluss ab­hän­gig. Gin­ge die glo­ba­le Li­qui­di­tät zu­rück, führ­te das hier zu ma­kro­öko­no­mi­schen Ver­wer­fun­gen. Mit­te Wo­che hat des­halb die Bank of In­do­ne­sia zum ers­ten Mal seit zwei Jah­ren den Leit­zins an­ge­ho­ben. Und die Re­ser­ve Bank of In­dia hat be­kannt­ge­ge­ben, zur Stüt­zung der Ru­pie zu in­ter­ve­nie­ren.

Die eu­ro­pä­isch-asia­ti­sche Gross­bank HSBC hält die Ängs­te für über­trie­ben. «Das bil­li­ge Geld spricht in Asi­en wei­ter für ei­nen Bul­len­markt», heisst es in ei­ner Stu­die vom Don­ners­tag. Ana­lys­ten der ja­pa­ni­schen Gross­bank No­mu­ra un­ter­stüt­zen die­se Sicht. Sie ha­ben das Jah­res­end­ziel des Nik­kei-In­dex von 16 000 auf 18 000 her­auf­ge­setzt. Da­mit dürf­te wei­ter auch Li­qui­di­tät von Ja­pan in die asia­ti­schen Schwellenländer über­schwap­pen.

Der Kurs­sturz aber hat ge­zeigt, dass al­lein der Ge­dan­ke an ei­ne geldpolitische Nor­ma­li­sie­rung die In­ves­to­ren ner­vös macht. HSBC rech­net denn auch mit er­höh­ter Vo­la­ti­li­tät in den kom­men­den Mo­na­ten. Sta­bi­li­sie­rend wir­ken sich da­bei die so­li­den Staats­fi­nan­zen der meis­ten asia­ti­schen Schwellenländer aus. Auch sor­gen die ge­fal­le­nen Roh­stoff­prei­se für ei­ne mo­de­ra­te Teue­rung.

Die­sen Spiel­raum ha­ben Ma­lay­sia, Süd­ko­rea und Hong­kong in den letz­ten zwei Jah­ren be­nutzt, um den Zuf­luss hoch li­qui­den Ka­pi­tals zu brem­sen. Das schützt sie halb­wegs vor ex­ter­nen Schocks. Al­ler­dings ist der Ver­schul­dungs­grad des Pri­vat­sek­tors in Süd­ko­rea, Thai­land oder Ma­lay­sia ge­stie­gen. Ge­mäss der Asia­ti­schen Ent­wick­lungs­bank (ADB) sind die aus­ste­hen­den Kre­di­te in der Re­gi­on auf dem höchs­ten Stand seit 1997. Hö­he­re Zin­sen wür­den Im­mo­bi­li­en­prei­se und Un­ter­neh­mens­ge­win­ne drü­cken. Das fällt um­so mehr ins Ge­wicht, als in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten der Er­zeu­ger­preis­in­dex ge­fal­len ist. Aus­sen­ver­bind­lich­kei­ten sind teu­rer ge­wor­den.

Glück­li­cher­wei­se lau­ten die Kre­di­te meist auf Heim­wäh­rung. Da­mit fällt das Wech­sel­kurs­ri­si­ko weg. Vor fünf­zehn Jah­ren lös­te die Schwä­che der Lo­kal­wäh­run­gen die asia­ti­sche Ban­ken­kri­se aus. Ei­ne Wie­der­ho­lung der Ge­schich­te ist da­mit we­nig wahr­schein­lich.

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