Zy­kli­sche und struk­tu­rel­le Flau­te in Roh­stof­fen

In­ter­es­se an In­vest­ments prak­tisch null – Kup­fer und Roh­öl pro­fi­tie­ren von knap­pem An­ge­bot

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - ELI­SA­BETH TES­TER

An den in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­en­bör­sen ru­mort es. An den Roh­stoff­märk­ten ist die Stim­mung schon seit län­ge­rem schlecht, und im Ge­gen­satz zu den Ak­ti­en­märk­ten ha­ben Roh­stof­fe seit An­fang Jahr ei­ne schwa­che Per­for­mance ge­zeigt. Die wich­ti­gen Roh­stoff­in­di­zes ga­ben rund 5% nach, wo­bei In­dus­trie­und Edel­me­tal­le schlech­ter ab­schnit­ten als Agrar­gü­ter und der Ener­gie­sek­tor.

Roh­öl der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent ist seit An­fang Jahr 6,5% güns­ti­ger ge­wor­den, das ame­ri­ka­ni­sche WTI hat 4,4% zu­ge­legt. Der Kup­fer­preis, der als gu­ter Kon­junk­tur­in­di­ka­tor gilt, ist 10% ge­sun­ken. Un­ter den Edel­me­tal­len weist al­lein Pal­la­di­um ei­ne po­si­ti­ve Per­for­mance von rund 10% auf. Gold hat 17% nach­ge­ge­ben, die vo­la­ti­le­re Sil­ber­no­tie­rung gar 28%. Die Agrar­gü­ter zei­gen ei­ne ge­misch­te Per­for­mance, Oran­gen­saft und Baum­wol­le sind stark im Plus, Wei­zen im Mi­nus. Vie­le Roh­stoff­fonds be­fin­den sich trotz Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­ef­fek­ten deut­lich im zwei­stel­li­gen Mi­nus­be­reich.

Ronald Wild­mann, Me­tall­spe­zia­list und Ge­schäfts­füh­rer von Bas­in­vest in Zü­rich, stellt ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» fest: «Das In­ter­es­se an Roh­stoff­in­ves­ti­tio­nen ist zur­zeit prak­tisch null. Welt­weit sind die Port­fo­lio­ma­na­ger in Roh­stof­fen und Roh­stoff­ak­ti­en in ih­ren Port­fo­li­os mar­kant un­ter­ge­wich­tet. Roh­stof­fe sind da­her der­zeit ein klas­si­scher Fall für Con­tra­ri­ans. Wir glau­ben an ei­ne kom­men­de Sek­tor­ro­ta­ti­on von de­fen­si­ven in zy­kli­sche Wer­te. Roh­stoff­in­vest­ments wer­den da­von pro­fi­tie­ren.»

Kon­junk­tur be­las­tet

Der jüngst schwä­che­re Dol­lar gibt et­was Rü­cken­wind, das Null­zins­um­feld auch, aber für den Ener­gie­sek­tor und die In­dus­trie­me­tal­le blei­ben die Kon­junk­tur­aus­sich­ten der wich­tigs­te Preis­trei­ber – und die­se Aus­sich­ten sind nach wie vor ge­trübt. Die Welt­bank warn­te die­se Wo­che vor in­ter­na­tio­na­ler Wirt­schafts­schwä­che und hat die Pro­gno­sen für das Welt­wirt­schafts­wachs­tum 2013 von 2,4 auf 2,2% ge­senkt, der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) rech­net noch mit 2,5%.

Die Hoff­nun­gen lie­gen da­bei auf Chi­na: Die zweit­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt soll die­ses Jahr 7,5% wach­sen. Die­ser von Pe­king an­ge­kün­dig­te Wert dürf­te er­reicht wer­den – aber nicht mehr. Das las­sen die jüngs­ten, schwa­chen Kon­junk­tur­da­ten er­ah­nen. Dass das Land ein im Ver­gleich zu frü­he­ren Jah­ren deut­lich ab­ge­brems­tes Wirt­schafts­wachs­tum er­lebt, schlägt sich im Roh­stoff­sek­tor nie­der.

Da­bei ist die zen­tra­le Fra­ge, wie hoch die La­ger und die Über­ka­pa­zi­tä­ten in Chi­na noch sind und wie sich die Nach-

Roh­stoff­in­di­zes fra­ge nach Roh­stof­f­im­por­ten ent­wi­ckelt. Für vie­le Roh­wa­ren ist Chi­na nicht nur der welt­weit grösste Kon­su­ment, son­dern auch der grösste Im­por­teur. Ge­mäss Mor­gan St­an­ley wird Chi­nas Nach­fra­ge ins­ge­samt ro­bust blei­ben, u. a. we­gen an­hal­ten­der In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen.

Nach­fra­ge über­schätzt

Doch das An­ge­bot sei in vie­len Be­rei­chen zu hoch. Die ef­fek­ti­ve Pro­duk­ti­on wer­de von of­fi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken mas­siv un­ter­schätzt, ei­ne Struk­tur­be­rei­ni­gung sei nicht in Sicht. Die wich­tigs­ten Fak­to­ren für Preis­schwan­kun­gen in In­dus­trie­me­tal­len sei­en nach wie vor der zy­kli­sche La­ger­auf­bau und La­ger­ab­bau Chi­nas so­wie die An­pas­sun­gen des glo­ba­len An­ge­bots.

Ma­noj Prad­han, Öko­nom von Mor­gan St­an­ley, macht zu­dem nicht nur zy­kli­sche, son­dern auch struk­tu­rel­le Fak­to­ren für die Preis­schwä­che der letz­ten Mo­na­te ver­ant­wort­lich. Der Roh­stoff­boom der letz­ten Jah­re ha­be die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten auf­ge­bläht, und die Nach­fra­ge sei über­schätzt wor­den. Zu­dem führ­ten nach­hal­ti­ge­re Wachs­tums­mo­del­le der Schwellenländer zu ei­nem ge­rin­ge­ren Roh­stoff­ver­brauch – vor al­lem auch in Chi­na.

Die neue In­dus­tria­li­sie­rung in den USA, die durch tie­fe Ka­pi­tal­kos­ten, die Ener­gie­re­vo­lu­ti­on und ei­ne rea­le Dol­lar­ab­wer­tung er­mög­licht wer­de, ver­la­ge­re auch roh­stoff­in­ten­si­ve In­dus­trie­pro­duk­ti­on von Chi­na nach Ame­ri­ka. Da in den USA ei­ne bes­se­re Ef­fi­zi­enz der In­put­fak­to­ren inkl. Roh­stof­fen ge­währ­leis­tet sei, sin­ke der Be­darf an Roh­stof­fen struk­tu­rell.

Die welt­wei­ten struk­tu­rel­len An­pas­sun­gen des An­ge­bots dau­ern lan­ge, was die Prei­se be­las­tet. Für den In­ves­tor bie­ten sich den­noch Mög­lich­kei­ten. Wild­mann be­tont: «Wir emp­feh­len An­le­gern, in Roh­stof­fe zu in­ves­tie­ren, die im An­ge­bot knapp sind oder knapp wer­den. Da­zu zäh­len wir Kup­fer, Pal­la­di­um und Pla­tin.» Kup­fer sei nicht nur knapp we­gen der stei­gen­den Nach­fra­ge, son­dern auch we­gen

Roh­stof­fe ge­ge­über Ak­ti­en der Schwie­rig­kei­ten, das An­ge­bot aus­zu­wei­ten. Die Er­schlies­sung neu­er Mi­nen sei zeit­auf­wen­dig und kos­ten­in­ten­siv. Wild­mann er­klärt: «Der Kup­fer­markt be­fin­det sich noch in ei­ner Pha­se des La­ger­ab­baus. Die Nach­fra­ge in Chi­na ist so­lid, und die Prä­mi­en für Kup­fer stei­gen.»

Die­se Ein­schät­zung tei­len auch die Roh­stoff­ex­per­ten von Mor­gan St­an­ley: Trotz des An­ge­bots­wachs­tums ver­harr­ten die welt­wei­ten Kup­fer­la­ger deut­lich un­ter ih­rem durch­schnitt­li­chen Ni­veau – ge­kop­pelt mit der ro­bus­ten Nach­fra­ge blei­ben An­ge­bot und Nach­fra­ge im Gleich­ge­wicht.

We­nig Roh­öl

Eben­falls künf­ti­ge Preis­avan­cen macht Mor­gan St­an­ley in Roh­öl aus, wo das An­ge­bot viel knap­per sei als noch vor ei­nem Jahr. In den Som­mer­mo­na­ten steigt der Öl­preis nor­ma­ler­wei­se we­gen der Dri­ving Sea­son in den USA. Zu­dem ver­wen­den Elek­tri­zi­täts­wer­ke im ara­bi­schen Raum Öl, um den zu­sätz­li­chen Ener­gie­ver­brauch der Kli­ma­an­la­gen zu de­cken.

Am Mitt­woch hat die In­ter­na­tio­na­le Ener­gie­agen­tur er­klärt, die sai­so­na­le Nach­fra­ge nach Roh­öl wer­de die­ses Jahr be­son­ders hoch aus­fal­len, da we­gen neu­er Raf­fi­ne­rie­ka­pa­zi­tä­ten im Na­hen Os­ten und Asi­en das An­ge­bot mit der Raf­fi­ne­ri­enach­fra­ge nicht Schritt hal­ten kön­ne. Und in der Nord­see ste­he die Un­ter­halts­sai­son an, was die Prei­se zu­sätz­lich trei­be.

Die Pro­duk­ti­on hin­ge­gen ist be­reits hoch und kann trotz der jüngs­ten Un­ter­stüt­zung aus den USA nur sehr be­schränkt aus­ge­dehnt wer­den. Mit 31 Mio. Fass pro Tag för­der­te das Öl­kar­tell Opec im Mai so viel Öl wie seit letz­tem Ok­to­ber nicht mehr. Sau­di-Ara­bi­en, das ein­zi­ge Land, das über Re­ser­veka­pa­zi­tä­ten ver­fügt, pro­du­zier­te al­lein ge­schätz­te 9,7 Mio. Fass pro Tag. Zur­zeit no­tiert Brent 104.70 $ pro Fass. Mor­gan St­an­ley rech­net für die zwei­te Jah­res­hälf­te mit Prei­sen um 115 $.

Das Öl­feld im kur­di­schen Taw­ke för­dert 50 000 Fass pro Tag. Die sai­so­na­le Nach­fra­ge nach Roh­öl wird heu­er be­son­ders hoch aus­fal­len.

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