Vor der Fed-sit­zung

ÜBER­SICHT Auf und ab zwi­schen gu­ten Wirt­schafts­da­ten und Un­si­cher­heit

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen gu­ten Wirt­schafts­da­ten und der Un­si­cher­heit, wie es mit der US-Geld­po­li­tik wei­ter­geht, wa­ren die Ak­ti­en­märk­te die­se Wo­che von star­kem Auf und Ab ge­prägt. Nach ei­nem schwa­chen Wo­chen­be­ginn dreh­ten die In­di­zes am Don­ners­tag ins Plus, nach­dem Da­ten die Stär­ke der US-Wirt­schaft un­ter­mau­ert hat­ten. Der Um­satz im Ein­zel­han­del stieg im Mai stär­ker als von den meis­ten Ex­per­ten er­war­tet. Auch mel­de­ten sich letz­te Wo­che fast 20 000 Men­schen we­ni­ger ar­beits­los als im Durch­schnitt der vier Wo­chen zu­vor.

Der S&P 500 leg­te seit Mitt­woch 1,6% zu und lag da­mit nur noch 0,3% un­ter dem Ni­veau von An­fang der Wo­che. Auch die eu­ro­päi­schen Bör­sen konn­ten seit Don­ners­tag ei­ni­ge ih­rer Ver­lus­te aus der ers­ten Wo­chen­hälf­te wett­ma­chen. Den­noch ver­lor der Dax von Mon­tag bis Frei­tag­nach­mit­tag 1,3%, der SMI 1,6%. Der Eu­ro wer­te­te ge­gen­über dem Dol­lar leicht auf und no­tier­te am Frei­tag bei 1.3310 $/€. Der Yen set­ze sei­nen Hö­hen­flug fort und han­del­te zum ers­ten Mal seit An­fang April un­ter 95 Yen/$. Der star­ke Zins­an­stieg, der An­le­ger in den letz­ten Wo­chen in Atem hielt, wur­de vor­erst ge­stoppt. Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen san­ken leicht, auf 2,11 (US-Tre­a­su­ries) und 0,77% («Eid­ge­nos­sen»).

Ver­schnauf­pau­se

Zwar ver­schaff­ten die er­freu­li­chen Wirt­schafts­da­ten den An­le­gern ei­ne Ver­schnauf­pau­se, das be­stim­men­de The­ma bleibt je­doch die dro­hen­de Re­duk­ti­on der Bon­dkäu­fe durch die US-No­ten­bank (Fed). Nach wie vor kauft sie Mo­nat für Mo­nat An­lei­hen im Wert von 85 Mrd. $. Doch ei­ne ge­stärk­te USWirt­schaft soll­te auch oh­ne die­se zu­sätz­li­che Sti­mu­lie­rung aus­kom­men. Zu­dem un­ter­stützt das Fed

Wech­sel­kurs und Roh­stof­fe die Wirt­schaft wei­ter durch ei­nen re­kord­tie­fen Leit­zins. Ei­ne Re­duk­ti­on der Käu­fe in die­sem Jahr ist aber un­wahr­schein­lich, da die La­ge da­für noch zu we­nig sta­bil ist. Die mo­nat­li­che Fed-Sit­zung nächs­ten Mitt­woch wird hof­fent­lich mehr Klar­heit brin­gen.

Ak­ti­en in Schwel­len­län­dern ga­ben wei­ter nach. Der MSCI Emer­ging Mar­ket In­dex ver­lor in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che 3,7%. Die Welt­bank senk­te ih­re Wachs­tums­pro­gno­se für Schwellenländer 2013 von 5,5 auf 5,1% – im­mer noch deut­lich mehr als die 1,2%, die für In­dus­trie­staa­ten vor­her­ge­sagt wer­den, aber wohl we­ni­ger als An­le­ger er­hofft hat­ten.

Grie­chen­land wur­de vom In­dex­an­bie­ter MSCI als ers­tes Land über­haupt aus dem In­dex für ent­wi­ckel­te Märk­te in den In­dex für «auf­stre­ben­de Märk­te» zu­rück­ge­stuft. Der Schritt un­ter­streicht, dass die Ent­wick­lung ei­nes Lan­des nicht un­be­dingt ei­ner Ein­bahn­stras­se glei­chen muss. Mit Ka­tar und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten ( VAE) wur­den aber auch zwei Län­der in den Club der auf­stre­ben­den Märk­te ge­ho­ben. Die lo­ka­len Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten er­freut und bau­ten ih­re Ge­win­ne aus. Seit An­fang Mai sind Ak­ti­en aus Ka­tar um 9 und aus den VAE um fast 12% ge­stie­gen.

Ja­pan un­ter Druck

We­ni­ger gut er­ging es zu­letzt Aus­tra­li­en, des­sen Schick­sal als Roh­stoff­lie­fe­rant zu ei­nem gu­ten Teil vom Wirt­schafts­wachs­tum der Schwellenländer und ih­rer Nach­fra­ge ab­hängt. Sinkt dort der Hun­ger nach Ei­sen, Koh­le und Kup­fer, dann lei­det die aus­tra­li­sche Wirt­schaft. Den­noch konn­te der aus­tra­li­sche Dol­lar sei­ne Tal­fahrt vor­erst stop­pen und klet­ter­te auf 0.9630 $/aus­tr. $. Ei­ne Trend­wen­de für die aus­tra­li­sche Wirt­schaft ist je­doch nicht in Sicht.

Auch Ja­pan bleibt un­ter Druck. An­le­ger ver­lie­ren das Ver­trau­en in den Er­folg der Sti­mu­lie­rungs­ver­su­che. Nach­dem die Re­gie­rung am Mitt­woch De­tails ih­rer neu­en Wachs­tums­stra­te­gie be­kannt gab, mach­te sich Er­nüch­te­rung breit. Die Markt­teil­neh­mer ver­miss­ten wich­ti­ge Be­stand­tei­le, et­wa tie­fe­re Un­ter­neh­mens­steu­ern. Un­ter dem Na­men «Ja­pan ist zu­rück» möch­te Pre­mier­mi­nis­ter Abe das rea­le Wirt­schafts­wachs­tum von ge­gen­wär­tig 0,4 auf 2% an­kur­beln. Vor­läu­fig sind aber vor al­lem die ja­pa­ni­schen Ak­ti­en «zu­rück» – und zwar auf dem Ni­veau von An­fang April – fast 20% un­ter dem Hoch von Mit­te Mai. Die­se Wo­che büss­te der Nik­kei 1,5% ein.

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