Pal­la­di­um statt Gold?

EDEL­ME­TAL­LE Fi­nanz­in­ves­to­ren ent­de­cken zy­kli­sche und spe­ku­la­ti­ve Edel­me­tal­le

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - THO­MAS STA­DEL­MANN

Der Goldpreis muss­te in die­sem Jahr deut­lich Fe­dern las­sen: Seit An­fang Jahr hat er 17% ein­ge­büsst. Da­ge­gen konn­te sich das zy­kli­sche­re Pal­la­di­um mit ei­nem An­stieg von über 6% in Dol­lar doch deut­lich dis­tan­zie­ren. Zwi­schen­zeit­lich lag das silb­rig-weis­se Me­tall so­gar über 10% im Plus. Pal­la­di­um konn­te in die­sem Jahr des­halb zu­neh­mend das In­ter­es­se der Fi­nanz­in­ves­to­ren auf sich zie­hen.

An­ders als bei Gold, wo der in­dus­tri­el­le Be­darf re­la­tiv un­be­deu­tend ist, spielt er bei Pal­la­di­um ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Zählt man die Schmuck­in­dus­trie hin­zu, wer­den über 90% der Pro­duk­ti­on für die Gü­ter­her­stel­lung be­nö­tigt. Der we­sent­lichs­te Trei­ber ist die zu­letzt ge­stie­ge­ne Nach­fra­ge nach Ka­ta­ly­sa­to­ren. Sie steht für rund zwei Drit­tel der Ge­samt­nach­fra­ge. Ge­mäss Be­rich­ten des bri­ti­schen Pal­la­di­um­ver­ar­bei­ters John­son Mat­t­hey hat die Nach­fra­ge im letz­ten Jahr auf Jah­res­ba­sis um 16% an­ge­zo­gen. Sie soll­te auch künf­tig ro­bust blei­ben. Ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­den Um­welt­auf­la­gen und sich er­ho­len­den Au­to­mo­bil­märk­ten in Chi­na, Ja­pan und den USA be­lebt die Pal­la­di­um­nach­fra­ge spür­bar.

Im ak­tu­el­len Um­feld hat sich auch die Furcht vor ei­ner dro­hen- den An­ge­bots­knapp­heit zu­sätz­lich po­si­tiv auf den Pal­la­di­um­preis aus­ge­wirkt. Wäh­rend die Gold­pro­duk­ti­on auf meh­re­re Län­der ver­teilt ist, ist das Pal­la­di­um­an­ge­bot auf we­ni­ge Län­der kon­zen­triert. Haupt­pro­du­zen­ten sind Süd­afri­ka und Russ­land, die zu­sam­men 80% des welt­wei­ten An­ge­bots aus­ma­chen. Ent­spre­chend grös­ser ist das An­ge­bots­ri­si­ko, wenn ei­nes die­ser bei­den Pro­du­zen­ten­län­der ei­nen Aus­fall zu be­kla­gen hat.

Ne­ben Streiks der Mi­nen­ar­bei­ter und ge­ne­rell stei­gen­den Pro­duk­ti­ons­kos­ten in Süd­afri­ka sind es vor al­lem die in­trans­pa­ren­ten rus­si­schen La­ger­be­stän­de, die am Markt für Kurs­fan­ta­sie ge­sorgt ha­ben. In der Ver­gan­gen­heit wa­ren es rus­si­sche Alt­be­stän­de, die jähr­lich zu­sätz­li­che 10% des An­ge­bots stell­ten. Die­ses An­ge­bot droht nun zu­neh­mend aus­zu­trock­nen, was wie­der­um die Spe­ku­lan­ten auf den Plan ge­ru­fen hat. Russ­land gibt sich dies­be­züg­lich be­deckt. Es ist da­her un­mög­lich ab­zu­schät­zen, ob die La­ger­be­stän­de nun wirk­lich zu En­de ge­hen oder ob es sich le­dig­lich um ein Ge­rücht han­delt.

Der Preis­an­stieg der letz­ten Wo­chen wirk­te wie ein Ma­gnet. Jüngst ist des­halb viel spe­ku­la­ti­ves Geld in den en­gen Pal­la­dium­markt ge­flos­sen. Das hat die Preis- stei­ge­run­gen wei­ter be­feu­ert. Die welt­wei­ten Zuflüs­se in die An­la­ge­ge­fäs­se für Pal­la­di­um ha­ben seit Jah­res­be­ginn deut­lich zu­ge­nom­men und ver­har­ren auf ho­hem Ni­veau. Auf die täg­li­che Nach­rich­ten­la­ge weit sen­si­ti­ver re­agiert hat auch der Fu­tures-Markt, wo die Net­to-Long-Kon­trak­te zu Be­ginn des Jah­res förm­lich ex­plo­diert sind und sich im lang­jäh­ri­gen Ver­gleich noch im­mer ei­ner ho­hen Be­liebt­heit er­freu­en.

Auch wenn die Kom­bi­na­ti­on aus wach­sen­der Nach­fra­ge und nicht ver­nach­läs­sig­ba­ren An­ge­bots­ri­si­ken ei­nen hö­he­ren Pal­la­di­um­preis recht­fer­tigt, ist der jüngst star­ke Preis­an­stieg doch vor al­lem auch spe­ku­la­tiv be­dingt. An­ders als der Gold­markt ist der Pal­la­dium­markt klein und re­la­tiv il­li­quid. Die Ver­gan­gen­heit hat ge­zeigt, dass der Pal­la­di­um­preis des­halb ge­gen­über an­de­ren Edel­me­tal­len wie Gold deut­lich grös­se­ren Schwan­kun­gen un­ter­liegt. Pal­la­di­um eig­net sich des­halb nur für An­le­ger, die na­he am Markt sind und die Ge­scheh­nis­se eng ver­fol­gen. Als Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­ele­ment hat das zy­kli­sche Pal­la­di­um – im Ge­gen­satz zu Gold – im Port­fo­lio nichts zu su­chen.

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