Bru­n­et­ti und «Lex USA»

SCHWEIZ Lässt sich die SP ih­re Zu­stim­mung zur «Lex USA» mit Fi­nanz­platz-kon­zes­sio­nen er­kau­fen?

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS WYSS

Nach­dem der Na­tio­nal­rat es ab­ge­lehnt hat, auf die «Lex USA» ein­zu­tre­ten, liegt der Ball nun wie­der beim Stän­de­rat. Di­rekt­kon­tak­te mit den USA könn­ten doch noch zu ei­nem The­ma wer­den (vgl. «Fi­nanz und Wirt­schaft» Nr. 46 vom 15. Ju­ni).

Si­cher ist, dass die­ses Vor­ge­hen ziel­füh­ren­der wä­re, als sich auf ei­nen po­li­ti­schen Kuh­han­del mit der SP ein­zu­las­sen. Die­se könn­te ih­re Zu­stim­mung zur «Lex USA» mit Zu­ge­ständ­nis­sen in der Finanzplatzstrategie des Bun­des er­kau­fen las­sen – in­dem ein Zu­sam­men­hang her­ge­stellt wird zwi­schen der «Lex USA» und den am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Emp­feh­lun­gen der Ex­per­ten­grup­pe Bru­n­et­ti.

Die­ser Link war vom Staats­ra­dio SRF ins Spiel ge­bracht wor­den. Die Idee war, dass nach dem Zu­ge­ständ­nis zu ei­nem glo­ba­len In­for­ma­ti­ons­aus­tausch durch den Bun­des­rat die SP der «Lex USA» zu­stim­men wür­de. Nach­dem der Na­tio­nal­rat den Ge­setz­ent­wurf an den Bun­des­rat zu­rück­ge­wie­sen hat­te, kom­men­tier­ten die­sel­ben Krei­se so­fort, die Ver­bin­dung zwi­schen Bru­n­et­tis Finanzplatzstrategie und der «Lex USA» sei im Par­la­ment «noch nicht» her­ge­stellt wor­den.

«Mu­ti­ge Ent­schei­de» ge­fragt

«Noch nicht» des­halb, weil der Bun­des­rat nicht so auf den Bru­n­et­ti-Be­richt re­agiert hat­te, wie sich dies die So­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei er­hofft hat­te. «SP be­grüsst Bru­n­et­ti-Be­richt, ver­misst aber mu­ti­ge Ent­schei­de», hiess es im SP-Pres­se­dienst. Die Po­si­tio­nie­rung des Bun­des­rats sei nur halb­her­zig und zö­ger­lich. «Der Bun­des­rat will trotz kla­ren Aus­sa­gen des Be­richts zu­war­ten und äus­sert sich ins­be­son­de­re nicht zur Fra­ge, ob die­se ak­ti­ve Stra­te­gie auch ge­gen­über der EU gel­ten soll.» Dies sei «un­um­gäng­lich».

Die Hoff­nung der SP war dem­nach, dass der Bun­des­rat den Bru­n­et­ti-Be­richt durch­win­ken wür­de. Das war nicht der Fall. Ei­lends muss­te das be­reits vom Fi­nanz­de­par­te­ment vor­be­rei­te­te Com­mu­ni­qué um­ge­schrie­ben wer­den. Der im bes­ten Po­li­ti­ker- und Be­am­ten­jar­gon ab­ge­fass­te Text sagt viel. So ist von ei­nem «ers­ten Be­richt» die Re­de, was zwin­gend heisst, dass wei­te­re fol­gen müs­sen. Das wird mit der Aus­sa­ge un­ter­stri­chen, es sei­en «wei­te­re Ar­bei­ten» durch ei­ne breit ab­ge­stütz­te Ex­per­ten­grup­pe not­wen­dig.

Dass die neue Grup­pe «breit ab­ge­stützt» sein soll, heisst, dass die Ex­per­ten­grup­pe Bru­n­et­ti (oh­ne Ban­ken­ver­tre­tung) das eben nicht war. Und wenn der Bun­des­rat nun vom Fi­nanz­de­par­te­ment ei­nen «Man­dats­ent­wurf» und ei­nen Vor­schlag für die «Zu­sam­men­set­zung der Ar­beits­grup­pe» ver­langt, be­deu­tet das: zu­rück an den Ab­sen­der. Das Sze­na­rio, die SP könn­te mit Ver­weis auf den Bru­n­et­ti-Be­richt die Po­si­ti­on än­dern, scheint aus heu­ti­ger Sicht un­wahr­schein­lich zu sein. Doch in der Po­li­tik soll man nie­mals nie sa­gen. So­ge­nann­te «neue Er­kennt­nis­se» recht­fer­ti­gen je­de Po­si­ti­ons­än­de­rung.

Amts­hil­fe­ver­fah­ren im Fo­kus

Im Bru­n­et­ti-Be­richt sind Aspek­te ent­hal­ten, die durch­aus nach dem Gus­to der SP sind und se­pa­rat um­ge­setzt wer­den könn­ten. Zu er­wäh­nen ist in die­sem Kon­text das Amts­hil­fe­ver­fah­ren, das von Mit­glie­dern der Ex­per­ten­grup­pe Bru­n­et­ti schon et­was de­spek­tier­lich als «Rolls-Roy­ceVer­fah­ren» be­zeich­net wor­den ist – und vom Glo­bal Fo­rum kri­ti­siert wird.

Im Ex­per­ten­be­richt steht da­zu, es müs­se «rasch» ei­ne Aus­nah­me­be­stim­mung bei der No­ti­fi­ka­ti­on in der Steu­er­amts­hil­fe er­ar­bei­tet wer­den. «Da­bei soll auch die Mög­lich­keit ge­prüft wer­den, ob in ei­ner Über­gangs­frist zur Be­schleu­ni­gung ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung als Rechts­grund­la­ge er­stellt wer­den soll.» Ziel muss es ge­mäss Bru­n­et­ti sein, im Herbst 2013 die zwei­te Pha­se des Peer Re­view des OECD Glo­bal Fo­rum zu er­rei­chen.

Im Kl­ar­text: Die Be­trof­fe­nen sol­len zu­künf­tig nicht mehr in­for­miert wer­den, dass sie Ge­gen­stand ei­nes Amts­hil­fe­ver­fah­rens sind. Und sie sol­len so­mit auch nicht ge­gen die Wei­ter­ga­be ih­rer Da­ten Ein­spra­che er­he­ben kön­nen – ob­wohl das Be­schrei­ten des Rechts­wegs in der Bun­des­ver­fas­sung ga­ran­tiert ist.

Der Na­tio­nal­rat hat die «Lex USA» am Di­ens­tag an den Bun­des­rat zu­rück­ge­wie­sen.

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