Exo­dus der Aus­land­ban­ken aus der Schweiz

SCHWEIZ Star­ker An­stieg der Wert­be­rich­ti­gun­gen und Rück­stel­lun­gen – Har­zi­ge Ent­wick­lung der ver­wal­te­ten Ver­mö­gen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

Trotz be­trächt­li­cher Ab­flüs­se auf­grund der Steu­er­the­ma­tik konn­ten die In­sti­tu­te als Grup­pe im­mer­hin 1 Mrd. Fr. Neu­geld ver­bu­chen. Al­ler­dings ist ge­gen­über dem Vor­jahr, als net­to 7 Mrd. Fr. zu­flos­sen, ei­ne deut­li­che Ver­lang­sa­mung ein­ge­tre­ten. Zu­dem sind die Un­ter­schie­de zwi­schen den In­sti­tu­ten gross. Zum Ver­gleich: Die zur Grup­pe der Aus­land­ban­ken ge­hö­ren­de BSI al­lein wies 2012 ei­nen Net­to­neu­geld­zu­fluss von 7,5 Mrd. Fr. aus.

Die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen der Aus­land­ban­ken stie­gen 16% auf rund 1000 Mrd. Fr. Doch fi­nan­zi­ell hat sich ih­re La­ge nicht ver­bes­sert. Ob­wohl der Er­trag stieg, sank der Ge­winn. Grund da­für sind die teil­wei­se mas­siv er­höh­ten Kos­ten un­ter dem Ti­tel «Wert­be­rich­ti­gun­gen, Ab­schrei­bun­gen und Rück­stel­lun­gen». Sie wei­sen dar­auf hin, wie sehr die Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung auf für die Aus­land­ban­ken ein The­ma ist. Ins­ge­samt ist die Po­si­ti­on um 13% auf 960 Mio. Fr. ge­stie­gen.

Die HSBC Pri­va­te Bank (Suis­se), die in Steu­er­sa­chen so­wohl in Frank­reich wie in den USA un­ter Druck steht, er­höh­te im letz­ten Ge­schäfts­jahr die Po­si­ti­on Ab­schrei­bun­gen, Wert­be­rich­ti­gun­gen, Rück­stel­lun­gen und Ver­lus­te um über 100 Mio. auf 154 Mio. Fr. Trotz­dem konn­te die grösste aus­län­disch be­herrsch­te Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­bank ein Ge­winn­plus aus­wei­sen. Ei­ne Er­hö­hung der ge­nann­ten Kos­ten­po­si­ti­on um im­mer­hin 19 Mio. Fr. auf 146 Mio. ver­zeich­ne­te auch die BSI. Bei ihr fällt auf, dass das Ge­winn­plus mit ei­ner Auf­lö­sung der Re­ser­ven für all­ge­mei­ne Ban­k­ri­si­ken ein­her­ging.

Un­ter­schied­lichs­te Re­sul­ta­te

Die Zah­len des Ver­bands zei­gen ein durch­zo­ge­nes Er­geb­nis. Nach­dem die Er­trags­la­ge der Aus­land­ban­ken auf Stu­fe Brut­to­ge­winn zwei Jah­re in Fol­ge mas­siv rück­läu­fig ge­we­sen war (–23%, –14%), re­sul­tier­te 2012 vor al­lem dank hö­he­rer Kom­mis­si­ons­ein­nah­men beim Brut­to­ge­winn ein Plus von 13%. Wie Mar­tin Mau­rer, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands der Aus­land­ban­ken, an der Me­di­en­kon­fe­renz aus­führ­te, ist die Zahl aus­län­disch be­herrsch- ter Schwei­zer Ban­ken er­neut zu­rück­ge­gan­gen, und zwar von 145 auf 129 von An­fang 2012 bis En­de Mai 2013. Mau­rer wie­der­hol­te in die­sem Zu­sam­men­hang die Kri­tik des Aus­land­ban­ken­ver­bands an der Fin­ma, wo­nach die­se ei­ne ver­schärf­te Zu­las­sungs­pra­xis an­wen­de, was Neu­ein­trit­te er­schwe­re. Als stö­rend wird ins­be­son­de­re emp­fun­den, dass ein­zel­ne Li­zenz­ver­ga­ben mit un­kla­rer Be­grün­dung meh­re­re Jah­re hän­gig blie­ben und dass nie­der­las­sungs­wil­li­gen In­sti­tu­ten auch schon emp-

Die gröss­ten Aus­land­ban­ken foh­len wor­den sei, zu­erst ei­ne Bank in Lon­don zu grün­den. Die Fin­ma hat die­se Vor­wür­fe ge­ne­rell be­reits zu­rück­ge­wie­sen und im Ein­zel­nen nicht kom­men­tiert.

Im­mer we­ni­ger

Der Ader­lass der Aus­land­ban­ken hält an. Als Kon­so­li­die­re­rin hat sich zu­letzt die Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­te­rin Uni­on Ban­cai­re Pri­vée her­vor­ge­tan. Sie hat vor we­ni­gen Wo­chen das Pri­va­te-Ban­king-Ge­schäft der bri­ti­schen Lloyds für rund 117 Mio. € ge­kauft. Be­reits ein­ver­leibt wur­den das Pri­va­te Ban­king von ABN Am­ro und Tei­le des Schwei­zer Ge­schäfts von Santan­der. Der spa­ni­sche Ban­ken­rie­se be­rei­nigt sein Off­s­hore-Ge­schäft in der Schweiz. Wer künf­tig nicht von Ma­drid aus be­treut wer­den will, soll zur UBP. «Die Neu­po­si­tio­nie­rung des We­alth Ma­nage­ment macht ei­nen gros­sen Tur­naround nö­tig», er­klär­te Ver­bands­prä­si­dent Al­f­re­do Gy­si. In die­sem Zu­sam­men­hang voll­zo­ge­ne Ber­ei­ni­gun­gen zei­gen sich in den Zah­len. So ist der Ge­winn der Ban­co Santan­der (Suis­se) 2012 um 46% auf 164 Mio. Fr. ge­sun­ken.

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