Co-op ist der Bail-in-test­fall

GB

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - CP,

Wie­der ist ei­ne bri­ti­sche Bank ge­schei­tert. Dies­mal heisst sie Co-Ope­ra­ti­ve Bank, und sie be­nö­tigt 1,5 Mrd. £ (2,2 Mrd. Fr.). Sie ge­hört zu den sie­ben gröss­ten Ban­ken in Grossbritannien und ist Teil der Co­Ope­ra­ti­ve-Grup­pe, ei­ner Ge­nos­sen­schaft, die Le­bens­mit­tel­lä­den, Rei­se­bü­ros und Be­stat­tungs­in­sti­tu­te führt.

An­ders als bei den bis­he­ri­gen Ban­kret­tun­gen in Grossbritannien wer­den kei­ne Staats­mit­tel zum Zug kom­men. Der Fall Co-Op wird da­mit zu ei­nem Test­fall für die in der EU an­ge­streb­te har­mo­ni­sier­te Ab­wick­lung un­ter­ka­pi­ta­li­sier­ter Ban­ken.

Ge­sucht: 1,5 Mrd. £

Wie kam es da­zu, dass ei­ne lang­wei­li­ge und als vor­sich­tig gel­ten­de Ge­nos­sen­schafts­bank der­art un­ter­ka­pi­ta­li­siert ist? Es be­gann mit der Über­nah­me der Ge­nos­sen­schafts­bank Bri­tan­nia im Jahr 2009. Co-Op durch­leuch­te­te of­fen­bar die Bü­cher nicht gründ­lich ge­nug, je­den­falls stie­gen die Kre­dit­aus­fäl­le in den über­nom­me­nen Port­fo­li­os 2012 dras­tisch, das Fi­nanz­jahr der Co-Op Bank en­de­te mit ei­nem Ver­lust. Der Re­gu­la­tor ver­lang­te ge­mäss «Ti­mes» ei­nen Stress­test, der ei­ne Ka­pi­tal­lü­cke aus­fin­dig mach­te. War­um trotz­dem die lau­fen­de Ver­hand­lung zur Über­nah­me von gut 630 Fi­lia­len des teil­ver­staat­lich­ten Kon­kur­ren­ten Lloyds Ban­king wei­ter­ging, bleibt ein Rät­sel. An­fang Mai kürz­te dann die Ra­tin­ga­gen­tur Moo­dy’s die Bo­ni­täts­no­te um sechs Ein­hei­ten auf Ba3 ( Junk), der CEO ver­liess die Bank.

Am Mon­tag hat nun die neue Füh­rung die Re­ka­pi­ta­li­sie­rungs­plä­ne vor­ge­stellt. 1 Mrd. £ soll aus ei­ner Re­struk­tu­rie­rung stam­men. Ob­li­ga­tio­nä­ren mit nach­ran­gi­gen An­lei­hen wird an­ge­bo­ten, ih­re Pa­pie­re in neu ge­schaf­fe­ne und der­einst ko­tier­te Ak­ti­en der Bank so­wie Ob­li­ga­tio­nen der Grup­pe um­zu­tau­schen. Die rest­li­chen 500 Mio. kom­men von der Ge­nos­sen­schafts­grup­pe, die den Er­lös aus dem Ver­kauf der Ver­si­che­rungs­ak­ti­vi­tät in­ves­tiert. Moo­dy’s hat dar­auf­hin das Ra­ting der Bank auf Caa1 ge­senkt.

Der Fall Co-Ope­ra­ti­ve Bank dürf­te für vie­le eu­ro­päi­sche In­ves­to­ren als Rand­no­tiz be­trach­tet wer­den. Tat­säch­lich ist die Re­struk­tu­rie­rung, die auf Druck des Re­gu­la­tors statt­fin­det, aber ein mög­li­cher Test­fall für die ge­plan­te EU-Bail-in­Ab­wick­lung von Ban­ken. Für die Ban­ken­uni­on in­ner­halb der Eu­ro­zo­ne ist ein ein­heit­li­ches Ab­wick­lungs­pro­ze­de­re gar ein Stütz­pfei­ler (vgl. FuW vom 22. Mai).

Er­folg nicht ga­ran­tiert

Als obers­tes Ziel der Ab­wick­lung gilt seit der Fi­nanz­kri­se, dass kei­ne Steu­er­gel­der für die Ret­tung von Ban­ken ris­kiert wer­den. Da­her müs­sen erst al­le pri­va­ten Mit­tel, al­so Ak­ti­en- und An­lei­hen­ka­pi­tal so­wie un­ver­si­cher­te Ein­la­gen, in die Re­struk­tu­rie­rung ein­be­zo­gen wer­den. Im Fall von Co-Op be­zah­len die Gläu­bi­ger der nach­ran­gi­gen An­lei­hen; sie fol­gen in der Ka­pi­tal­hier­ar­chie auf Ak­ti­en.

Die­ses Vor­ge­hen ist nur mög­lich, weil es nicht ei­ne sys­tem­kri­ti­sche Bank ist und weil sich das Fi­nanz­sys­tem nicht in ei­ner Kri­se be­fin­det. Aber die Re­struk­tu­rie­rung hat Schwä­chen: Es bleibt un­klar, ob über­haupt ge­nü­gend Ka­pi­tal aus dem Um­tausch zu­sam­men­kommt. Denn Um­tausch­de­tails wer­den erst im Ok­to­ber be­kannt; das ver­un­si­chert die Gläu­bi­ger, wo­zu auch Ein­le­ger und Spa­rer ge­hö­ren. Dar­um ist das Bail-in bei Co-Op ein Test. Ob er ge­lingt, ist un­ge­wiss.

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