Zur Per­son

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - PM INTERVIEW: PE­TER MORF UND ARNO SCHMO­CKER

Mit dem Fran­zo­sen Ber­nard Fon­ta­na ist erst­mals ein Aus­län­der CEO des füh­ren­den Ze­ment­kon­zerns ge­wor­den. Sei­ne Fa­mi­lie stammt ur­sprüng­lich al­ler­dings aus dem Tes­sin. Der 52-jäh­ri­ge Fon­ta­na ist In­ge­nieur mit Ab­schluss­di­plom der Eco­le Po­ly­tech­ni­que und der Eco­le Na­tio­na­le Su­pé­ri­eu­re des Tech­ni­ques avan­cées in Pa­ris. Er star­te­te die Kar­rie­re 1986 in der fran­zö­si­schen Che­mie­grup­pe SNPE. Fon­ta­na nahm im Un­ter­neh­men ver­schie­de­ne Füh­rungs­funk­tio­nen wahr und avan­cier­te 2001 zum Mit­glied der Kon­zern­lei­tung. Drei Jah­re da­nach wech­sel­te er zum Stahl­gi­gan­ten Ar­cel­orMit­tal, wo er rasch in die Füh­rungs­ver­ant­wor­tung ein­ge­bun­den wur­de. Nach nur zwei Jah­ren wur­de er in die Kon­zern­lei­tung be­ru­fen. 2010 wur­de Fon­ta­na CEO von Ape­ram, ei­nem von Ar­cel­orMit­tal ab­ge­spal­te­nen Un­ter­neh­men. Seit 1. Fe­bru­ar 2012 lei­tet er Hol­cim ope­ra­tiv. gros­sen Ein­fluss auf die gan­ze Grup­pe ha­ben – auch in ne­ga­ti­ver Hin­sicht. Der in­di­sche Markt ist we­gen des un­ter­schied­li­chen Wachs­tums und des Monsuns an­fäl­lig für Schwan­kun­gen. Der Mon­sun drück­te zu Jah­res­en­de und -be­ginn auf das Er­geb­nis. Das in ei­ner Zeit, in der das Brut­to­in­land­pro­dukt 5,2% wuchs, was für uns Eu­ro­pä­er hoch an­mu­tet, für In­di­en aber eher be­schei­den ist. Für das gan­ze Jahr sind wir zu­ver­sicht­lich, zu­mal die Re­gie­rung kon­junk­tur­sti­mu­lie­ren­de Mass­nah­men an­ge­ord­net hat. Mit vor­über­ge­hen­den Wachs­tums­schwä­chen muss man in In­di­en le­ben kön­nen. Die Kor­rek­tu­ren be­we­gen sich je­doch auf ei­nem ho­hen Ni­veau. In­di­en bleibt ein sehr in­ter­es­san­ter, wach­sen­der Markt. Der an­de­re gros­se Wachs­tums­markt ist Chi­na. Dar­über spricht Hol­cim im Ver­gleich zu an­de­ren Schwei­zer Un­ter­neh­men we­nig. Wir sind über ein Jo­int Ven­ture mit Hua­xin in Chi­na prä­sent. Wir hal­ten am Un­ter­neh­men 42%, wes­halb wir es nicht in un­se­rer Rech­nung kon­so­li­die­ren. Chi­na ist im ver­gan­ge­nen Jahr ge­wach­sen, wenn auch et­was we­ni­ger als pro­gnos­ti­ziert. Hua­xin stei­ger­te das Vo­lu­men um 8%. Chi­na ist für die Ze­ment­bran­che sehr wich­tig, fast zwei Drit­tel des welt­wei­ten Ze­ment­kon­sums ent­fal­len auf das Land. Hua­xin ist ein re­gio­na­ler An­bie­ter im Wes­ten und im Zen­trum Chi­nas. Da be­steht ein gros­ser Be­darf an In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen. Das Un­ter­neh­men will an der Kon­so­li­die­rung der Bran­che teil­neh­men, die auch von der Re­gie­rung ge­för­dert wird. Ha­ben Sie über Hua­xin hin­aus Wachs­tums­plä­ne in an­de­ren Tei­len von Chi­na? Wir un­ter­stüt­zen Hua­xin und ih­re Stra­te­gie. Das Un­ter­neh­men ist un­ser Wachs­tums­ve­hi­kel in Chi­na. Sie ha­ben von den Vor­tei­len der auf­stre­ben­den Re­gio­nen ge­spro­chen. Wie ge­hen Sie mit po­li­ti­schen Ri­si­ken um? Ein Bei­spiel war die Ver­staat­li­chung der Ze­ment­in­dus­trie in Ve­ne­zue­la. Das gros­se Pro­blem in den ver­gan­ge­nen Jah­ren war, dass die Ka­pi­tal­kos­ten nicht ver­dient wur­den. Wie steht es 2013 da­mit? Ge­mäss un­se­rem Plan wer­den wir die Ka­pi­tal­kos­ten erst im nächs­ten Jahr ver­die­nen. Wir möch­ten wei­ter wach­sen, aber mit ei­ner hö­he­ren Ren­di­te auf dem in­ves­tier­ten Ka­pi­tal. Was war der Haupt­grund für die un­ge­nü­gen­de Ren­ta­bi­li­tät in den ver­gan­ge­nen Jah­ren? In­ves­tier­te Hol­cim zu viel? Die Hälf­te des Be­triebs­ka­pi­tals ist in ge­sät­tig­ten Märk­ten, al­so in Nord­ame­ri­ka und Eu­ro­pa, in­ves­tiert. Die­se Re­gio­nen wur­den vom wirt­schaft­li­chen Ab­schwung be­ein­träch­tigt. Die Wer­ke wa­ren un­ge­nü­gend aus­ge­las­tet. Das hat sich in den USA ge­än­dert. In den auf­stre­ben­den Län­dern hin­ge­gen ist und bleibt die Ka­pi­tal­ren­di­te über­durch­schnitt­lich. Wer­den künf­tig In­ves­ti­tio­nen aus dem Cash­flow fi­nan­ziert? Nicht nur das. 2012 ha­ben wir die Net­to­ver­schul­dung um mehr als 1 Mrd. Fr. re­du­ziert. Und mit Le­a­dership Jour­ney er­war­ten wir ein hö­he­res Cash­flow-Ni­veau. Soll­te sich die Ge­le­gen­heit ei­ner grös­se­ren Über­nah­me er­ge­ben, ist ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung nicht aus­ge­schlos­sen. Aber der Zu­kauf müss­te klar auch Ak­tio­närs­wert schaf­fen. Wie steht es auf der an­de­ren Sei­te mit De­ves­ti­tio­nen? Wir ha­ben in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren im­mer wie­der de­ves­tiert, oft han­del­te es sich um ei­ne Re­duk­ti­on des Ka­pi­tal­an­teils an Ge­sell­schaf­ten. Wir wer­den das wei­ter­hin se­lek­tiv tun. Was spricht grund­sätz­lich für ein In­vest­ment in Ze­men­tak­ti­en? Die Welt­be­völ­ke­rung wächst, die Ver­städ­te­rung nimmt zu – und da­mit der Ze­ment­ver­brauch. Wir wol­len mit­wach­sen, aber mehr als frü­her die Ren­di­te auf dem in­ves­tier­ten Ka­pi­tal be­ach­ten. Wenn wir un­se­re Zie­le mit Le­a­dership Jour­ney er­rei­chen, müss­te un­ser Ak­ti­en­kurs an der Bör­se deut­lich hö­her no­tie­ren. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Hol­cim im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/

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