Fuchs Pe­trolub ist an­ders ge­strickt

DEUTSCH­LAND CEO Ste­fan Fuchs zu­ver­sicht­lich – Ak­ti­en at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/FINANZ - ADRI­AN BLUM

FFuchs Pe­trolub Vz ür die Ak­ti­en von Fuchs Pe­trolub ist nach dem Auf­schwung der letz­ten Jah­re ei­ne Ver­schnauf­pau­se an­ge­sagt. Doch die Grün­der­fa­mi­lie des Mann­hei­mer Schmier­stoff­her­stel­lers, die mit 25,85% des Ka­pi­tals 51,7% der Stim­men hält, lässt sich nicht von kurz­fris­ti­gen Über­le­gun­gen ir­ri­tie­ren: Im Mai er­warb sie Stamm­ak­ti­en im Wert von 4 Mio. €.

Ste­fan Fuchs, der das Schmier­stoff­un­ter­neh­men als CEO in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on lei­tet, er­klärt da­zu im Ge­spräch mit FuW: «Die Fa­mi­lie glaubt an ihr In­vest­ment und hat da­her ei­nen Teil der Di­vi­den­den­zah­lun­gen re­inves­tiert. Das hat kei­nen tie­fe­ren Hin­ter­grund.» Zum Ge­dan­ken, aus Ri­si­ko­er­wä­gun­gen und Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­zwe­cken den An­teil eher ab­zu­bau­en, sagt er: «Da sind wir an­ders ge­strickt. Die Fa­mi­lie ver­traut der Fir­ma und dem Ma­nage­ment.»

Für Wachs­tum ge­rüs­tet

Das spie­gelt Zu­ver­sicht, die Pro­gno­sen des Ma­nage­ments ha­ben Be­stand: Or­ga­ni­sches Wachs­tum im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich und ei­ne Stei­ge­rung der Er­geb­nis­se. «Die Prä­mis­sen da­für – im We­sent­li­chen das welt­wei­te Wirt­schafts­wachs­tum und die Ent­wick­lung der Roh­stoff­prei­se – ha­ben sich nicht ver­än­dert, so dass wir an der Pro­gno­se fest­hal­ten», führt Fuchs wei­ter auf.

Wich­tig für das wei­te­re Vor­an­kom­men des Un­ter­neh­mens sind un­ter an­de­rem die im Bau be­find­li­chen neu­en Wer­ke in Russ­land und in Chi­na. Die Früch­te dürf­ten bald zu ern­ten sein: «Wir sind sehr zu­frie­den da­mit, wie es in Russ­land vor­an­geht. Wir wer­den das neue Werk süd­lich von Moskau in Ka­lu­ga im Sep­tem­ber er­öff­nen. Zu­nächst wer­den wir Ka­pa­zi­tä­ten vom bis­he­ri­gen Werk, das ge­schlos­sen wird, dort­hin ver­la­gern und dann je nach Be­darf die Ka­pa­zi­tät mo­dul­wei­se er­hö­hen», er­läu­tert der CEO. Fuchs Pe­trolub setzt bis­her in Russ­land zwar erst 35 Mio. € um, doch es be­steht viel Po­ten­zi­al.

Mit dem Ka­pa­zi­täts­auf­bau geht die Ge­sell­schaft in Chi­na ähn­lich vor. Ei­ne al­te Pro­duk­ti­ons­stät­te wird ge­schlos­sen, so­bald das neue Werk in Ying­kou, im Nor­den Chi­nas, fer­tig­ge­stellt ist. Ri­si­ken, dass die Ka­pa­zi­tä­ten nicht ge­nutzt wer­den, be­ste­hen an­schei­nend nicht, wie Ste­fan Fuchs er­klärt: «Das Grund­stück ist fast so gross wie un­se­res in Mann­heim, die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät bau­en wir aber suk­zes­si­ve je nach Nach­fra­ge auf. Der An­teil Chi­nas am Kon­zern­um­satz wird aus­ge­hend von der­zeit rund 11% wei­ter wach­sen. Ich bin zu­frie­den mit dem Ge­schäfts­gang in Chi­na». Da­bei sei es wich­tig, nicht nur Toch­ter­ge­sell­schaf­ten west­li­cher Kon­zer­ne zu be­die­nen, son­dern auch die chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men.

Der Auf­bau von Ka­pa­zi­tä­ten ist ein­ge­bet­tet in die seit 2008 lau­fen­de Wachs­tums­in­itia­ti­ve, die nun vor dem Ab­schluss steht. Auch Ver­trieb und F&E sind ge­rüs­tet. Zu­min­dest 2013 blei­ben die In­ves­ti­tio­nen auf ho­hem Ni­veau von et­wa 60 Mio. €, was be­rei­nigt um fi­nan­zi­el­le In­ves­ti­tio­nen dem Vor­jah­res­wert ent­spricht. In den Fol­ge­jah­ren wird die In­ves­ti­ti­ons­quo­te auf et­wa 2% vom Um­satz sin­ken, was rund 35 und 40 Mio. € ent­spricht.

«Pul­ver tro­cken hal­ten»

Die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on ist lu­xu­ri­ös. Die Ei­gen­mit­tel­quo­te ist mit 70% aus­ser­ge­wöhn­lich hoch, das Un­ter­neh­men ist schul­den­frei. Ste­tig stellt sich die Fra­ge, ob im In­ter­es­se der In­ves­to­ren nicht mehr Le­ver­a­ge oder mehr Aus­schüt­tung sinn­voll wä­re. Doch Ste­fan Fuchs lässt sich nicht so leicht von sei­nem kon­ser­va­ti­ven Pfad ab­brin­gen. «Ei­ne so­li­de Bi­lanz ist in solch vo­la­ti­len Zei­ten ein ho­hes Gut», lau­tet sein Cre­do. Mit den Mit­teln kön­ne er ers­tens in das Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren und zwei­tens die Ak­tio­nä­re am Er­folg teil­ha­ben las­sen. Ei­ne wei­te­re Op­ti­on sei, das Pul­ver tro­cken zu hal­ten für den Fall, dass sich die Mög­lich­keit ei­ner Ak­qui­si­ti­on er­gibt. «Wir pla­nen der­zeit al­ler­dings kei­ne grös­se­re Über­nah­me», beugt er all­fäl­li­gen Miss­in­ter­pre­ta­tio­nen vor.

Fuchs Pe­trolub hat für 2012 mehr als 90 Mio. € Di­vi­den­de aus­ge­schüt­tet und sie so­mit zum zehn­ten Mal in Fol­ge er­höht. Po­li­tik ist, die Di­vi­den­de jähr­lich min­des­tens sta­bil zu hal­ten oder zu er­hö­hen. Für Ak­ti­en­rück­käu­fe gibt es ei­nen Vor­rats­be­schluss, es ist in die­ser Hin­sicht aber nichts ge­plant. Die Ak­ti­en sind we­gen der zahl­rei­chen po­si­ti­ven Fak­to­ren hoch be­wer­tet, für Neu­ein­stei­ger ist die Di­vi­den­den­ren­di­te eher be­schei­den.

Brei­te Ab­neh­mer­struk­tur

An­le­gern bie­tet Fuchs Pe­trolub ei­ne Men­ge Rei­ze. Spe­zia­li­sie­rungs­grad und In­no­va­ti­ons­fä­hig­keit sind hoch, die Ab­neh­mer­indus­tri­en breit ge­streut, die Po­si­tio­nen in den Wachs­tums­re­gio­nen und -märk­ten sind gut und bie­ten wei­te­res Po­ten­zi­al. Fuchs Pe­trolub ist die welt­weit grösste un­ab­hän­gi­ge Schmier­stoff­an­bie­te­rin. Ge­gen­über den meist viel klei­ne­ren An­bie­tern nutzt sie Grös­sen­vor­tei­le, ge­gen­über den Öl­gi­gan­ten spielt sie Fle­xi­bi­li­tät und Kun­den­nä­he aus. Be­lie­fert wird ein brei­tes Spek­trum von Berg­bau über Fahr­zeug-, Ma­schi­nen- und Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie bis zur Land­wirt­schaft.

Das Be­ste­hen von Ak­ti­en­ka­te­go­ri­en mit und oh­ne Stimm­recht wi­der­spricht al­ler­dings dem Zeit­geist. Ei­ne Ein­heits­ak­tie wür­de die­sen Man­gel be­sei­ti­gen und den Wert der im MDax ge­führ­ten Ti­tel ce­te­ris pa­ri­bus von 2,3 Mrd. auf et­wa 3,4 Mrd. € er­hö­hen. Doch die Fa­mi­lie hält am Be­ste­hen­den fest: «Wir si­chern mit der Kon­troll­mehr­heit die Un­ab­hän­gig­keit der Ge­sell­schaft, die ein ele­men­ta­rer Be­stand­teil des Ge­schäfts­mo­dells ist. Wir kön­nen uns auf das ope­ra­ti­ve Ge­schäft kon­zen­trie­ren», ar­gu­men­tiert Ste­fan Fuchs.

Der Er­folg gibt dem Un­ter­neh­men recht. Auch wenn die Ak­ti­en wohl noch ei­ni­ge Zeit seit­wärts ten­die­ren: Es ist schwie­rig, auf lan­ge Sicht at­trak­ti­ve­re An­la­gen zu fin­den als Fuchs Pe­trolub.

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