Ener­gie­spei­che­rung als Chan­ce für An­le­ger

IN­TER­NA­TIO­NAL Be­darf steigt mit dem Aus­bau neu­er er­neu­er­ba­rer Strom­quel­len – Po­wer-to-gas-tech­no­lo­gie viel­ver­spre­chend – Markt für Bat­te­rie­her­stel­ler for­dernd

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - CLAU­DIA CARL

Ener­gie­spei­che­rung ist ein stark wach­sen­des Ge­schäft. Vor al­lem we­gen des er­war­te­ten Zu­baus an So­larund Wind­kraft­an­la­gen welt­weit, die nur un­re­gel­mäs­sig Strom pro­du­zie­ren und oft nicht dann, wenn er be­nö­tigt wird. Aus­ser­dem muss das Strom­netz we­ni­ger stark aus­ge­baut wer­den, wenn mehr Ener­gie­spei­cher zum Ein­satz kom­men. Noch ist der Markt aber jung und vie­le Tech­no­lo­gi­en sind in ei­ner frü­hen Pha­se. An­le­ger brau­chen ei­ne ge­wis­se Ri­si­ko­fä­hig­keit.

Die Ana­lys­ten von Na­vi­gant Re­se­arch se­hen für das Ge­schäft mit Ener­gie­spei­che­rung ein Markt­vo­lu­men von über 30 Mrd. $ im Jahr 2022. Ein Teil­markt fo­kus­siert auf Re­gel- und Aus­gleich­s­ener­gie im Strom­netz. Das Spei­cher­ge­schäft für die­se Sys­tem­dienst­leis­tun­gen soll sich ge­mäss den Ana­lys­ten bis 2023 ver­zehn­fa­chen, ge­mes­sen an der in­stal­lier­ten Ka­pa­zi­tät. Das Um­satz­po­ten­zi­al wird zu die­sem Zeit­punkt auf mehr als 3,5 Mrd. $ ge­schätzt.

Auf dem Weg zur Markt­rei­fe

Noch gibt es je­doch Knack­punk­te: Ei­ne der gröss­ten Her­aus­for­de­run­gen für Ener­gie­spei­che­rung sei die Su­che nach kos­ten­güns­ti­gen Lö­sun­gen, er­klärt Na­vi­gant-Re­se­arch-Ana­lys­tin Anis­sa De­ham­na mit Blick auf die Netz­sta­bi­li­tät. Vie­len Tech­no­lo­gi­en feh­le noch die vol­le Markt­rei­fe.

Spei­cher ha­ben ge­gen­über fos­si­len Kraft­wer­ken, die kurz­fris­tig eben­falls Schwan­kun­gen im Strom­netz aus­glei­chen kön­nen, ei­nen gros­sen Vor­teil: Sie füh­ren dem Strom­sys­tem nicht nur Ener­gie zu, son­dern kön­nen ihm via Auf­la­den auch Strom ent­zie­hen. Nicht al­le Tech­no­lo­gi­en sind aber gleich gut für al­le An­wen­dun­gen ge­eig­net. Den sai­so­na­len Aus­gleich leis­tet die Was­ser­kraft mit Pump­spei­cher­wer­ken be­reits seit Jahr­zehn­ten.

Al­ler­dings wer­den Schwei­zer An­la­gen nur ei­nen Bruch­teil des eu­ro­päi­schen Be­darfs nach Strom­spei­chern de­cken kön­nen. Zum an­de­ren steht die Ren­ta­bi­li­tät der Wer­ke in Fra­ge, weil die Ein­spei­sung von sub­ven­tio­nier­ter So­lar- und Wind­kraft das Ge­schäfts­mo­dell der Ver­sor­ger auf den Kopf stellt. Die Mar­gen schrump­fen, die Gross­han­dels­prei­se keh­ren in Zei­ten be­son­ders ho­her Pro­duk­ti­on aus So­larund Wind­kraft so­gar ins Ne­ga­ti­ve.

Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­ri­en wer­den sinn­vol­ler für den kurz­fris­ti­gen Aus­gleich von Schwan­kun­gen ein­ge­setzt. In die­sem Markt tum­melt sich ei­ne Viel­zahl von Her­stel­lern, ob­wohl die Bran­che be­reits ei­ne Kon­so­li­die­rung hin­ter sich hat. Den An­bie­tern ma­chen ge­rin­ge Stück­zah­len zu schaf­fen. Auch das Schwei­zer Un­ter­neh­men Le­clan­ché, an meh­re­ren Pres­ti­ge­pro­jek­ten be­tei­ligt, ist ge­for­dert. Der Kon­zern war im Vor­jahr in ei­ne Li­qui­di­täts­kri­se ge­ra­ten und ist wei­ter dar­an, Fi­nan­zie­rungs­fra­gen zu klä­ren. Die Ak­ti­en sind für An­le-

Ak­ti­en­be­wer­tun­gen im Ge­schäft mit Ener­gie­spei­che­rung ger ri­si­ko­reich und Pro­gno­sen schwie­rig. Be­schränkt sind lang­fris­ti­ge Ein­satz­mög­lich­kei­ten für Druck­luft­spei­cher. Kom­pri­mier­te Luft wird in un­ter­ir­di­sche Ka­ver­nen oder po­rö­se Gesteins­schich­ten ge­presst. Strömt die Luft aus, treibt sie über ei­ne Tur­bi­ne ei­nen Ge­ne­ra­tor an, der Strom er­zeugt. Zu­dem gibt es nur ei­ne be­grenz­te An­zahl von Ka­ver­nen.

Pi­lot­an­la­ge in Be­trieb

Hoff­nun­gen für die lang­fris­ti­ge Spei­che­rung set­zen Ver­sor­ger in die Po­wer-toGas-Tech­no­lo­gie. Über­schüs­si­ger Strom wird als che­mi­sche Ener­gie in Form von Was­ser­stoff zwi­schen­ge­spei­chert. Er wird in das Gas­netz ein­ge­speist und kann in Strom oder Wär­me ge­wan­delt wer­den. Der deut­sche Ver­sor­ger Eon hat be­reits ei­ne Pi­lot­an­la­ge in der Nä­he ei­nes Wind­parks in Ost­deutsch­land in Be­trieb ge­nom­men. Mit­te Ju­ni lie­fer­te die An­la­ge erst­mals Was­ser­stoff in das Gas­netz. Es zählt mit ei­ner Ka­pa­zi­tät von 2 Me­ga­watt (MW) zu den der­zeit gröss­ten Pro­jek­ten. Die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on könn­te mit bis zu 20 oder 50 MW Leis­tung auf­war­ten.

Was der Spei­cher­trend für In­ves­to­ren bringt, hat in der Schweiz der Ver­mö­gens­ver­wal­ter EIC Part­ners durch­leuch­tet. «Spei­cher­lö­sun­gen sind für An­le­ger ein at­trak­ti­ves The­ma. Es gilt aber, die ein­zel­nen Tech­no­lo­gi­en und Her­stel­ler ge­nau an­zu­se­hen», sagt Port­fo­lio­ma­na­ger Andre­as Schnel­ler. Als viel­ver­spre­chend wer­te EIC Part­ners An­bie­ter im Um­feld der Po­wer­to-Gas-Tech­no­lo­gie. Da­zu zählt Schnel­ler das Un­ter­neh­men Hy­dro­ge­nics, wel­ches an der An­la­ge von Eon be­tei­ligt ist. Markt­po­ten­zi­al, Tech­no­lo­gie und Ka­pi­ta­li­sie­rung sprä­chen für Hy­dro­ge­nics. Nach dem Kurs­an­stieg seit Jah­res­be­ginn (vgl. Ta­bel­le) soll­ten Rück­set­zer ge­nutzt wer­den. Fu­el­cell Ener­gy und Caps­to­ne Tur­bi­ne sind eben­falls ei­nen Blick wert, al­le Ak­ti­en sind Port­fo­li­o­ti­tel des EIC Re­ne­wa­ble Ener­gy Fund. «Im Be­reich der Li­thi­um-Io­nen­Bat­te­ri­en neh­men wir noch ab­war­ten­de Hal­tung ein. Der­zeit ist schwer ab­zu­schät­zen, wel­che An­bie­ter das Ren­nen ma­chen», sagt der Port­fo­lio­ma­na­ger.

Ein ele­gan­ter Weg, über grös­se­re Un­ter­neh­men zu par­ti­zi­pie­ren, ist der USVer­sor­ger AES, der den Markt mit sei­ner Toch­ter AES Ener­gy Sto­r­a­ge be­ackert und dort ei­ne Schüs­sel­rol­le hat (vgl. Kas­ten). Glei­ches gilt für den Elek­tro­tech­nik­kon­zern ABB. Das Un­ter­neh­men nahm 2012 mit dem Elek­tri­zi­täts­werk des Kan­tons Zü­rich ei­ne Bat­te­rie mit Ma­xi­mal­leis­tung 1 MW in Be­trieb. Der ita­lie­ni­sche Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber Ter­na ist eben­falls in der Ener­gie­spei­che­rung ak­tiv, die Ak­ti­en sind ver­gleichs­wei­se ri­si­ko­arm.

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