AMD will sich von In­tel eman­zi­pie­ren

USA Den ewi­gen Zwei­kampf mit dem welt­weit gröss­ten Chip­her­stel­ler hat das Un­ter­neh­men ver­lo­ren – Er­folg lockt in der Ni­sche – Ak­ti­en sind ei­ne Über­le­gung wert

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE/TELECOM - THORS­TEN RIEDL

AMD ist noch im Gi­ga­hertz-Ren­nen ge­fan­gen. Zur Spie­le­mes­se E3 in Los Angeles zeig­te der Chip­her­stel­ler sei­nen ers­ten Pro­zes­sor, der fünf Gi­ga­hertz schafft. Da­bei zäh­len in der Chip­in­dus­trie in­zwi­schen längst an­de­re Wer­te, der Strom­ver­brauch bei­spiels­wei­se. Der Pro­zes­sor von Ad­van­ced Mi­cro De­vices (AMD) braucht mehr Ener­gie als ver­gleich­ba­re Chips des ewi­gen Ri­va­len In­tel. Der FX 9590 wird wohl nur Spie­ler be­geis­tern. Da­mit bleibt das Un­ter­neh­men in der Ni­sche ge­fan­gen – aber das zahlt sich für An­le­ger durch­aus aus. Seit An­fang Jahr ha­ben sich die Ti­tel des ewi­gen Zwei­ten in der Chip­in­dus­trie um mehr als zwei Drit­tel ver­teu­ert. Da­bei ist AMD in ei­ni­gen Be­rei­chen bes­ser als Angst­geg­ner In­tel. Die Er­ho­lung der Ak­ti­en könn­te wei­ter­ge­hen.

Was Chips für Com­pu­ter an­be­langt, kämpft AMD seit der Grün­dung 1969 ge­gen In­tel an. Der um ein Viel­fa­ches grös­se­re Ri­va­le ging ein Jahr frü­her an den Start. Trotz des un­we­sent­li­chen zeit­li­chen Vor­sprungs liegt AMD hin­ten – schon im­mer. Zum Gut­teil ist das der un­se­li­gen Win­tel-Al­li­anz zu ver­dan­ken: Seit Mit­te der Acht­zi­ger­jah­re ge­hen das Be­triebs­sys­tem Win­dows von Mi­cro­soft, Chips von In­tel und Per­so­nal-Com­pu­ter Hand in Hand. In­tel hat oft mit un­fai­ren Me­tho­den

In­tel vs. AMD den Er­folg bes­se­rer Pro­duk­te von AMD zu­nich­te­ge­macht. Kar­tell­be­hör­den welt­weit ha­ben In­tel da­für ge­büsst und ins­ge­samt Mil­li­ar­den­stra­fen ver­hängt.

Über­mäch­ti­ger Geg­ner

AMD nutzt das kaum. Zum ei­nen tut sich das Un­ter­neh­men schwer, tech­no­lo­gisch mit­zu­hal­ten. Kein Wun­der: In­tel hat mit ei­nem Um­satz von 12 Mrd. $ im ers­ten Quar­tal gut zwölf­mal so viel ge­löst. Wäh­rend der Klei­ne­re ei­nen Ver­lust von 146 Mio. $ ver­bu­chen muss­te, ver­dien­te In­tel im Quar­tal 2 Mrd. $. In­tel in­ves­tiert wei­ter

Markt­an­tei­le der Pro­zes­sor­her­stel­ler in die eig­ne Fer­ti­gung, AMD muss­te den Pro­duk­ti­ons­arm aus­la­gern. Hin­zu kommt der Er­folg mo­bi­ler Pro­zes­so­ren. So lie­gen in­zwi­schen mit Qual­comm und Samsung zwei Her­stel­ler mo­bi­ler Mi­kro­pro­zes­so­ren in der Ge­samt­sta­tis­tik vor AMD (vgl. Gra­fik 1). Die Ant­wort des Ge­schun­de­nen: AMD lässt In­tel zie­hen und sucht ihr Glück in der Ni­sche.

Wie In­tel ver­sucht sich AMD bis­lang eher glück­los in Smart­pho­nes und Ta­blet­Com­pu­tern. Zum Branchentreff Com­putex An­fang Ju­ni in Tai­wan stell­te AMD nun spe­zi­el­le strom­spa­ren­de Pro­zes­so­ren für das schnell wach­sen­de Seg­ment vor.

La­ger­be­stand der Chip­her­stel­ler

Mehr Er­folg ver­bucht das Un­ter­neh­men im Ga­ming-Seg­ment. Ne­ben Hoch­leis­tungs­pro­zes­so­ren wie dem 5-Gi­ga­hertz-Chip für Desk­top-Rech­ner hat AMD ei­ne star­ke Po­si­ti­on bei Spiel­kon­so­len. Für die neu­en Ge­rä­te Xbox One von Mi­cro­soft und Play­s­ta­ti­on 4 von So­ny lie­fert das Un­ter­neh­men Lo­gik- und Gra­fik­pro­zes­so­ren. Auch die Wii U von Nin­ten­do ver­fügt über ei­nen AMD-Gra­fik­chip. Frag­lich ist, wel­chen Er­folg die neu­es­ten Kon­so­len noch ha­ben. Das Gros der Spie­ler nutzt in­zwi­schen Smart­pho­ne oder Ta­blet zum Zeit­ver­treib (vgl. FuW Nr. 40 vom 25. Mai). Nichts­des­to­trotz: Cre­dit Suis­se geht da­von aus, dass der Ga­ming-An­teil am AMDUm­satz bei 6% liegt – und sich bis En­de Jahr mehr als ver­vier­fa­chen könn­te.

Hoff­nung im Re­chen­zen­trum

Der grösste Hoff­nungs­trei­ber von AMD ist der Ge­schäfts­be­reich Netz­rech­ner. Auf ei­nen An­teil von 96% hat es In­tel dort ge­schafft. AMD will wach­sen: Das Un­ter­neh­men hat im ver­gan­ge­nen Jahr das Start-up Se­aMi­cro ge­kauft, um bei Ge­rä­ten für die ge­bräuch­lichs­te Auf­ga­ben im Re­chen­zen­trum auf­zu­ho­len. In die­ser Wo­che hat AMD neue Ser­ver­chips vor­ge­stellt, dar­un­ter die ers­ten auf Ba­sis von ARM-Tech­nik. Chips der bri­ti­schen Ge­sell­schaft ARM sind in Han­dys und Ta­blets ver­brei­tet und sehr strom­spa­rend. «Vor fünf Jah­ren wa­ren Ser­ver lang­wei­lig», sagt And­rew Feld­man, Chef des Be­reichs bei AMD. «Künf­tig spielt sich dort ei­ne der wich­tigs­ten Schlach­ten im Tech­nik­be­reich ab.»

Die Kon­zen­tra­ti­on auf Ni­schen scheint sich für AMD an­ge­sichts des über­mäch­ti­gen Geg­ners In­tel aus­zu­zah­len. Die La­ger­be­stän­de für Chips wer­den lang­sam auf­ge­baut, was sich in Um­satz nie­der­schla­gen dürf­te (vgl. Gra­fik 2). Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für 2014 von 135 ist auf­grund der Tur­naround-Si­tua­ti­on nicht aus­sa­ge­kräf­tig. Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger zie­hen ein En­ga­ge­ment in Er­wä­gung.

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