Ne­w­ron könn­te die Lü­cke fül­len

SCHWEIZ Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler do­mi­nie­ren Markt für Par­kin­son-me­di­ka­men­te – «Ers­te ech­te In­no­va­ti­on» – Med­tech bes­ser po­si­tio­niert

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DO­MI­NIK FELD­GES

Die Füh­rung des an der SIX ko­tier­ten und auf die Be­hand­lung von Par­kin­son spe­zia­li­sier­ten ita­lie­ni­schen Bio­tech­no­lo­gie-Un­ter­neh­mens Ne­w­ron ist sie­ges­si­cher. «Wir wer­den mit Sa­fi­n­a­mi­de die Wirk­sam­keit un­se­res The­ra­pie­an­sat­zes be­wei­sen und von den Re­gu­lie­rungs­be­hör­den in den USA und Eu­ro­pa die Markt­zu­las­sung er­hal­ten», sagt Ge­schäfts­füh­rer Ste­fan We­ber im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Noch wei­ter aus dem Fens­ter lehnt sich der me­di­zi­ni­sche Ex­per­te des mit knapp 100 Mio. Fr. be­wer­te­ten Klein­un­ter­neh­mens, Chief Me­di­cal Of­fi­cer Ra­vid Anand: Er spricht von der «ers­ten ech­ten In­no­va­ti­on seit 25 bis 30 Jah­ren» auf dem Ge­biet der Par­kin­son-Me­di­ka­men­te.

«In­kre­men­tel­le Fort­schrit­te»

Die Fach­leu­te der bis vor ein­ein­halb Jah­ren in Ne­w­ron en­ga­gier­ten Zürcher In­vest­ment­ge­sell­schaft Ad­amant Bio­me­di­cal In­vest­ments sind skep­ti­scher. Wie Port­fo­lio­ma­na­ger Sa­mu­el Sturs­berg an ei­nem In­ves­to­ren­an­lass zum The­ma Neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ve Krank­hei­ten aus­führ­te, sei­en in den nächs­ten Jah­ren nur «in­kre­men­tel­le Fort­schrit­te» in der me­di­ka­men­tö­sen Par­kin­son-Be­hand­lung zu er­war­ten. Deut­lich mehr an­ge­tan ist Ad­amant von den Aus­sich­ten in der Tie­fen­hirn­sti­mu­la­ti­on, ei­ner The­ra­pie­me­tho­de aus der Me­di­zi­nal­tech­nik (vgl. Text­box).

Von FuW auf Ne­w­ron an­ge­spro­chen, mahn­te Sturs­berg zur Vor­sicht. Wie die meis­ten In­ves­to­ren ver­kauf­te Ad­amant im Herbst 2011 ih­re An­tei­le am Ne­w­ron-Ka­pi­tal, nach­dem aus­ge­kom­men war, dass Merck Se­ro­no, der Bio­tech-Arm des deut­schen Phar­ma- und Che­mie­kon­zerns Merck, le­dig­lich vier Mo­na­te vor der er­war­te­ten Prä­sen­ta­ti­on der Er­geb­nis­se ei­ner ab­schlies­sen­den Pha­se-III-Stu­die zu Sa­fi­n­a­mi­de die Rech­te an das ita­lie­ni­sche Un­ter­neh­men zu­rück­ge­ge­ben hat­te.

Zam­bon ist nicht Merck

«Der Vor­fall mit Merck ist si­cher nicht als po­si­ti­ves Zei­chen zu wer­ten», sag­te Sturs­berg und füg­te hin­zu, dass der neue Ent­wick­lungs- und Ver­triebs­part­ner von Ne­w­ron, die pri­va­te ita­lie­ni­sche Phar­ma­grup­pe Zam­bon, nicht das glei­che Re­nom­mee ha­be wie Merck. Nach An­sicht des Port­fo­lio­ma­na­gers stel­len sich auch Fra­gen zur Preis­stel­lung von Sa­fi­n­a­mi­de. Als ein in Kom­bi­na­ti­on mit eta­blier­ten Par­kin­son-Me­di­ka­men­ten ver­ab­reich­tes Prä­pa­rat (Add-on-The­ra­pie) tre­te es in ei­nen von Ge­ne­ri­ka do­mi­nier­ten Markt ein. «Wie viel Zam­bon und Ne­w­ron da­für ver­lan­gen kön­nen, muss sich erst noch wei­sen», sag­te Sturs­berg.

Für die Ne­w­ron-Ma­na­ger We­ber und Anand liegt die Stär­ke von Sa­fi­n­a­mi­de je­doch ge­ra­de in der Ei­gen­schaft als Ad­don-The­ra­pie. Sa­fi­n­a­mi­de sei das ers­te Me­di­ka­ment, das es für die ge­mein­sa­me Ver­ab­rei­chung mit so­ge­nann­ten Do­pa­min- ago­nis­ten, der gän­gi­gen Be­hand­lungs­art leich­te­rer Fäl­le von Par­kin­son, ge­be. In Kom­bi­na­ti­on mit Le­vo­do­pa, das Pa­ti­en­ten in fort­ge­schrit­te­ne­rem Sta­di­um neh­men, ber­ge Sa­fi­n­a­mi­de den Vor­teil, dass es die für Par­kin­son-Pa­ti­en­ten ty­pi­schen schmerz­haf­ten er­ra­ti­schen Be­we­gun­gen re­du­zie­re und nicht wie im Fall von Kon­kur­renz­prä­pa­ra­ten gar noch stei­ge­re.

Die meis­ten Par­kin­son-Me­di­ka­men­te sind der Kon­kur­renz von Nach­ah­mer­pro- duk­ten aus­ge­setzt. Für Le­vo­do­pa ge­be es Hun­der­te von Ge­ne­ri­ka, sagt Anand. Doch auch die jün­ge­ren Do­pa­mi­nago­nis­ten sind kaum noch vor Ko­pi­en ge­schützt. Der eins­ti­ge Block­bus­ter von Boehringer In­gel­heim, Mi­ra­pex, ver­lor 2010 den Pa­tent­schutz. Der Um­satz von Re­quip, her­ge­stellt vom bri­ti­schen Phar­ma­mul­ti Gla­xoS­mit­hK­li­ne, brach im ver­gan­ge­nen Jahr we­gen der Kon­kur­renz durch Ge­ne­ri­ka 22% auf 164 Mio. £ (237 Mio. Fr.) ein. Com­tan/Sta­le­vo, ein Kom­bi­na­ti­ons­prä­pa­rat aus drei Wirk­stof­fen (u. a. Le­vo­do­pa) von No­var­tis, brach­te 2012 mit 530 Mio. $ 14% we­ni­ger ein als im Vor­jahr.

Am kom­for­ta­bels­ten ist die La­ge der bel­gi­schen Phar­ma­grup­pe UCB. Sie hat ih­ren Do­pa­mi­nago­nis­ten Neu­pro erst im Ju­li 2012 in den USA lan­ciert und sich zum Ziel ge­setzt, den letzt­jäh­ri­gen Um­satz bis 2020 zu ver­drei­fa­chen (auf min­des­tens 400 Mio. €). Der Ziel­wert ent­spricht den 500 Mio. $, die Sa­mu­el Sturs­berg von Ad­amant ge­ne­rell neu­en Par­kin­son-Prä­pa­ra­ten als jähr­li­chen Spit­zen­um­satz zu­traut. Ins­ge­samt dürf­ten die Phar­ma­ein­nah­men in die­sem The­ra­pie­ge­biet we­gen des star­ken Ein­flus­ses von Ge­ne­ri­ka aber wie in den letz­ten Jah­ren auf dem Ni­veau von gut 2 Mrd. $ ver­har­ren.

On­ko­lo­gie vor­zie­hen

Ge­gen­wär­tig lei­den welt­weit rund 8,5 Mio. Pa­ti­en­ten an Par­kin­son, wo­bei Neu­er­kran­kun­gen am häu­figs­ten im Al­ter von 80 bis 90 Jah­ren auf­tre­ten. We­gen der stei­gen­den Le­bens­er­war­tung dürf­te sich die Zahl der Be­trof­fe­nen bis 2030 min­des­tens 50% er­hö­hen, wenn nicht gar ver­dop­peln. Da ge­mäss Ad­amant über 25% der Be­hand­lungs­kos­ten auf Me­di­ka­men­te ent­fal­len, kön­nen sich Arz­nei­her­stel­ler auf ei­nen Nach­fra­ge­schub freu­en. An­le­ger fin­den im Phar­ma­sek­tor gleich­wohl span­nen­de­re Seg­men­te. Krebs­the­ra­pi­en und die Be­hand­lung von Dia­be­tes, wo u. a. Ro­che (On­ko­lo­gie) und No­vo Nor­disk (Dia­be­tes) füh­rend sind, pro­fi­tie­ren eben­falls von der Übe­r­al­te­rung, sind we­gen ei­nes deut­lich hö­he­ren In­no­va­ti­ons­gra­des aber we­ni­ger Preis­druck aus­ge­setzt.

Im Fall von Ne­w­ron, die noch kein markt­rei­fes Pro­dukt hat und da­mit so gut wie kei­nen Um­satz er­zielt, bie­tet sich In­ves­to­ren mit ei­ner Zu­las­sung von Sa­fi­n­a­mi­de die Chan­ce auf ei­ne sub­stan­zi­el­le Wert­stei­ge­rung. Doch dürf­te die US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA das noch nicht ein­ge­reich­te Zu­las­sungs­ge­such erst ge­gen En­de 2014 ab­schlies­send be­ur­tei­len. Falls Ne­w­ron wi­der Er­war­ten schei­tern soll­te, wür­den sich wie schon 2011 grund­le­gen­de Fra­gen zur Exis­tenz­fä­hig­keit des Un­ter­neh­mens stel­len. Kon­ser­va­ti­ve An­le­ger se­hen un­ter die­sem Ge­sichts­punkt vor­läu­fig lie­ber von ei­nem In­vest­ment ab.

Ne­w­ron N

Par­kin­son-Pa­ti­en­ten wer­den oft vom «Ru­he­zit­tern» ge­plagt. Me­di­ka­men­te hel­fen kaum.

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