Con­tent is King

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Bill Ga­tes sag­te es schon 1996: Con­tent is King – nur mit dem rich­ti­gen In­halt lässt sich im In­ter­net Geld ver­die­nen. Was der Mi­cro­soft-Grün­der da­mals pro­phe­tisch fest­hielt, klingt heu­te ab­ge­lutscht. Da­bei ist die Ein­schät­zung mehr denn je zu­tref­fend. Es geht nicht nur um Soft­ware. Seit der Di­gi­ta­li­sie­rung von TV und dem Aus­bau von Fest- und Mo­bil­funk­net­zen las­sen sich ver­brei­tet auf un­ter­schied­lichs­ten End­ge­rä­ten Pro­duk­te an­bie­ten, die frü­her on­li­ne un­denk­bar ge­we­sen wä­ren. Das bringt auch für die TV-In­dus­trie Um­wäl­zun­gen. Die Kräf­te­ver­hält­nis­se, so zei­gen Markt­pro­gno­sen, ver­schie­ben sich von den Hard­ware­her­stel­lern zu­guns­ten von In­hal­te­pro­du­zen­ten. Me­dien­un­ter­neh­men mit at­trak­ti­ven In­hal­ten dür­fen ei­nen hö­he­ren An­teil an der Wert­schöp­fung im In­ter­net er­war­ten.

Ein Pro­fi­teur die­ser Ent­wick­lung ist der bri­ti­sche Me­di­en­kon­zern ITV – die Ab­kür­zung steht für In­de­pen­dent Te­le­vi­si­on. Das his­to­ri­sche Kern­ge­schäft, der Be­trieb re­gio­na­ler TV-Ka­nä­le und von Di­gi­tal-TV, steht zwar we­gen ver­än­der­ter Nut­zer­ge­wohn­hei­ten und der Aus­brei­tung von in­ter­ak­ti­vem TV un­ter Druck. Aber ITV hat vor drei Jah­ren ei­ne Re­struk­tu­rie­rung und Neu­aus­rich­tung be­gon­nen.

Seit­her fasst die Grup­pe wie­der Tritt. 2012 setz­te ITV rund 2,2 Mrd. £ um und er­ziel­te ein ope­ra­ti­ves Er­geb­nis (Ebitda) von 520 Mio. £. Ein stei­gen­der Teil der Ein­nah­men stammt aus dem In­ter­ak­tiv- und On­li­ne- so­wie Vi­deo-on-De­mand-Seg­ment, das über­pro­por­tio­nal wächst. Da­mit ver­rin­gert ITV die Ab­hän­gig­keit vom zy­kli­schen TV-Wer­be­markt. Aus­ser­dem ha­ben die Bri­ten seit Mit­te 2012 für ins­ge­samt 62 Mio. £ fünf TV-Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaf­ten er­wor­ben. Die Ana­lys­ten von Cre­dit Suis­se bil­li­gen ITV die Schaf­fung wert­vol­ler Ur­he­ber­rech­te in Un­ter­hal­tung, Come­dy oder Do­ku so­wie ein er­folg­rei­ches welt­wei­tes Sen­dungs­for­mat zu.

Das TV-Pro­duk­ti­ons­ge­schäft ist mo­de­ge­trie­ben und nicht ri­si­ko­frei. Die wech­sel­haf­te Ge­schich­te des Wett­be­wer­bers En­demol zeigt dies. Trotz ei­ner Neu­be­wer­tung ha­ben die ITV-Ak­ti­en aber noch Spiel­raum nach oben, da die Ren­di­te auf das ein­ge­setz­te Ka­pi­tal auch in ei­nem kon­ser­va­ti­ve­ren Ge­schäfts­sze­na­rio deut­lich zu­nimmt und weit über 40% liegt. Ge­mäss CS soll zu­dem der freie Cash­flow von 329 Mio. £ im Jahr 2012 bis 2014 auf über 520 Mio. £ stei­gen.

ITV weist fer­ner 1,3 Mrd. £ Bar­mit­tel aus. Des­we­gen hält der Bro­ker Li­be­r­um in den nächs­ten drei Jah­ren ei­ne Ka­pi­tal­rück­zah­lung von bis zu 1,3 Mrd. £ für mög­lich. Zum Ver­gleich: Für 2012 zahl­te ITV 234 Mio. £ Di­vi­den­de (2,6 p je Ak­tie re­gu­lär, 4 p Son­der­di­vi­den­de). An­ge­sichts ho­her Pen­si­ons- und Lea­sing­ver­pflich­tun­gen dürf­ten 1,3 Mrd. £ Rück­zah­lung aber über­trie­ben sein. Doch auch nur ei­ne so­li­de Di­vi­den­den­ren­di­te um 3% so­wie la­ten­te Über­nah­me­fan­ta­sie – RTL war vor fünf Jah­ren in­ter­es­siert – dürf­ten für an­hal­ten­den Ap­pe­tit auf ITV-Ak­ti­en sor­gen. Über­ra­schen­de TV-High­lights könn­ten den Kurs wei­ter be­flü­geln.

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