Afri­ka – «Ho­me Bi­as»

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MAR­CO GWER­DER, VIK­TOR BAU­MANN,

Im Früh­ling die­ses Jah­res mach­te ich Ur­laub in Nord­afri­ka. Nach­dem ich im Herbst be­reits den «auf­stre­ben­den» Os­ten Ke­nia) be­reist hat­te, war ich ge­spannt auf den «ent­wi­ckel­te­ren» Nor­den Afri­kas. Be­wusst ha­be ich die­se Ad­jek­ti­ve in An­füh­rungs­zei­chen ge­setzt, sie sind Ana­lys­ten­be­rich­ten ent­lie­hen. Ich ge­be zu, dass auch die Neu­gier ei­nes An­le­gers mit in die­se Län­der ge­reist ist. Schon seit gut ei­nem Jahr rei­hen sich die Eu­phe­mis­men über Afri­ka an­ein­an­der. «Er­heb­li­ches Po­ten­zi­al» oder «steht vor ei­nem an­hal­ten­den Boom» liest man re­gel­mäs­sig. Vor Ort will sich bei mir die­se Eu­pho­rie zum In­ves­tie­ren je­doch nicht so recht ent­wi­ckeln. Der Rei­se­lei­ter er­klär­te uns, wie­so bei­spiels­wei­se in Kai­ro schein­bar mehr an­ge­fan­ge­ne als fer­tig ge­bau­te Häu­ser ste­hen: Der Bau wer­de nicht un­be­dingt mit der Ab­sicht be­gon­nen, die­se Woh­nung auch zu be­zie­hen. Viel­mehr ge­he man da­von aus, dass die­se Woh­nung bald zu ei­nem hö­he­ren Preis ver­kauft wer­den kön­ne… Die­se Pro­ble­me hat Mom­ba­sa nicht. Wei­te Tei­le der Stadt gli­chen eher dem, was wir als Slum be­zeich­nen wür­den.

Un­mit­tel­bar kommt mir der Be­griff «Ho­me Bi­as» in den Sinn. Für «Bi­as» fin­de ich fol­gen­de Syn­ony­me: Ver­zer­rung, Ten­denz, Be­fan­gen­heit, Vor­ur­teil und vie­le an­de­re, die eher ne­ga­tiv an­mu­ten. Der Wi­ki­pe­dia-Ar­ti­kel ist da neu­tra­ler ge­hal­ten, spricht sich aber auch für ei­ne mög­lichst ho­he An­zahl von Märk­ten im Port­fo­lio aus. Um­schreibt denn der «Ho­me Bi­as» nicht den An­la­ges­til von War­ren Buf­fett? In et­was in­ves­tie­ren, das man auch ver­steht. So schlecht scheint mir die Idee nicht zu sein. Im­mer­hin ist der Be­griff «Heim­markt» im heu­ti­gen In­for­ma­ti­ons­zeit­al­ter sehr weit zu fas­sen. Der Fluss an Da­ten kann zu­min­dest in den ent­wi­ckel­ten Län­dern als ef­fi­zi­ent be­zeich­net wer­den. Mei­ne «In­vest­ments» in Afri­ka etc. wer­den sich je­den­falls auch wei­ter­hin auf Fe­ri­en be­schrän­ken. Die «Heim­märk­te» Schweiz, Eu­ro­pa und USA bie­ten in mei­nen Au­gen aus­rei­chend Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­po­ten­zi­al. gen­de Fol­gen für die Re­fi­nan­zie­rung und den Geld­fluss auf dem In­ter­ban­ken­markt ei­nes In­sti­tuts. Der Fall We­ge­lin hat dies ein­drück­lich ge­zeigt.

Als US-Per­so­nen gel­ten im Üb­ri­gen al­le Per­so­nen mit ei­nem US-Pass, Per­so­nen mit ei­ner Gre­en Card und Dop­pel­bür­ger (USA/Schweiz). Dies zeigt, dass es für Ban­ken nicht ein­fach ist, im­mer zu wis­sen, ob es sich beim Kon­to­in­ha­ber um ei­nen Steu­er­pflich­ti­gen nach US-Recht han­delt. Die heu­te im Be­sitz der US-Jus­tiz vor­han­de­nen Da­ten müs­sen durch Ver­tre­ter bei­der Sei­ten durch­leuch­tet wer­den. Nur bei nach­weis­ba­rem Fehl­ver­hal­ten der Bank nach gül­ti­gem Ge­setz kann am Schluss auch ein Bus­se aus­ge­spro­chen wer­den.

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