Lin­ke Initia­ti­ven

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MAR­KUS MIN­DER,

FuW Nrn. 43 vom 5.6. bzw. 44 vom 8.6. So­wohl Man­fred Rösch als auch Pe­ter Bern­holz sor­gen sich um die Zu­kunft un­se­rer li­be­ra­len Wirt­schafts­ord­nung und pro­phe­zei­en uns ei­ne ra­ben­schwar­ze Zu­kunft, soll­ten die ein­ge­reich­ten lin­ken Initia­ti­ven (1:12, Min­dest­lohn, Erb­schafts­steu­er) beim Volk Mehr­hei­ten fin­den. So weit bin ich mit den Au­to­ren ein­ver­stan­den. We­ni­ger glück­lich bin ich mit Röschs Ver­men­gung die­ser An­lie­gen mit der wuch­tig an­ge­nom­me­nen Initia­ti­ve ge­gen die Ab­zo­cke­rei, bei der es sich le­dig­lich um ei­ne Ver­bes­se­rung der Ak­tio­närs­rech­te han­delt und die es da­mit ge­wis­sen Ma­na­gern in Zu­kunft er­schwert, die an der Bör­se ge­han­del­ten Ge­sell­schaf­ten als Selbst­be­die­nungs­lä­den zu miss­brau­chen. Ich, mei­ne Fa­mi­lie und un­se­re «bür­ger­li­chen» Freun­de ha­ben die­sem An­lie­gen al­le zu­ge­stimmt.

Ge­nau­so de­zi­diert wer­den wir die oben er­wähn­ten staat­li­chen Ein­grif­fe ab­leh­nen, da sie an­ders als die Ab­zo­cker-Initia­ti­ve un­mit­tel­ba­re Ein­grif­fe in die schwei­ze­ri­sche Wirt­schafts­ver­fas­sung zur Fol­ge hät­ten und nicht ei­ne blos­se Kom­pe­tenz­ver­la­ge­rung vom Ver­wal­tungs­rat an die Ge­ne­ral­ver­samm­lung be­zwe­cken. In die­sem Zu­sam­men­hang ist al­ler­dings fest­zu­stel­len, dass Eco­no­mie­su­is­se-na­he Grup­pie­run­gen und de­ren hoch do­tier­te Wirt­schafts­an­wäl­te nichts un­ter­las­sen, um die wort­ge­treue Um­set­zung der Ab­zo­ckerInitia­ti­ve – vor­erst via bun­des­rät­li­che Ver­ord­nung – zu hin­ter­trei­ben und sie im Sin­ne des wert­lo­sen Ge­gen­vor­schlags um­zu­deu­ten. Soll­ten die­se Krei­se Er­folg ha­ben, muss man sich schon über­le­gen, ob es nicht Sa­che der Öf­fent­lich­keit wä­re, ge­wis­se Aus­wüch­se der frei­en Markt­wirt­schaft von Staa­tes we­gen zu re­geln.

P.S.: Bei der Lek­tü­re von Man­fred Röschs Ar­ti­kel («Früch­te des Zorns», 5. Ju­ni) hat sich bei mir der Ver­dacht ein­ge­schli­chen, ob es sich bei ihm wirk­lich um ei­nen Ver­fech­ter der di­rek­ten De­mo­kra­tie han­delt oder ob er sich nicht eher dem klas­si­schen Li­be­ra­lis­mus ver­bun­den fühlt. Schon Ben­ja­min Con­stant, ei­ner der Vä­ter des Li­be­ra­lis­mus, war ja de­zi­diert der Mei­nung, dass nur ge­bil­de­te und wohl­ha­ben­de Män­ner in der La­ge sei­en, die ( Wirt­schafts-)Frei­heit wirk­lich zum Tra­gen zu brin­gen. Erst die so­ge­nann­ten De­mo­kra­ten aus der frei­sin­ni­gen Gross­fa­mi­lie (Gru­ner) hal­fen dann un­se­rer di­rek­ten De­mo­kra­tie zum Durch­bruch.

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